Derbyzeit im Galopp: Zwischen Sorgen und Zuversicht

Galopp-Derby in Hamburg

Reitsport

Derbyzeit im Galopp: Zwischen Sorgen und Zuversicht

Von Niklas Schenk

Keine Zuschauer beim Deutschen Derby: In Hamburg findet die 151. Auflage des wichtigsten Galopprennens statt. Der Verband spricht von der schlimmsten Krise im Rennsport seit dem Zweiten Weltkrieg - die Veranstalter sind optimistischer.

Es ist wieder Derbyzeit im Galoppsport. In Zeiten der Coronakrise bleiben von sonst sieben Tagen beim Deutschen Derby noch drei übrig, Zuschauer dürfen nicht auf die Bahn. Stimmung und Geld gleichermaßen fallen weg.

Mit Michael Vesper, dem früheren Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat der Deutsche Galoppverband einen politisch einflussreichen Präsidenten. Und so fordert Vesper nun lautstark staatliche Unterstützung. "Durch die Geisterrennen und die Solidaritätsaktionen können wir nur einen kleinen Teil der Verluste ausgleichen, die uns ohne unser Zutun dadurch entstehen", sagte Vesper der FAZ. Die Rennbahnen würden keine Eintrittsgelder mehr einnehmen und Veranstaltungen außerhalb des Rennsports durchführen. "Das führt zu erheblichen Einbußen", sagte Vesper. Es sei die "schwerste Krise des Rennsports seit dem Zweiten Weltkrieg".

Unterstützung durch Sponsoren und Wettanbieter

Ein Anruf bei Eugen-Andreas Wahler, dem Vorsitzenden des Hamburger Rennclubs und Chef des Deutschen Derbys. Er klingt etwas optimistischer, wenn er über das Rennen spricht. "Ja, die Eintrittsgelder fallen weg", sagt Wahler, "aber es gibt ein paar wichtigere finanzielle Faktoren." Zwar fehle durch die fehlenden Zuschauereinnahmen ein sechsstelliger Betrag, aber die Sponsoren seien dem Rennen in diesen schwierigen Zeiten treu geblieben.

Und: Am wichtigsten sind ohnehin die Wetten. Wahler und der Galoppverband erhalten sonst einen Anteil aller auf der Bahn abgeschlossenen Wetten. Bei Außenwetten, die im Internet gemacht werden, fehlt dieser Anteil normalerweise. "Da kommen uns die Wettanbieter sehr entgegen, denn jede Außenwette wird als Bahnwette gewertet", sagt Wahler.

Ungefähr die Hälfte aller Wettumsätze würden online gemacht, schätzt man beim Galoppverband. Ob an diesem Wochenende, auch durch die TV-Übertragung und die besondere Situation, deutlich mehr online gewettet werden wird, ist für die Veranstalter eine der spannenden Fragen. Vermutlich werden sie auch hier im Vergleich zu den Vorjahren ein Minus machen - aber nicht ein so großes wie noch vor einigen Wochen befürchtet.

Tristesse auf der Bahn

"Wirtschaftlich sieht das gar nicht so schlecht aus insgesamt, unsere Planzahlen können wir einhalten", sagt Eugen-Andreas Wahler vom Hamburger Rennclub. Den ersten Renntag am Freitag (10.07.2020) beschreibt er so: "Guter Umsatz von außen, aber Tristesse pur auf der Bahn."

Jubelnde Zuschauer, frenetisches Anfeuern auf der Zielgeraden - all das fehlt in diesem Jahr. Genauso wie das Ganztagserlebnis Rennbahn. "Für unsere Sponsoren sind Galopprennen deshalb so interessant, weil sie den gesamten Tag mit ihren Kunden im Kontakt sein können. Zwischen den Galopprennen sind ja immer wieder Pausen, das ist was ganz anderes als etwa beim Fußball", sagt Wahler. Einen höheren, sechsstelligen Betrag nimmt das Hamburger Derby jährlich durch Sponsoren ein. Noch halten viele dem Rennen die Treue - in der Hoffnung, dass der Ausnahmezustand durch die Coronakrise, bald ein Ende findet.

Verband rechnet mit einem Drittel Verlust

Denn schon bald sollen Zuschauer bei anderen Pferdesport-Veranstaltungen wohl wieder zugelassen werden. Darauf hofft auch Jan Pommer als Geschäftsführer des Galoppverbandes. Zwar durften schon ab Anfang Mai - ohne Zuschauer - wieder Rennen ausgetragen werden und damit zu einem Zeitpunkt, als viele andere Sportarten noch pausierten. Trotzdem geht Pommer von einem deutlichen Minus im Geschäftsjahr aus: "Wir rechnen mit einem Drittel Verlust Stand jetzt und befinden uns gerade in Gesprächen mit der Politik."

Das Hauptrennen beim Derby steigt am Sonntagnachmittag (12.07.2020). Um 16.10 Uhr gehen 19 dreijährige Pferde auf die Bahn. Jockey Andrasch Starke geht mit "Wonderful Moon" als Favorit ins Rennen. Mit seinem achten Sieg könnte der Wahl-Kölner zu Rekordhalter Gerhard Streit aufschließen.

Starke geht als Favorit ins Rennen

"Man spürt diesen Adrenalin-Kitzel schon einen Tag vor dem Derby", sagt Starke. Trotz der fehlenden Zuschauer. Der "Mr. Derby" genannte Starke weiß aber auch um die Bürde: "Es ist viel schwieriger, in so einem Rennen den Favoriten zu reiten und den als Ersten über die Linie zu bringen, als wenn man einen großen Außenseiter hat."

Bei seinen bisherigen sieben Derbysiegen hat er sowohl Favoriten als auch Außenseiter geritten. "Gefreut habe ich mich über alle. Es waren alle speziell mit ganz herausragenden Pferden. Die Derbysiege sind unvergesslich", sagt der achtmalige deutsche Jockey-Champion. Sollte er ohne Zuschauer erneut triumphieren, wäre dies wohl der nächste, unvergessliche Derbysieg.

Stand: 11.07.2020, 11:56

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