Ruwen Filus in Aktion

Alles Wichtige zum Turnier Tischtennis-WM 2023 - Favoriten, Termine und Wissenswertes

Stand: 20.05.2023 16:52 Uhr

In Durban in Südafrika suchen die Tischtennis-Profis ihre Einzel- und Doppelweltmeister. Die Favoriten sind andere, die Deutschen können überraschen.

Die 57. Tischtennis-Einzel-Weltmeisterschaft findet ab Samstag (20.05.2023) in Durban in Südafrika statt. Ob die deutschen Profis eine Chance haben, wer eigentlich die Favoriten sind und was es sonst noch Wissenswertes gibt, zeigt euch sportschau.de

Wann und wo wird gespielt?

Der afrikanische Kontinent ist zum zweiten Mal Austragungsort einer Tischtennis-Weltmeisterschaft. Das erste Mal fand die WM in Kairo statt - allerdings ist das schon 84 Jahre her. Durban schlug bei der Vergabe übrigens mit seinem Motto "It´s time for Africa" das nordrhein-westfälische Düsseldorf mit 90 zu 39 Stimmen.

Vom 20. bis 28. Mai wird in der Metropole im Osten Südafrikas aufgeschlagen. Es gibt insgesamt 21 "Sessions". In den ersten vier Tagen wird an bis zu acht Tischen gespielt, danach verringert sich die Anzahl bis auf einen zentralen "Center Court".

Die Stadt Durban

Die Stadt Durban

Was wird ausgespielt?

Gesucht werden die Gewinner im Einzel und Doppel bei den Frauen und Männern sowie im Mixed. Ein Team-Event gibt es nicht, die Weltmeisterschaft der Mannschaften wird getrennt ausgetragen - übrigens erst seit dem Jahr 2001.

Wer sind die Favoriten bei den Männern?

Nichts geht über China. Die Weltrangliste wird von drei Chinesen angeführt: Titelverteidiger Fan Zhendong, Wang Chuqin und Ma Long. Sie gelten als Top-Favoriten auf den Titel. Bundestrainer Jörg Roßkopf glaubt jedoch an Spannung: "Der Verlauf der WM ist für alle Spieler eine Wundertüte. Sogar Chinas Titelverteidiger Fan Zhendong musste bei der Vorbereitung Niederlagen einstecken."

Insgesamt ist die Weltspitze relativ eng beisammen. Gerade die nichtchinesischen Spieler in den Top 10, in denen sich auch Europameister Dang Qiu befindet, können bei entsprechendem Turnierverlauf weit kommen - so wie 2021, als der junge Truls Moregard sich sensationell zum Vizeweltmeister krönte.

Vize-Weltmeister Truls Moregard in Aktion

Vize-Weltmeister Truls Moregard in Aktion

Wer sind die Favoriten bei den Frauen?

Bei den Frauen erscheint die Dominanz Chinas dagegen fast schon erdrückend: Die ersten sechs Athletinnen kommen aus dem Reich der Mitte, danach folgen zwei Japanerinnen. Europas beste Spielerin kommt mit Deutschlands Han Ying erst auf Platz zehn. Sollte jemand Chinas Frauen den Titel streitig machen, käme das fast einer Sensation gleich.

Wer sind die Favoriten in den Doppeln?

Bei den Doppeln und im Mixed sieht es anders aus. Denn dort prägen vor allem Eingespieltheit, Verständnis für Laufwege und mehr Taktik die Partien. Daher sind die weltweiten Rankings breiter aufgestellt. Bei den Frauen kommen die Favoritinnen trotzdem aus China und Japan.

Mattias Falck und Kristian Karlsson (r.) freuen sich über ihren WM-Titel im Doppel

Mattias Falck und Kristian Karlsson (r.) freuen sich über ihren WM-Titel im Doppel

Bei den Männern gibt es eine ganze Reihe guter Duos, die sich zum Weltmeister krönen können. Titelverteidiger sind Mattias Falck und Kristian Karlsson aus Schweden. Im Mixed einen Favoriten auszumachen, ist ganz schwer - denn diese Spielform gibt es auf der World Tour kaum.

