US-Turnerin Biles: "Hätte schon lange vor Tokio aufhören sollen"

Simone Biles nachdenklich am Balken

Missbrauchsskandal im Turnen

US-Turnerin Biles: "Hätte schon lange vor Tokio aufhören sollen"

Turn-Superstar Simone Biles hätte nach eigenen Angaben aufgrund ihrer psychischen Probleme nicht an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen sollen.

"Wenn man sich ansieht, was ich in den letzten sieben Jahren alles durchgemacht habe, hätte ich nie wieder zu einem Olympiateam gehören dürfen", sagte Biles dem "New York Magazine": "Ich hätte schon lange vor Tokio aufhören sollen."

Biles gehörte zu hunderten Turnerinnen und deren Eltern, die wegen sexuellen Missbrauchs gegen den früheren amerikanischen Teamarzt Larry Nassar geklagt hatten. Der Skandal um Nassar habe bei ihr als Opfer von sexueller Gewalt einen hohen emotionalen Tribut gefordert.

Nassar verbüßt eine lebenslange Haftstrafe, nachdem er sich Ende 2017 und Anfang 2018 schuldig bekannt hatte, Frauen und Mädchen sexuell missbraucht zu haben, während er als Sportmediziner bei USA Gymnastics und der Michigan State University gearbeitet hatte.

"Es war zu viel. Aber ich wollte nicht zulassen, dass er mir etwas wegnimmt, für das ich hart gearbeitet habe, seit ich sechs Jahre alt war", sagte Biles: "Also habe ich das so lange verdrängt, wie mein Geist und mein Körper es mir erlaubten."

Die 24 Jahre alte Ausnahmeathletin aus Ohio galt vor Tokio als Kandidatin auf mehrere olympische Goldmedaillen. Doch nach ihrem Ausstieg beim Team-Finale hatte die viermalige Olympiasiegerin mentale Probleme öffentlich gemacht und deswegen auf weitere Starts verzichtet.

Biles hoffe nun, dazu beitragen zu können, das Stigma rund um psychische Gesundheit zu beseitigen. "Daran werde ich wahrscheinlich 20 Jahre lange arbeiten. Es ist ein ständiger Prozess", sagte sie.

sid | Stand: 28.09.2021, 08:46

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