Jakob Pöltl: Ein Wiener für die NBA-Geschichtsbücher

Jakob Pöltl

Erster und einziger Österreicher in der NBA

Jakob Pöltl: Ein Wiener für die NBA-Geschichtsbücher

Von Heiko Oldörp

Österreich ist bekannt für Skifahrer, Skispringer und auch einige gute Fußballer. Basketball gilt eher als Randsportart. Jakob Pöltl will das ändern. Er ist der Vorzeige-Riese seines Landes und spielt in der NBA.

Jakob Pöltl ist nicht zu übersehen. Mit seiner Körperlänge von 2,16 Meter ist der Center der San Antonio Spurs selbst unter den Profis der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA eine überdurchschnittlich große Erscheinung. Doch Pöltl fällt nicht nur wegen seiner Größe auf. Er ist unter den aktuell 450 NBA-Spielern ein Besonderer. Ein Unikat.

Der 24-Jährige ist der erste und bislang einzige Österreicher in der stärksten Basketball-Liga der Welt. "Es ist eine Ehre, Österreich in der NBA repräsentieren zu können. Es ist auch ein gewisser Druck da. Ich will Basketball in Österreich populärer machen", sagt Pöltl im Gespräch mit sportschau.de.

 Von klein auf "schwer verliebt in Basketball"

Der Wiener kommt aus einer sportlichen Familie. Mutter Martina und Vater Rainer waren Volleyball-Nationalspieler. Jakob hatte jedoch nie Ambitionen, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten. Auch die in der Alpenrepublik populären Sportarten Fußball oder Ski alpin kamen für ihn nie in Frage. "Bei mir war es immer Basketball", sagt Pöltl. Volleyball, erinnert er sich, war "kurz mal im Gespräch". Aber zu jenem Zeitpunkt sei er schon längst "schwer verliebt in Basketball" gewesen.

Jakob Pöltl: "Ich will Basketball in Österreich populärer machen" Sportschau 14.01.2020 04:28 Min. Verfügbar bis 14.01.2021 Das Erste

Mit sechs Jahren stand er in seiner Heimatstadt Wien erstmals auf dem Parkett und unter den Körben, mit 18 spielte Pöltl in der höchsten Liga. Über die Landesgrenzen hinaus wurde er 2013 bekannt, als Pöltl bei der B-Europameisterschaft der U18 in Mazedonien einem Talentsichter der Universität von Utah aufgefallen war. Pöltl hatte sich bis dahin nie mit der Idee beschäftigt, an einem US-College zu studieren und dort Basketball zu spielen. Er wollte vielmehr für europäische Vereine auflaufen.

 Bester Center der US-College-Ligen

Dennoch zog er 2014 nach Salt Lake City, spielte zwei Jahre für die Utah Utes und wurde unter anderem als bester Center der US-College-Ligen ausgezeichnet. 2016 folgte der nächste logische Schritt in seiner Entwicklung - es war zugleich ein historischer. Bei der Talentevergabe Draft wählten die Toronto Raptors unter allen Nachwuchsakteuren an neunter Stelle Jakob Pöltl aus. 70 Jahre und 17 Tage nach der Gründung der NBA hatte die stärkste Basketball-Liga der Welt ihren ersten Österreicher.

Im Sommer 2018 gehörte Pöltl zum Wechsel-Paket der Raptors Richtung San Antonio, das im Gegenzug unter anderem Kawhi Leonard aus dem tiefsten Texas nach Toronto brachte. Der Superstar führte den kanadischen Klub im Juni zum ersten NBA-Titel. In San Antonio ist Pöltl hinter LaMarcus Aldridge die Nummer zwei auf der Center-Position - und arbeitet mit zwei Legenden zusammen: Cheftrainer Gregg Popovich und Tim Duncan.

 Extra-Training mit Legende Tim Duncan

Popovich beschreibt Pöltl als "Teamplayer", "harten Arbeiter" und jemanden, den man gerne in der Mannschaft habe. Unter ihm gewannen die Spurs zwischen 1999 und 2013 fünf NBA-Meisterschaften. Popovich machte die eher unbekannte Stadt zu einer respektierten Basketball-Adresse. Sein Star auf dem Feld war Tim Duncan. Der gehört mittlerweile zum Trainerstab, ist für die Center und Power Forwards zuständig, somit auch für Pöltl - wenn auch mitunter zu dessen Leidwesen. Wenn beide vor den Partien eins gegen eins spielen, dann sehe man schon, so Pöltl, dass Duncan "es noch drauf hat" - trotz seiner 43 Jahre.

Sein Bekanntheitsgrad, sagt Österreichs einziger NBA-Profi, habe in der Heimat "stark zugenommen", vor allem in Wien werde er auf den Straßen "sehr regelmäßig erkannt". In den USA hingegen wird er vor allem auf einen angesprochen: Landsmann Arnold Schwarzenegger. Den ehemaligen Bodybuilder, Schauspieler und Gouverneur von Kalifornien kennen Millionen Amerikaner - insbesondere durch seine Action-Filme. Für sie ist Schwarzenegger der personifizierte Österreicher. Sie lieben es, seinen berühmten Satz "I’ll be back" aus den Terminator-Filmen nachzuahmen. Schwarzenegger, sagt Pöltl mit einem Lächeln, sei immer das erste Thema, sobald er erwähne, dass er aus "Austria" komme.

Stand: 15.01.2020, 08:00

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