Wie stehen die Chancen der deutschen Männer?

Auch hier gilt: schwierig zu beurteilen. Deutschland hat seine Vormachtstellung in Europa in den vergangenen Jahren etwas verloren. Fehlen wird defintiv Rekordeuropameister Timo Boll, der 2021 noch Einzel-Bronze gewann. Er ist an der Schulter verletzt. "Alle Spieler unseres Aufgebots sind stark genug, um auch bei der Medaillenentscheidung ein Wort mitzureden", erklärte Bundestrainer Roßkopf zuversichtlich.

Am ehesten ist wohl Einzel-Europameister Dang Qiu und Dimitrij Ovtcharov etwas zuzutrauen. Ovtcharov gewann ein Vorbereitungsturnier in Neu-Ulm, unter anderem mit Vizeweltmeister Moregard. Bei Ruwen Filus, Benedikt Duda und Patrick Franziska fehlte es oft an Konstanz - ein Top-Lauf, wie von Filus beim Final-Einzug beim WTT Turnier in Almaty, könnte aber für eine Überraschung sorgen.

Für Ovtcharov ist sein Erstrundenmatch direkt ein echter Gradmesser gewesen, gegen Can Akkuzu wartete die Nummer 52 der Welt. Der Deutsche siegte knapp mit 4:3. Auch Dang Qiu dürfte mit der Auslosung nicht komplett glücklich sein. Im Verlaufe des Turniers könnte er relativ früh auf Sathiyan Gnanasekaran (WR 51) bzw. Felix Lebrun (WR 35) treffen, bevor es im Idealfall im Achtelfinale gegen den Topgesetzten Fan Zhendong ginge.

Wie stehen die Chancen der deutschen Frauen?

Das grundsätzliche Ziel beschreibt Sportdirektor Richard Prause wie folgt: "Für alle unsere Athletinnen gilt es zunächst einmal, unsere Setzung zu erfüllen." 

Neben der Weltranglisten-Zehnten Han Ying, die zuletzt international starke Ergebnisse einfuhr, liegen die Hoffnungen besonders auf der EM-Zweiten Nina Mittelham. Diese ist aber noch skeptisch, wo sie steht: "In der Vorbereitungszeit war ich etwas krank, leider schon zum dritten Mal in diesem Jahr." Dennoch ist sie an einem starken Tag eine unangenehme Gegnerin.

Die Auslosung lief für die deutschen Frauen weitestgehend zufriedenstellend. Einzig die deutsche Meisterin Sabine Winter hat mit Natalia Bajor, immerhin Nummer 54 der Welt, in der ersten Runde eine schwierige Aufgabe vor der Brust.

Wie stehen die Chancen im Doppel?

Die größten Hoffnungen im Doppel lagen auf dem Duo Benedikt Duda/Dang Qiu. "Zusammen mit Dang Qiu habe ich es schon bei der letzten WM in Houston in das Doppel-Viertelfinale geschafft. Jetzt nehmen wir einen neuen Anlauf", erklärte Duda vor der WM. Sie stehen auf Platz fünf der Weltrangliste, ein Medaillen-Gewinn schien bei der WM zumindest in Reichweite.

Benedikt Duda und Dang Qiu (r.) in Aktion

Benedikt Duda und Dang Qiu (r.) in Aktion

Völlig überraschend schied das Duo aber nach einem schwachen Auftritt mit 2:3-Sätzen in Runde eins gegen die iranischen Athelten Alamiyan/Alamian aus. Nun ruhen die Hoffnungen der DTTB-Herren auf Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska. Bei den Damen kamen die beiden deutschen Duos Sabine Winter/Annett Kaufmann und Nina Mittelham/Shan Xiaona zunächst eine Runde weiter.

Kommt die WM im Stream oder TV?

Schlechte Nachricht für alle Fans: Im TV ist die WM nirgendwo zu sehen. Die gute Nachricht: Der Internationale Tischtennis-Verband zeigt auf seinem Youtube-Kanal die WM umfassend im Livestream. Dort kann man auch Highlights der Partien sehen.