Klein vor Handball-EM: "Die Ausfälle bergen Chancen"

ARD-Handballexperte Dominik Klein

Interview mit ARD-Handballexperte Dominik Klein

Klein vor Handball-EM: "Die Ausfälle bergen Chancen"

Die deutschen Handballer gehen dezimiert in die EM in Norwegen, Österreich und Schweden. Knapp eine Woche vor dem Turnierstart schätzt ARD-Handballexperte Dominik Klein die Lage ein und verrät, welcher Neuling besonders spannend ist.

sportschau.de: Die Verletztenmisere bestimmt aktuell die Diskussionen um das DHB-Team. Ist das ausgegebene Ziel Halbfinale angesichts der vielen Ausfälle noch realistisch?

Dominik Klein: So eine Situation birgt auch immer die Chance, dass andere Spieler Verantwortung übernehmen und überzeugen. Außerdem spielt Deutschland bei einem Weiterkommen in der nicht ganz so starken Hauptrundengruppe, hat also durchaus Chancen aufs Halbfinale.

Welcher der Ausfälle schmerzt besonders?

Klein: Für mich war Fabian Wiede mit seinem Spielverständnis bei der WM 2019 der persönliche MVP (Most Valuable Player, wertvollster Spieler, d. Red.). Aber auch hier: Weil Steffen Weinhold ebenfalls fehlt, kann nun Kai Häfner im rechten Rückraum mehr Verantwortung übernehmen. Beim EM-Titel 2016 hat er schon eindrucksvoll bewiesen, was er draufhat, als er nachträglich dazugekommen ist und direkt überzeugt hat.

Apropos 2016: Viele ziehen aktuell Parallelen zur damaligen EM, als Deutschland verletzungsbedingt mit einem unerfahrenen Team antrat und sensationell den Titel gewann.

Klein: Besonders viele Parallelen sehe ich nicht, wohl aber die nun geringere Erwartungshaltung. Das Team kann für Überraschungen sorgen, ist schwerer auszurechnen. Jetzt liegt es auch am Trainer, die positive Einstellung auf die Spieler zu übertragen, damit sie ihre starken Leistungen aus der Liga auch im Nationaltrikot zeigen.

Deutschlands zweite Reihe ist recht unerfahren, fünf Spieler stehen vor ihrem ersten großen Turnier. Auf welchen Neuen sollten die Zuschauer besonders achten?

Klein: Es gibt in Deutschland ja schon seit Jahren Diskussionen über die Spielmacherposition. Deshalb würde ich mich freuen, wenn Marian Michalczik als junger Spieler mit Selbstvertrauen überzeugt und damit zeigt: Die Diskussion geht uns auf die Nerven. Er hätte es sich verdient.

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Eine andere langlebige Diskussion ist die über den Bundestrainer. Christian Prokop hatte bei der EM 2018 einen Fehlstart, die Stimmung zwischen Team und Trainer war schlecht. Die Heim-WM 2019 mit Platz vier lief deutlich besser. Ist Prokop als Bundestrainer endgültig angekommen?

Klein: Der Bundestrainer muss die Mannschaft einstellen, dazu gehört auch Zusammenhalt. Die Konstellation von der EM 2018 ist ausgeräumt. Ich sehe vor allem die Mannschaft in der Pflicht, zum Trainer zu finden und damit zu zeigen, dass das Thema gestrichen ist. Sie muss sich auf Sportliche konzentrieren, gemeinsam mit dem Trainer.

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Deutschland zählt zum erweiterten Favoritenkreis. Wer sind die Topfavoriten?

Klein: Das sind die üblichen Verdächtigen: Frankreich, Spanien und Weltmeister Dänemark. Auch Norwegen als Mit-Gastgeber gehört dazu, hat schon bei der WM 2019 mit Silber gezeigt, wohin die Entwicklung geht.

Das Interview führte Volker Schulte.

Die gesamte DHB-Pressekonferenz mit Christian Prokop und Uwe Gensheimer Sportschau 03.01.2020 25:55 Min. Verfügbar bis 03.01.2021 Das Erste

Stand: 03.01.2020, 14:28

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