Feierte sein Comeback: Sebastien Haller (l.)

Teamcheck Borussia Dortmund BVB-Neustart mit Sébastien Haller

Stand: 17.01.2023 18:13 Uhr

Nach einem durchwachsenen Jahr mit mehr Tiefen als Höhen hofft Borussia Dortmund zum Start nach der WM-Pause vor allem auf einen gesunden Sébastien Haller. Der Stürmer feierte nach seiner Krebserkrankung im Januar sein Comeback.

Borussia Dortmund hat wieder einmal ein kompliziertes Halbjahr hinter sich. Neben sportlichen Rückschlägen begleitete der persönliche Schicksalsschlag von Neuzugang Sébastien Haller den BVB in der zweiten Jahreshälfte. Beim Stürmer war im Juli ein Hodentumor diagnostiziert worden.

International läuft´s, in der Liga weniger

Auch sportlich hatten die ersten 15 Saisonspiele für den BVB einiges zu bieten. Nach zwei Siegen zum Auftakt erlebte Dortmund ein denkwürdiges Heimspiel gegen Aufsteiger Werder Bremen. Nach einer 2:0-Führung verspielte der BVB in den letzten Minuten den Sieg und verlor noch 2:3. "Ich habe keine Ahnung, was passiert ist", sagte Kapitän Marco Reus nach der Partie.

Und auch trotz des Erfolgs im Revierderby und eines Remis gegen Bayern München fand der BVB nicht so richtig in die Spur. Niederlagen gegen den 1. FC Köln und Union Berlin warfen Dortmund zwischenzeitlich auf den achten Tabellenplatz zurück. Ein überragender Jude Bellingham führte Borussia Dortmund dann aber Ende Oktober zum 5:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart. Es folgten Siege gegen Frankfurt und Bochum. Kurz vor der langen Pause kassierte der BVB mit Niederlagen gegen Wolfsburg und Mönchengladbach die nächsten Rückschläge.

In der Champions League lief es für Borussia Dortmund hingegen deutlich besser. Zwar musste der BVB nach einem 3:0 gegen den FC Kopenhagen eine 1:2-Niederlage bei Manchester City - nach einem späten Treffer des abgewanderten Erling Haaland - hinnehmen. Das 1:2 blieb für die Borussia aber die einzige Niederlage in der Gruppenphase. Mit einem 4:1-Erfolg über den FC Sevilla und drei Remis besiegelte Dortmund den souveränen Einzug in das Achtelfinale. Und auch im DFB-Pokal wartet nach Siegen gegen TSV 1860 München (3:0) und Hannover 96 (2:0) das Achtelfinale (am 8.2. gegen den VfL Bochum).

Haller gibt Comeback, ungewisse Zukunft bei Reus und Moukoko

Zwar kam Sébastien Haller bereits im Sommer nach Dortmund, sein Pflichtspiel-Debüt wird der Franzose jedoch voraussichtlich erst Ende Januar geben. Die Diagnose Hodentumor zwang Haller zu einer fünfmonatiger Pause.

Es war der große Schock in der Sommervorbereitung des BVB. Als Ersatz für den zu Manchester City abgewanderten Superstar Erling Haaland wurde Haller Anfang Juli von Ajax Amsterdam verpflichtet. Zwei Wochen später bekam Haller die Hodentumor-Diagnose. Nach 177 Tagen und mehren OPs gab der 28-Jährige im Freundschaftsspiel gegen Fortuna Düsseldorf im Januar sein Comeback. "Es war ein großartiger Moment für mich. Ich habe viel Unterstützung gespürt", sagte Haller nach seiner Rückkehr. "Wir hoffen, dass der Körper keine negativen Reaktionen zeigt, dass wir darauf aufbauen können und in den nächsten Spielen das Pensum steigern können", sagte Edin Terzic.

