Rhein Ruhr 2032 - Großes Werben im kleinen Sauerland

Dagmar Freitag (L) und Michael Mronz

Bewerbung für Olympische Spiele

Rhein Ruhr 2032 - Großes Werben im kleinen Sauerland

Von Olaf Jansen

Das Sauerland ist eher nicht als Hotspot eingeplant, wenn es um die mögliche Olympiabewerbung der Rhein-Ruhr-Region für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032 geht. Dennoch hatten die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag und Michael Mronz, der Kopf der Olympia-Initiative, am Dienstag (25.08.2020) ans Ufer des Iserlohner Seilersees eingeladen, um über den aktuellen Stand der Initiative zu informieren.

"Wenn das Internationale Olympische Komitee es ernst meint mit seiner Agenda 2020 - gegen den Gigantismus bei Olympiabewerbungen - dann dürfte das vorliegende Konzept der Rhein-Ruhr-Region ein ausgezeichnetes Angebot sein", meinte Freitag zum Einstieg in die Gesprächsrunde mit den eingeladenen Journalisten. Mronz und seine Leute werben seit nunmehr drei Jahren mit einem Olympia-Konzept in Nordrhein-Westfalen, das möglichst kostengünstig daherkommen und die Region darin unterstützen soll, erforderliche Infrastruktur-Maßnahmen anzufassen und konkret voranzutreiben.

Bier und Metthäppchen statt Sekt und Kaviar

Der bei vergangenen Olympischen Spielen zu beobachtende Gigantismus, der sich zuletzt stets darin offenbarte, dass millionenschwere Sportstätten errichtet wurden, die anschließend kein Mensch mehr brauchte, soll bei Rhein Ruhr 2032 höchstens noch als abschreckendes Beispiel dienen. "Wir halten nichts von Spielen unter dem Zeichen von Sekt und Kaviar. Wir leben hier mit Bier und Metthäppchen. Das soll sich auch in unserer Bewerbung widerspiegeln", bemühte Mronz ein möglichst plakatives Bild für sein Anliegen.

Freitag zu Olympia-Bewerbung: "Um Vertrauen werben ist der richtige Weg" Sportschau 25.08.2020 02:50 Min. Verfügbar bis 25.08.2021 Das Erste Von Olaf Jansen

Das Olympia-Konzept Rhein Ruhr gilt als sehr nachhaltig und schließt 14 Städte in NRW ein, soll aber deshalb kein Olympia der langen Wege werden. Der um alle Sportstätten gezogene Radius beträgt 63 Kilometer und entspricht der Ausdehnung von Los Angeles 2028. Zu 90 Prozent sollen Sportstätten genutzt werden, die schon vorhanden sind.

Transparency Deutschland: "Olympia-Initiative abbrechen"

Aber klar: Gerade in Coronazeiten, in denen niemand abschätzen kann, wie sich die wirtschaftliche Lage des Landes und der Bevölkerung entwickelt, ist es schwer, das Thema Olympiabewerbung wieder auf den Tisch zu bringen.  

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency Deutschland hat erst gerade wegen der Corona-Krise eine neue Ausrichtung der deutschen Strategie für Großveranstaltungen im Sport gefordert. Zudem müssten die Bemühungen um eine deutsche Bewerbung mit der Rhein-Ruhr-Region für die Olympischen Spiele 2032 sofort beendet werden. "Die Menschen haben andere Sorgen als eine Fortsetzung der laufenden Kampagne in Nordrhein-Westfalen", sagte Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency.

Mronz entgegnet dieser Meinung mit seiner einfachen Feststellung, dass "auch Corona irgendwann überstanden sein wird. Und dann muss es ja weitergehen." Daher müsse genau jetzt weiter an dem Konzept gearbeitet werden, um keine unnötige Zeit zu verlieren. "Gerade am Beispiel der unzureichenden Digitalisierung an Schulen, die jetzt offenbar wird, zeigt sich doch, dass man gerade solche Themen auch in Krisenzeiten vorantreiben muss", sagt Mronz.

Bevölkerungsbefragung Anfang 2022 - spätestens

Außerdem drängt den Sportmanager, der vor einigen Wochen wegen seiner Beteiligung an der PR-Agentur "Storymachine" und einer Studie zur Coronapandemie wegen eines möglichen Interessenskonflikt ins Zwielicht geraten war, die Zeit. Spätestens Anfang 2022 soll es in NRW flächendeckende Bevölkerungsumfragen zu einer Olympiabewerbung geben. Und Mronz stellt klar: "Sollte sich dann die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Olympiabewerbung aussprechen, begraben wir das Projekt."

Es gilt also in den nächsten Wochen und Monaten, in der Bevölkerung zu werben, damit es der NRW-Bewerbung nicht so geht, wie zuletzt Hamburg und München. Dort votierte die Bevölkerung jeweils gegen eine Olympiaaustragung in ihrer Region.

"Leute müssen sich mitgenommen fühlen"

"Ganz wichtig wird sein, dass sich die Leute mitgenommen fühlen", sagt daher Dagmar Freitag, seit 2009 Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Sie weiß ganz genau, dass ein großer Teil der Bevölkerung den weltweit agierenden Olympia-Funktionären kaum noch über den Weg traut. "Die Stichworte sind undurchsichtige Event-Vergaben und Korruption auf verschiedenen Ebenen. Davon haben die Menschen völlig zu Recht die Nase voll", sagt sie.

Mronz zu Olympia 2032: "Werden das Votum der Menschen berücksichtigen" Sportschau 25.08.2020 02:50 Min. Verfügbar bis 25.08.2021 Das Erste Von Olaf Jansen

Daher will die 67-Jährige, die aus dem sauerländischen Iserlohn stammt und hier auch nach wie vor ihren Wahlkreis hat, größtmögliche Transparenz bei allen Planungen und vor allem sichtbaren Benefit für die Bevölkerung. "Wenn die Leute sehen, dass vor Ort beispielsweise ihre eigenen Sportstätten saniert und auf Vordermann gebracht werden, stimmen sie anschließend auch eher der Ausrichtung von einer Großveranstaltung wie Olympischen Spielen zu."

Sauerland könnte Trainingsheimat für die Reiter werden

Iserlohn und Umgebung werden dabei natürlich keine große Rolle innerhalb der Olympiabewerbung spielen – da sind eher die Regionen Köln-Düsseldorf und das Ruhrgebiet anvisiert. Aber zu Trainingszwecken könnten die Sportler im Jahr 2032 durchaus auch in den ländlichen Regionen um die großen Zentren herum auftauchen – deutet zumindest Michael Mronz an: "Die Reiter brauchen ja auch gute Trainingsstätten. Für die bietet sich doch ganz hier in der Nähe in Balve ein tolles Reiterzentrum an!" Und das liegt dann tatsächlich mitten in Dagmar Freitags Wahlkreis.

Stand: 25.08.2020, 17:44

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