Garbiñe Muguruza - mit alter Rücksichtslosigkeit

Garbine Muguruza aus Spanien bejubelt den Einzug ins Finale der Australian Open

Finale der Australian Open in Melbourne

Garbiñe Muguruza - mit alter Rücksichtslosigkeit

Garbiñe Muguruza und Sofia Kenin bestreiten überraschend das Finale bei den Australian Open. Vor allem mit dem Comeback der früheren Weltranglistenersten aus Spanien hat kaum jemand gerechnet.

Die "Herald Sun", Australiens auflagenstärkste Zeitung, brachte den Auftritt von Garbiñe Muguruza bei den Australian Open auf den Punkt. "Mugu-ruthless" titelte das Blatt nach Muguruzas souveränem Halbfinaleinzug, ein Wortspiel mit dem Namen der Spanierin und dem englischen Wort für "rücksichtslos".

Erstes Grand-Slam-Finale für Muguruza nach Wimbledonsieg 2017

In der Tat trat die Spanierin in Melbourne auf ihrem Weg ins Finale mit einer Wucht und Angriffslust auf, die an ihre beste Zeit erinnerte: 2017 fegte sie im Finale von Wimbledon Venus Williams vom Platz und eroberte im Anschluss die Nummer eins der Weltrangliste.

Es war bereits ihr zweiter Grand-Slam-Titel, nach dem Triumph bei den French Open im Jahr zuvor. Endlich, so schien es, war die langersehnte Nachfolgerin für Rekord-Grand-Slam-Siegerin Serena Williams gefunden. Wegen ihres dominanten Spiels, ihrer Athletik und vor allem des natürlichen Selbstbewusstseins, das Muguruza ausstrahlte - anders als viele ihrer Vorgängerinnen auf der Spitzenposition im Ranking. Die "Marca" sah eine Überirdische auf dem Court: "Von welchem Planeten bist du gekommen", fragte Spaniens große Sportzeitung voller Ehrfurcht.

Doch im Anschluss blieben auch bei Muguruza die Erfolge aus, mentale Probleme kehrten zurück. Nur noch einmal, bei ihrem Halbfinaleinzug 2018 in Paris, kam sie bei einem Major-Turnier weiter als bis ins Achtelfinale. Zuletzt scheiterte sie in Wimbledon und bei den US Open jeweils in der ersten Runde, Ende des vergangenen Jahres fiel sie aus den Top 20, erstmals seit 2014.

Altes Traumpaar mit Conchita Martinez

Die Gründe dafür bleiben, wie so häufig, im Dunkeln. Plausibler erscheint da schon die Erklärung für die unerwartete Rückkehr auf die ganz große Bühne, den Einzug ins Finale von Melbourne. Einen großen Anteil daran dürfte Conchita Martinez haben, ihre alte Erfolgstrainerin. Vor zwei Jahren gingen sie getrennte Wege, doch nach einer verlorenen Zeit unter Sam Sumyk holte Muguruza die frühere Fed-Cup-Teamchefin zurück - die Zusammenarbeit funktionierte offenbar wieder auf Anhieb. "Es fühlt sich großartig an, ein bisschen wie bei einem alten Ehepaar", sagte Martinez in Melbourne, halb im Spaß: "Wie bei Brad Pitt und Jennifer Aniston. Jeder möchte doch sehen, dass sie wieder zusammen sind."

Martinez, selbst ehemalige Grand-Slam-Siegerin, lobte nach Muguruzas Finaleinzug vor allem die wiedergewonnene mentale Stärke bei der früheren Nummer eins. Beide hätten viel über Muguruzas Trip auf den Kilimandscharo gesprochen, den die Spanierin im vergangenen Oktober unternommen hatte, erzählte Martinez. Dass sie es bis zum Gipfel schaffte, gegen die Kälte und andere Widrigkeiten, davon könne sie nun auch auf dem Tennisplatz profitieren, ist Martinez überzeugt: "Das hat ihr gezeigt, was alles möglich ist, wenn man die richtige Mentalität mitbringt. Und sie hat die richtige Mentalität."

Australian Open - Der Happy Slam in Melbourne

Sportschau 26.01.2020 01:52 Min. Verfügbar bis 26.01.2021 ARD Von Ina Kast

Muguruza wiederum, gefragt nach den Gründen für ihr Comeback, sprach in Melbourne vor allem von der neu gewonnenen Geduld in ihrem Spiel, die "Momemte, in denen es nicht gut läuft, einfach auszuhalten und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen" - dies sei der Unterschied zu den vergangenen zwei, weniger erfolgreichen Jahren.

Gegen Kenin im Finale der Außenseiterinnen

Geholfen haben dürfte es ihr sicherlich auch, dass sie in Melbourne erstmals seit 2014 wieder als ungesetzte Spielerin, ohne großen Erwartungsdruck, angetreten war. Weshalb nun, vor dem Match gegen die zuvor ebenfalls nicht hoch gehandelte Sofia Kenin, von einem Finale der Außenseiterinnen die Rede ist.

Es ist sicherlich nicht das Endspiel, das sich die australischen Fans gewünscht haben, nachdem die US-Amerikanerin Kenin im Halbfinale den Titeltraum von Ashleigh Barty beim Heim-Grand-Slam beendet hatte. "Ich entschuldige mich dafür", hatte Kenin mit einem verständnisvollen Lächeln gesagt. Die 21-jährige Aufsteigerin, die im vergangenen Jahr immerhin drei Turniere gewinnen konnte, steht nun erstmals in einem Grand-Slam-Endspiel, sie könnte die jüngste Siegerin der Australian Open seit 2008 werden, als die damals 20 Jahre alte Maria Scharapowa gewann. Muguruza wiederum, die im Halbfinale Wimbledonsiegerin Simona Halep glatt in zwei Sätzen ausschaltete, wäre die erste ungesetzte Siegerin in Melbourne seit Serena Williams.

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red/dpa/sid | Stand: 31.01.2020, 17:04

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