Weltmeister Magnus Carlsen am Schachbrett

Schach-Kandidatenturnier Weltmeister Carlsen will nur gegen einen spielen

Stand: 16.06.2022 09:43 Uhr

Acht Teilnehmer kämpfen beim Schach-Kandidatenturnier ab Donnerstag (16.06.2022) um das WM-Spiel gegen Magnus Carlsen. Aber der will nur gegen einen möglichen Gegner antreten, nämlich den jungen Franzosen Firouzja. Dabei gäbe es viele attraktive Gegner.

Von Niklas Schenk

Noch weit, bevor das endgültige Teilnehmerfeld dieses Schach-Kandidatenturniers feststand, da hatte Weltmeister Magnus Carlsen schon eine unmissverständliche Botschaft gesetzt. Nur gegen den jungen Franzosen Alireza Firouzja wolle er seinen Titel verteidigen, verkündete Carlsen schon im Dezember. Aussagen, die er vor wenigen Wochen noch einmal bekräftigte.

Tritt Carlsen nicht an, rückt der Zweite des Turniers nach

Firouzja als Herausforderer oder keiner. "Wenn jemand anderes das Kandidatenturnier gewinnt, ist es unwahrscheinlich, dass ich die nächste Weltmeisterschaft bestreiten werde", sagte Carlsen. "Dann denke ich, dass ich sagen könnte, dass ich mit meinem Erreichten glücklich bin." Sollte sich Firouzja bei dem am Donnerstag beginnenden Kandidatenturnier nicht durchsetzen, könnte es zu einer kuriosen Situation kommen. Carlsen würde seinen Titel freiwillig ablegen. Um den WM-Titel würden dann Anfang 2023 der Sieger und der Zweitplatzierte des Kandidatenturniers spielen.

Auch andere Schach-Weltmeister wollten in der Vergangenheit ihren Titel nicht verteidigen, Raúl Capablanca oder Bobby Fischer etwa. Capablanca sah für sich keine ebenbürtigen Gegner. Auch Carlsen scheint nur den 18-jährigen Aufsteiger Firouzja als echten Kontrahenten wahrzunehmen. Ihn hält Carlsen für ein "Genie“.

Firouzja holt sich den Rekord, dann wird es ruhig um ihn

Der gebürtige Iraner hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Ende 2021 qualifizierte er sich bei einem Turnier in der Schweiz für das Kandidatenturnier und erreichte anschließend als jüngster Spieler aller Zeiten eine Elo-Spielstärke von über 2.800. Seitdem hat er jedoch wenig gespielt, aktuell ist er Dritter der Weltrangliste. Außerhalb des Brettes gibt sich Firouzja bedacht und höflich, aber sein Spielstil ist aggressiv und dynamisch. Firouzja sucht die Entscheidungen, ergreift im Spiel die Initiative.

Alireza Firouzja am Schachbrett

"Er ist alles, was man sich von einem Schachspieler wünschen kann“, sagt selbst Ex-Weltmeister Vishy Anand. Carlsen gegen Firouzja: Das wäre das Traumduell, der Dominator gegen seinen Thronprinzen. Nicht nur Carlsen wünscht sich diese Partie. Dass er nur gegen den jungen Franzosen antreten möchte, ist trotzdem erstaunlich – denn das Kandidatenturnier ist auch sonst spektakulär besetzt.

Ding, Nakamura: Es gibt viele attraktive Gegner

Da wäre zum einen noch Ding Liren, die chinesische Nummer zwei der Welt. Er konnte wegen diverser Coronapausen und Quarantänezeiten nicht an den Qualifikationsturnieren zum Kandidatenturnier teilnehmen. Dann aber wurde der bereits qualifizierte Russe Segej Karjakin wegen seiner Aussagen zum Ukraine-Krieg disqualifiziert. Ding spielte innerhalb weniger Wochen dutzende Partien und rückte somit als ranghöchster Teilnehmer nach. Er hat Carlsen mehrfach geschlagen, dieser betonte in der Vergangenheit immer wieder seinen Respekt für den Chinesen.

Oder Hikaru Nakamura. Er hatte es sich eigentlich schon als Streamer bequem gemacht, erreichte mit seinen Blitzpartien auf Twitch ein (neues) Millionenpublikum. Wohl auch als Werbeträger des Schachs erhielt er eine Wildcard für eines der Qualifikationsturniere und setzte sich sensationell durch. Wäre er der Carlsen-Herausforderer, dürfte sich ein WM-Match besser denn je vermarkten lassen.

Auch Caruana und "Nepo" sind wieder dabei

Oder Fabiano Caruana, Carlsens Herausforderer von 2018, der vom Norweger immer wieder als sein bisher schwerster Gegner bezeichnet wird, in den vergangenen Jahren aber etwas im Schatten der Aufsteiger stand. Komplettiert wird das Feld von Carlsens Herausforderer aus dem vergangenen Jahr, dem Russen Jan "Nepo“ Nepomnjaschtschi, den beiden Debütanten Richárd Rapport und Jan-Krzysztof Duda sowie dem Aserbaidschaner Teymur Radjabov.

Am Freitag (17.06.2022) um 15 Uhr starten die ersten vier Partien des Turniers. Alle Teilnehmer spielen zweimal gegeneinander. Sollte am 5. Juli noch kein Sieger feststehen, kämpfen die beiden Erstplatzierten in zwei Schnellschach-Partien um den Turniersieg und das WM-Ticket. Sollte Weltmeister Carlsen danach tatsächlich nicht seinen Titel verteidigen wollen, wäre aber ja auch der Zweitplatzierte bei der WM dabei.