Australian Open - Warten auf das Startsignal

Rafael Nadal bei den Australian Open in Melbourne

Tennis-Saison 2021

Australian Open - Warten auf das Startsignal

Die Australian Open werden aller Voraussicht nach im Februar stattfinden, drei Wochen später als geplant. Die Hängepartie um das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres belastet schon jetzt den Kalender auf der Tennis-Tour und erhöht den Druck auf die übrigen Turniere.

Die Verleihung der Sports Awards des Schweizer TV-Senders SRF ist normalerweise keine Veranstaltung, die international für Aufsehen sorgt. Anders in diesem Jahr, denn der Auftritt von Roger Federer, der bei der Gala am Sonntagabend (13.12.2020) ausgezeichnet wurde, stieß auf ein großes Echo, sogar im fernen Australien: Die langjährige Nummer eins der Tennis-Welt gab auf der Bühne in Zürich bekannt, dass er das geplante Comeback bei den Australian Open nach fast einem Jahr Verletzungspause und Reha wohl verschieben werde. Die Nachricht schlug ein in Australien, wo die großen Sportmedien spätestens ab Weihnachten dem ersten Grand Slam des Jahres entgegenfiebern.

Dass Rafael Nadal am darauffolgenden Tag seinen Start in Melbourne bestätigte, wurde bei den australischen Tennisfans mit Erleichterung aufgenommen. Doch darüber hinaus sind weiter viele Fragen offen rund um den "Happy Slam", angefangen beim Termin: Der ursprünglich vorgesehene Plan, Profis und Betreuerstab Mitte Dezember nach Australien reisen zu lassen, damit das Turnier wie gewohnt Mitte Januar 2021 starten kann, scheiterte an den strengen Coronabeschränkungen in Australien, das eine zweiwöchige Quarantäne nach der Einreise vorschreibt und die Grenzen für ausländische Staatsbürger komplett geschlossen hält.

8. Februar als Termin für Australian Open

Wochenlang verhandelten der Veranstalter Tennis Australia, ATP und WTA mit den Behörden des Bundesstaats Victoria, der mögliche Temin für eine Einreisegenehmigung wurde mehrmals nach hinten geschoben. Nun sollen die Australian Open am 8. Februar starten, wie australische Medien aus einem Schreiben von Turnierdirektor Craig Tiley an die Profis zitierten. Eine offizielle Bestätigung des neuen Termins steht aber weiter aus. Den Medienberichten zufolge sollen die Spielerinnen und Spieler vom 15. bis zum 17. Januar einreisen dürfen, mit Charterflügen von mehreren festgelegten Standorten. Im Anschluss müssten sie die obligatorische 14-tägige Quarantäne einhalten, sollen während dieser Zeit aber die Bubble verlassen dürfen und auch Trainingsmöglichkeiten eingeräumt bekommen, sodass das Turnier dann wie geplant in der zweiten Februarwoche starten kann.

Unklar ist aber nach wie vor, ob es eine Qualifikation geben wird. Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann sprach gegenüber der Sportschau von Plänen, die Qualifikation könne außerhalb Australiens, zum Beispiel in Dubai, stattfinden. Im Gespräch ist aber auch ein mögliches Ausfallgeld für Spieler, die sonst über die Qualifikation ins Hauptfeld kommen und sich so die Antrittsprämie sichern. Ohnehin scheinen die Veranstalter gewillt, den Profis finanziell entgegenzukommen. Nach einem Bericht der Zeitung "The Age" soll Tennis Australia sogar die Kosten für Charterflüge, Quarantäne und Unterkünfte für Profis und Staff übernehmen. Das Gesamtpreisgeld soll zugunsten der ersten Runden umverteilt werden, auch um den Spielern auf den hinteren Weltranglistenplätzen mehr Planungssicherheit zu geben.

Hängepartie um Melbourne belastet Tennis-Tour

Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Hängepartie rund um Melbourne den Tenniskalender belastet: Die Turniere in Adelaide, Auckland, Brisbane und Hobart, die sonst der Vorbereitung auf die Australian Open dienen, fielen bereits den Reisebeschränkungen und der unsicheren Lage in der Corona-Pandemie zum Opfer. Der ATP Cup, der im vergangenen Januar erstmals in Australien ausgetragene Herren-Teamwettbewerb, soll nach einem Bericht von "L’Equipe" nun eine Woche vor den Australian Open stattfinden, parallel mit einem weiteren Turnier, wahrscheinlich für die Damen: Auf der WTA-Tour, die bereits seit Oktober stillsteht, ist aktuell noch kein einziges Turnier für 2021 angesetzt. Die WTA hat allerdings wie die ATP noch keinen offiziellen Kalender für 2021 veröffentlicht.

Traditionstuniere wie Indian Wells wackeln

Die vier Grand-Slam-Turniere sind die Platzhirsche auf der Tennis-Tour, um sie herum haben sich alle übrigen Veranstaltungen terminiert und eingerichtet. Nachdem die Australian Open nun als erstes Major-Event des Jahres den Start nach hinten verschoben haben, erhöht dies den Druck auf die nachfolgenden Turniere im Kalender, die ohnehin schon wegen der Corona-Pandemie finanziell angeschlagen sind. Das ATP Masters in Indian Wells im März, einer der Tour-Klassiker, steht nach einem Bericht des US-Magazins Forbes erneut vor der Absage, auch die im Anschluss angesetzten Miami Open wackeln. In Delray Beach kämpfen die Organisatoren aktuell darum, ihr Traditionsturnier, das nun mit den verschobenen Australian Open kollidiert, auf Anfang Januar vorzuverlegen.

Queen's-Direktor: "Einige Turniere werden nicht überleben"

Nahezu alle kleineren Turniere haben wegen der coronabedingten Absagen bereits 2020 große Verluste eingefahren, sagte Stephen Farrow, Direktor des Turniers im Queen's, im "Guardian". Stellvertretend für die Veranstalter unterhalb der Grand-Slam-Events, die vom Sponsoring, aber vor allem von den Zuschauereinnahmen leben: "Wenn sich an der Situation im kommenden Jahr nichts ändert, dann wird es einige Turniere geben, die das nicht überleben werden."

mixa/dpa | Stand: 15.12.2020, 14:00

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