Brustimplantate - Schach-Weltverband wegen Sponsor in der Kritik

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Brustimplantate - Schach-Weltverband wegen Sponsor in der Kritik

Der Schach-Weltverband FIDE hat 2022 als "Jahr der Frauen" ausgerufen und dazu einen Sponsor gefunden, der Brustimplantate herstellt. Das ging nach hinten los - vielleicht zu Unrecht.

Aus dem Kreis der Spielerinnen gab es teils heftige Kritik. "Ich finde es entwürdigend und erniedrigend, dass etwas so kognitives wie Schach von einem Unternehmen gesponsert wird, das hauptsächlich von der Unsicherheit der Frauen profitiert. Ich bezweifle stark, dass die FIDE ein Unternehmen für Penisvergrößerung als Sponsor für die Weltmeisterschaft der Männer gewinnen würde." So zitiert die englische Zeitung "The Guardian" eine namentlich nicht genannte Schachspielerin.

Tatsächlich ist das global tätige Medizinunternehmen Anlaufstelle für Frauen, die mit der Größe ihrer Brüste unzufrieden sind und diese vergrößern lassen wollen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn "Establishment Labs" – so heißt die Firma – ist auch spezialisiert auf die Rekonstruktion und den Wiederaufbau der weiblichen Brust nach einer Krebsoperation. Und genau um dieses Thema ging es wohl dem Schach-Weltverband.

Auch für Krebspatientinnen

"Eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, und in den meisten Ländern der Welt liegt die Zahl der Frauen, die eine Brustrekonstruktion erhalten, bei weniger als zehn Prozent mit Wartezeiten von bis zu acht Jahren", sagte FIDE-Geschäftsführerin Dana Reizniece-Ozola.

Viele Frauen unterziehen sich während ihrer Behandlung sogar einer Amputation. Obwohl der Eingriff in vielen Fällen lebensrettend ist, kann er hinterher zu einer psychischen Belastung werden. Und auch diese Frauen wenden sich dann an "Establishment Labs". Laut FIDE ist die Firma "ein Vorreiter bei der Bereitstellung von Technologien, die die Ergebnisse für diese Frauen verbessern können. Wir sind dankbar für ihr Sponsoring."

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Erstes Sponsoring im Schach nur für Frauen

Unabhängig davon ist der FIDE ein Coup gelungen, denn  die Partnerschaft ist die erste Sponsoring-Vereinbarung eines Unternehmens, die speziell auf die Unterstützung von Schachveranstaltungen für Frauen ausgerichtet ist. Zu den gesponserten Veranstaltungen gehören die Frauen-Weltmeisterschaft samt Kandidatenturnier.

Ihre guten Absichten hat die FIDE allerdings offenbar nicht gut genug kommuniziert. Nur so ist die harsche Kritik zu verstehen, bei der unterstellt wird, dass bei Frauen-Schachturnieren künftig allein für Brustvergrößerungen ohne medizinischen Sinn und Zweck geworben werde.

Frauenfeindlich oder sinnvoll?

Im Blog der Schachserver-Seite "lichess.org" finden sich zahlreiche kritische Kommentare. So fragt sich dort eine Spielerin: "Sollte sich das Schachspiel – ein Spiel, bei dem es auf den Verstand und nicht auf die Brüste ankommt – nicht von dieser Art von reduzierender und frauenfeindlicher Denkweise distanzieren?"

Die neunfache britische Meisterin Jovanka Houska bringt die kontrovers geführte Diskussion auf der Seite "chess.com" am Ende auf den Punkt: "Ich denke, dies könnte ein sehr aufregender Sponsorenvertrag sein, aber er hängt stark davon ab, wie die FIDE ihn fördert und gestaltet. Auf die richtige Art und Weise getan, könnte dies für Frauen sehr stärkend sein. Ich sage das, weil es in den sozialen Medien einen eher wertenden Unterton zu geben scheint."

red/vdv | Stand: 05.10.2021, 14:01

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