Margaret Court - Ehrung für umstrittene Tennis-Legende

Margaret Court

Ehrung 50 Jahre nach dem Grand-Slam-Sieg

Margaret Court - Ehrung für umstrittene Tennis-Legende

50 Jahre nach ihrem Grand-Slam-Sieg soll Margaret Court bei den Australian Open geehrt werden - trotz ihrer Attacken auf Homosexuelle und Transgender.

Am Montag (27.01.2020) werde ihr die längst verdiente Anerkennung zuteil, sagte Court in einem Interview. Die Ankündigung löste Unwohlsein aus, vor allem beim australischen Tennisverband. Denn eine der größten Tennisspielerinnen der Geschichte ist auch bekannt für ihre Hasspredigten.

Predigt über Gottlosigkeit

Court ist mit ihren 24 Einzeltiteln bei den vier Grand Slams zwischen 1960 und 1973 noch immer die Rekordsiegerin, sie war ein Idol in Australien, verehrt und überhäuft mit Auszeichnungen.

Zuletzt wetterte die 77-Jährige vor der evangelikalen Gemeinde in Perth aber auch gegen Homosexuelle und Transgender, und das nicht zum ersten Mal. "Der Teufel" sei in diese Menschen gefahren, die Homosexualität eine gottlose "Lust des Fleisches".

"Eine homophobe Rassistin"

Vor 25 Jahren hat Court eine Pfingstkirche gegründet, sie ist dort seitdem Pastorin. Martina Navratilova, deren Outing 40 Jahre zurückliegt, hat Court als "eine einst herausragende Tennisspielerin und eine homophobe Rassistin" bezeichnet. Sie fordert, Courts Namen von der zweitgrößten Arena im Melbourne Park zu tilgen. Der dreimalige Wimbledonsieger John McEnroe warf Court nach einem ihrer hässlichen Ausfälle vor, "uns ins tiefste Mittelalter" versetzen zu wollen.

Jetzt wird Court dafür geehrt, dass sie 1970 den Grand Slam gewonnen hat, also innerhalb eines Jahres die vier Turniere in Australien, Paris, Wimbledon und New York. Dabei, versichert Craig Tiley, Chef des Turniers und des Verbandes, soll es auch bleiben. Zwischen der "Anerkennung für etwas" und "Feierlichkeiten für jemanden" bestehe "ein Unterschied", betonte er. Das heißt, die sportliche Leistung von Margaret Court wird gewürdigt - nicht Margaret Court. "Wir haben Margaret klar gemacht, dass wir ihre Ansichten nicht teilen", sagte Tiley. Tennis sei ein Sport, der "offen ist für alle".

Turnier für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender

Zudem wies er darauf hin, dass der Verband schon zum dritten Mal Gastgeber des "Grand Slam" sei, eines internationalen Turniers für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender: Die Finale finden am 2. Februar, dem letzten Turniertag der Australian Open, auf Court 3 im Melbourne Park statt.

Court selbst ficht das nicht an. "So viele Leute haben mir auf die Schulter geklopft und gesagt: Danke, dass sie meine Stimme sind. Ich habe niemanden sagen hören: Ich hasse dich", sagte sie. Zugleich beklagte sie: "Ich werde verfolgt, weil ich die Bibel lehre."

Nicht nur Turnierchef Tiley ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums am Montag, gilt dies doch als weltoffen und tolerant. Ein Beleg dafür: Als Court am Montag ein Match verfolgte, wurde auf den Videowänden und im Fernsehen wiederholt ein Banner in den Regenbogenfarben und der Aufschrift "Open4All" eingeblendet.

sid | Stand: 25.01.2020, 10:50

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