Olympia - Skepsis in Japan, Sorge im Sport

Menschen mit Mund-Nasen-Schutz am Olympiastadion Tokio

Sommerspiele in Tokio

Olympia - Skepsis in Japan, Sorge im Sport

In Tokio sollen im Sommer Olympische Spiele stattfinden, doch wegen der Coronavirus-Pandemie ist dort der Ausnahmezustand verhängt worden. In Japan wurde zudem eine Mutation des Virus entdeckt, immer mehr Menschen dort lehnen Olympia ab. Im Sport wächst die Sorge vor einer Absage und den Folgen.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann befürchtet für den Fall einer Absage der Olympischen Spiele in Tokio weitreichende Konsequenzen für den nationalen und internationalen Sport. "90 Prozent der internationalen Organisationen und Verbände wären ohne die Unterstützung des IOC nicht überlebensfähig. Wenn diese Gelder wegfallen, wäre das weltweit zu spüren. Auch für den DOSB wäre das einschneidend", sagte Hörmann der "Augsburger Allgemeinen".

Ausnahmezustand in Tokio, Mutation des Virus entdeckt

Mehrere Meldungen aus Japan sorgen im Sport für Beunruhigung. Am Samstag (09.01.2021) lag die Zahl der Neuinfektionen in Japan am dritten Tag nacheinander über 7.000. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wurde am Freitag der Ausnahmezustand für den Großraum Tokio ausgerufen, 88 Prozent der Krankenhausbetten in der Hauptstadt waren da belegt. Die Beschränkungen sollen mindestens bis zum 7. Februar gelten.

Bei vier aus Brasilien nach Japan eingereisten Menschen ist zudem eine neue Variante des Coronavirus nachgewiesen worden. Sie sei nicht identisch mit den bisher in Großbritannien und Südafrika nachgewiesenen Erreger-Varianten, gab Takaji Wakita, der Chef der japanischen Gesundheitsbehörde am Sonntag bekannt. Zur Zeit gäbe es keine Hinweise darauf, dass die neu entdeckte Variante ansteckender ist.

Mehr als 80 Prozent der Menschen in Japan gegen Olympia

Die japanische Bevölkerung kann sich vor diesem Hintergrund kaum noch für die Austragung der Olympischen Spiele in diesem Sommer in Tokio begeistern. Laut einer landesweiten Telefonumfrage der Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag sprachen sich insgesamt knapp mehr als 80 Prozent der 1.041 Befragten für eine Absage (35,3 Prozent) oder erneute Verschiebung (44,8) der Spiele aus.

Eine derart hohe Ablehnung gab es bislang in keiner Umfrage. Vor einem Monat hatten sich noch rund 60 Prozent gegen die Ausrichtung in diesem Sommer ausgesprochen.

Organisatoren halten bislang an den Plänen fest

Die Spiele sollen nach derzeitiger Planung am 23. Juli beginnen. Die japanischen Organisatoren haben trotz der schwierigen Coronalage eine weitere Verschiebung der Spiele ausgeschlossen. Der für den Großraum Tokio verhängte Ausnahmezustand ändere nichts am Fahrplan für die "sichere Austragung", hieß es am Freitag. "All das, was wir aus dem IOC und von den Organisatoren in Japan hören, deutet darauf hin, dass vor Ort alles dafür getan wird, dass die Spiele auf jeden Fall stattfinden", sagte Hörmann.

Ein Hoffnungsschimmer ist die Tatsache, dass die Maßnahmen einen kurzfristigen Effekt haben könnten: Tokio meldete am Montag den vierten Tag in Folge einen Rückgang bei den Neuinfektionen. Binnen 24 Stunden wurden 1.219 neue Ansteckungen registriert, wie die Behörden mitteilen. Am Donnerstag hatte es einen Höchstwert von 2.447 Fällen gegeben.

Doch aus dem IOC gibt es sehr wohl skeptische Töne. Das dienstälteste IOC-Mitglied, der Kanadier Richard Pound, äußerte am Freitag Zweifel, ob die Spiele wie geplant stattfinden können. "Ich kann mir nicht sicher sein, weil die Wellen des Virus immer noch wie ein Elefant im Raum stehen", wird der 78-Jährige von der britischen "BBC" zitiert.

Bevorzugte Impfungen? Pound dafür, Hörmann dagegen

Pound machte sich erneut dafür stark, Olympioniken bei den Corona-Impfungen zu bevorzugen. "Athleten sind wichtige Vorbilder. Indem sie sich impfen lassen, senden sie eine kraftvolle Botschaft, dass es bei Impfungen nicht nur um die eigene Gesundheit geht, sondern auch um Solidarität und die Rücksicht auf das Wohlbefinden von anderen in ihrem Umfeld", sagte Pound, schränkte aber auch ein, dass "natürlich" zuallererst Menschen aus dem Gesundheitswesen und Risikogruppen geimpft werden sollten.

Hörmann betonte dagegen wiederholt, dass der deutsche Spitzensport beim Thema Impfen keine Sonderrolle beanspruche. "Aber ich hoffe doch, dass im März oder April ausreichend Impfstoff vorhanden ist, sodass auch die Athleten rechtzeitig geimpft werden können", erklärte der 60-Jährige.

Doch die müssen gefragt werden, eine Impfpflicht hatte auch IOC-Präsident Thomas Bach ausgeschlossen. Die für die Spiele qualifizierte japanische Langstreckenläuferin Hitomi Niiya sagte, dass sie sich nicht impfen lassen wolle. "Niiyas Haltung ist im Land viel zitiert worden und könnte auch Einfluss auf andere Menschen und Athleten haben", berichtete der Journalist Felix Lill im "Deutschlandfunk". "Das macht die Sache für die Organisatoren von Olympia natürlich auch nicht leichter."

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nch/sid/dpa/rtr/ap | Stand: 11.01.2021, 10:43

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