BBL-Saisonfinale trotz Corona - "Das kann uns einen Schub geben"

In der BBL soll bald wieder gespielt werden

Basketball in der Coronakrise

BBL-Saisonfinale trotz Corona - "Das kann uns einen Schub geben"

Von Tim Beyer

Nur 10 aus 17, aber ein Meister: Die Basketball-Bundesliga möchte ihre Saison trotz der Coronavirus-Pandemie beenden. Aufmerksamkeit wäre der Liga sicher. Die Frage ist nur: Was sagt die Politik?

Zuletzt hat man über Deutschlands Basketball-Bundesligisten einige schöne Geschichten lesen können, nur ging es dabei nie um Korbleger oder Würfe von der Drei-Punkte-Linie. Stattdessen weiß man nun: Aus einem Trikot von ratiopharm Ulm lassen sich sechs Mundschutzmasken herstellen. Und bei Alba Berlin haben sie in Zeiten von Covid-19 eine tägliche Sportstunde für Kinder initiiert, bei Youtube waren die Abrufzahlen sehr oft sechsstellig.

Dann kam der Montag (27.04.2020) und eine Videokonferenz, die beinahe fünf Stunden dauern sollte. Vertreter der 17 Basketball-Bundesligisten diskutierten über eine Fortsetzung der Spielzeit und am Ende stand eine Entscheidung, die man so zusammenfassen kann: Basketball ist nicht Handball ist nicht Eishockey. Die BBL möchte die Saison beenden, trotz der Coronakrise und obwohl nicht alle Vereine mitspielen wollen.

Ein Spielort, nur zehn von 17 Mannschaften, keine Zuschauer und keine Absteiger, dafür aber ein Meister - das ist der Plan. Die Teams sollen in zwei Fünfergruppen spielen, es folgen Halbfinale und Finale. Für dieses Konzept haben sich die Bundesligisten einstimmig ausgesprochen - sogar die, die eigentlich für einen Abbruch der Liga waren und nun aus verschiedenen Gründen auf eine Turnier-Teilnahme verzichten. "Dass alle dahinterstehen, finde ich super positiv", sagte Alba Berlins Manager Marco Baldi.

Baskets Bonn - solidarisch durch die Krise Morgenmagazin 29.04.2020 01:58 Min. Verfügbar bis 29.04.2021 Das Erste

Große Pläne, aber viele Fragen

Und der Ligachef Stefan Holz sagte, diese Entscheidung biete der BBL die Möglichkeit, "ins Scheinwerferlicht zu rücken, es kann uns im Idealfall einen Schub geben." Jetzt, wo Sportveranstaltungen auf der ganzen Welt abgesagt werden und die übermächtige NBA pausiert, wäre Deutschlands Basketballern wohl die Aufmerksamkeit garantiert, die ihnen sonst oft verwehrt bleibt. Gunnar Wöbke, der Geschäftsführer der Fraport Skyliners aus Frankfurt sagte gar: "Die ganze Welt wird auf uns schauen."

Nach Bonn werden die Basketballfans aus aller Welt dann eher nicht schauen, denn die Baskets haben sich als eines von sieben Teams gegen das Turnier und für ein vorzeitiges Saisonende entschieden. Als einziger Bundesligist leisten sich die Baskets Bonn den Luxus einer eigenen Halle - und die kostet Geld, viel Geld. Man könne den Telekom Dome nicht in Kurzarbeit schicken oder die Verträge kündigen, wird Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich in einer Vereinsmitteilung zitiert. "Wir müssen die finanzielle Grundlast weitertragen."

Auch die Gießen 46ers verzichten auf eine Teilnahme. Der Geschäftsführer Michael Koch spricht im Interview mit der "Hessenschau" von einer "dreigeteilten Entscheidung" und nennt neben wirtschaftlichen und sportlichen Gründen auch die gesellschaftliche Situation in Deutschland. "Es gibt im Moment Wichtigeres als ein Basketballspiel. Das ist meine persönliche Meinung. Was auf der Welt gerade vorgeht, da gibt es gesellschaftliche Normen, die uns nicht gerade dazu antreiben, ein Basketball-Spiel durchzuführen", sagte Koch.

Das bange Warten auf die Politik

Noch ist ohnehin unklar, ob die Re-Start-Befürworter Holz und Wöbke Recht behalten werden und in Deutschland tatsächlich noch ein Basketball-Meister gekürt wird. Auch, weil es der Basketball-Bundesliga nun einmal so geht wie der aus dem Fußball: Der Wille mag da sein, ein Konzept auch, doch die Entscheidung trifft die Politik. Als der BBL-Chef Holz gefragt wurde, wer genau eigentlich darüber zu entscheiden habe, ob in der Basketball-Bundesliga bald Geisterspiele stattfinden dürfen, sagte er: "Wenn wir das mal wüssten."

BBL - Konzept zur Saison-Fortsetzung in Turnierform Sportschau 27.04.2020 01:30 Min. Verfügbar bis 27.04.2021 Das Erste

Am Ende wird es eine Entscheidung der Politik und hier vor allem der einzelnen Länder sein, ob und wann die Vereine wieder trainieren dürfen. Gerne würden sie in der BBL ihre Spielzeit bis Ende Juni beenden, doch die Zeit ist knapp: Drei Wochen, das haben sie schon mal errechnet, müsse man für ein Turnier dieser Dimension schon einplanen. Vorab müsse natürlich wieder Training erlaubt sein. Also haben sie gerechnet und überlegt und irgendwann haben sie sich dann auf den 18. Mai geeinigt. Das, sagt der Ligachef Holz, sei der Stichtag, der "point of no return".

Immer wieder der Fußball

Und deshalb haben sie rasch noch eine Expertengruppe gegründet, sie soll ein Konzept erarbeiten, das auch die Politik überzeugt. Es sind ja noch viele Fragen offen, darunter die sehr wichtige: Kann man tatsächlich die Gesundheit aller beteiligten Personen, vom Ordner über den Schiedsrichter bis hin zum Basketballer, gewährleisten?

Manche im deutschen Basketball tun deshalb bereits das, was sie sonst eher ungern tun: Sie blicken gespannt auf den Fußball. Wie wird die Politik im Falle des Re-Start-Ansinnens der allgegenwärtigen Fußball-Bundesliga entscheiden? Hermann Schüller, der Geschäftsführer der EWE Baskets Oldenburg, sagt: "Wenn es dem Fußball gelingt, die Saison fortzusetzen, dann haben auch wir sehr gute Chancen."

mit dpa/sid | Stand: 29.04.2020, 07:00

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