Als Ersatz für den Ersatz hatte Sportdirektor Sebastian Kehl im Sommer Anthony Modeste verpflichtet. Der Stürmer hatte beim Ligarivalen 1. FC Köln in der Vorsaison 23 Pflichtspieltore erzielt. Beim BVB findet Modeste bisher aber überhaupt nicht ins Spielsystem. Nach den ersten Saisonspielen in der Startelf musste der 34-Jährige in den letzten Spielen vor der Pause dem 18-jährigen Nationalspieler Youssoufa Moukoko Platz machen. Einzig mit seinem Treffer zum 2:2 gegen die Bayern in der Schlussminute avancierte Modeste für einen kurzen Moment zum Dortmunder Helden.

Sébastien Haller wird nicht der einzige "Winter-Neuzugang" bleiben. Nach der Verletzung von Thomas Meunier (Muskelfaserriss) reagierte die Borussia und verpflichtete den norwegischen Verteidiger Julian Ryerson von Union Berlin.

Spieler abgeben wird der BVB im Winter aller Voraussicht auch nicht. Zwar scheint die Zukunft von Bellingham, Reus und Moukoko ungewiss. Ersterer wird von zahlreichen Topclubs umworben, Reus und Moukoko haben nur noch bis Sommer einen Vertrag. Mit einem Abgang noch in diesem Winter ist allerdings in allen drei Fällen nicht zu rechnen.

Terzic muss sich unter Beweis stellen

Edin Terzic hat zwei turbulente Jahre hinter sich. Als gefeierter Interims-Coach und Pokal-Held musste der 40-Jährige im Sommer 2021 Marco Rose weichen und übernahm für ein Jahr den Posten des technischen Direktors. Nach der Trennung von Rose im Mai 2022 durfte Terzic zum zweiten mal ran. Diesmal ist er aber keine Interimslösung.

Von der Euphorie aus der Rückrunde der Saison 2020/21 ist jedoch nicht mehr viel übrig. In der Zeit nach Jürgen Klopp gehört die aktuelle Amtszeit des gebürtigen Mendeners zu den schwächeren beim BVB. 1,74 Punkte holte Dortmund durchschnittlich in den bisher 23 Pflichtspielen, vier der sechs vorigen Klopp-Nachfolger hatten eine bessere Ausbeute - auch Terzic selbst in der Zeit von Dezember 2020 bis Juni 2021 (2,0 Punkte). Und auch Rose, der trotz des Schnitts von 1,85 Zähler nur ein Jahr bleiben durfte.

"Wir brauchen ihn nicht schlechtzureden. Er macht einen tollen Job und wir sind zu tausend Prozent von ihm überzeugt", verteidigt Hans-Joachim Watzke seinen Trainer. Edin Terzic selbst verteidigt die jüngsten Leistungen und die damit verbundenen Ergebnisse: "Etwas, das über Jahre entstanden und in eine negative Richtung gegangen ist, ist meiner Meinung nach nicht mit Worten binnen weniger Wochen oder Monate zu verändern."

Für das neue Jahr hat Terzic einen erfahrenen Mann an die Seite gestellt bekommen. Armin Reutershahn ersetzt Peter Hermann als Co-Trainer. Hermann hatte den BVB Anfang Dezember aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Der 62 Jahre alte Reutershahn war zuletzt als Assistenz-Trainer von Adi Hütter bei Borussia Mönchengladbach aktiv.

Minimalziel Champions-League-Qualifikation

Nach dem Aus in der Champions-League-Gruppenphase in der vergangenen Spielzeit hat Terzic den BVB in diesem Jahr zumindest in die K.o.-Runde geführt. Im Achtelfinale wartet der FC Chelsea (Hinspiel am 15. Februar). Ein Weiterkommen gegen den Titelträger von 2021 wäre ein großer Erfolg für Terzic und den BVB.

Und auch in der Liga scheint noch einiges möglich. Als Tabellensechster hat der BVB fünf Punkte Rückstand auf den Überraschungs-Zweiten SC Freiburg. Weitere vier Zähler beträgt der Rückstand auf die Bayern. "Wir müssen von Tag eins, vom ersten Spiel an, das Rennen von hinten aufholen. Da gibt es keine Ausreden", fordert Marco Reus.