Alle Macht den Sportlern: Auch die Stars der Leichtathletik verbünden sich

Allyson Felix

Athletics Association

Alle Macht den Sportlern: Auch die Stars der Leichtathletik verbünden sich

Die aufstrebende Bewegung der Sportler-Bündnisse hat nun auch die Leichtathletik erreicht. Zahlreiche Top-Athleten und Olympiasieger haben sich zur Athletics Association zusammengeschlossen - und fordern Mitbestimmung ein.

Athleten an die Macht! Ob das deutsche Fußballer-Bündnis um Mats Hummels oder die weltweite Vereinigung Global Athlete, die dem IOC Druck macht: Immer mehr und immer mächtiger werden die Zusammenschlüsse derer, die im Weltsport die Leistung bringen und dies stärker gewürdigt wissen wollen. Nun haben sich auch die besten Leichtathleten der Welt zusammengetan. Und auch wenn in der Führungscrew der am Donnerstag vorgestellten Athletics Association keine Deutschen vertreten sind, setzen auch diese große Hoffnungen in die von Dreisprung-Olympiasieger Christian Taylor angeführte Initiative.

Olympiasieger Röhler "in Elternzeit" nicht dabei

"Ich bin in sehr engem Austausch mit Christian und dem Team - somit auch als eines der Bindeglieder anzusehen", sagte Speer-Olympiasieger Thomas Röhler dem SID. Der Jenaer ist Mitglied der offiziellen Athleten-Kommission des Weltverbandes World Athletics. Von deren 18 Mitgliedern gehört keines zum 24-köpfigen - und noch prominenter besetzten - Führungsteam der Athletics Association. Röhler indes sieht keinen Machtkampf der verschiedenen Vertretungen, keine Konkurrenz - sondern eine Erweiterung der Möglichkeiten.

"Insgesamt sind die WA Athletes Commission und die Association kommunikativ verbunden, jedoch nicht strukturell - das ist auch gut so. Langfristig kann und soll die Association eine wesentlich breite Athletenmenge erreichen als es die Athleten-Kommission auf Grund Ihrer Struktur kann", sagte der 28-Jährige. Einen Posten bei der Association habe der frischgebackene Papa Röhler "aufgrund der zeitlichen Mehrbelastung nicht angestrebt".

Prominente Namen vereinigt

Sein Kollege Taylor und seine Mitstreiter - unter anderem Allyson Felix, erfolgreichste Leichtathletin der Geschichte, sowie der frühere Zehnkampf-Weltrekordler Ashton Eaton (alle USA), die zweimalige 100-m-Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser-Pryce (Jamaika) und 400-m-Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo (Bahamas) - haben sich das Motto "We are the Sport" verpasst. Sie treibt das um, was auch in Athleten-Bündnissen anderer Sportarten die zunehmend lauter geäußerte Meinung ist: Wir sind die zentralen Figuren, wir wollen mehr entscheiden.

"Ich bin sehr stolz auf die bisher erreichten Fortschritte im Vorstand der Athletics Association. Wir haben schon viel Arbeit investiert, um eine geeignete Führung und eine langfristige Ausrichtung zu etablieren, welche notwendig sind, um den Athleten gerecht zu werden, die wir vertreten", wird Taylor in der veröffentlichen Gründungserklärung zitiert: "In unserer Führung finden sich Athleten von jedem Kontinent und aus einer Vielfalt von Disziplinen."

Engerer Kontakt zum Weltverband gewünscht

Zu den Zielen der Athletics Association gehört es unter anderem, mit dem Weltverband in engem Kontakt zusammenzuarbeiten, um neue Konzepte zu erarbeiten und die Sportler an den Entscheidungen zu beteiligen. Zudem sollen die umstrittenen Programmänderungen in der Diamond League, die Sportlern diverser Disziplinen die Teilnahme an der lukrativen Wettkampfserie versperren, neu diskutiert werden.

Ein weiterer Punkt ist die finanzielle Versorgung von Athleten und Athletinnen während und nach ihrer Karriere - ein Thema, das vor allem in der Corona-Pandemie aufkam. Die Krise, wenn man ihr denn etwas Gutes zuschreiben will, könnte der Schlüssel für den Siegeszug von Demokratie-Bewegungen in jahrelang autokratisch regierten Sportarten gewesen sein.

Stand: 16.07.2020, 13:54

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