Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln.

Teamcheck 1. FC Köln Die Kölner haben Hunger auf mehr

Stand: 12.01.2023 11:01 Uhr

Die Formkurve des 1. FC Köln zeigte nach gutem Saisonstart vor dem WM-Pause in der Fußball-Bundesliga nach unten. Trainer Steffen Baumgart will deshalb kurzfristig keine großen Ziele ausgeben - langfristig aber schon.

Nach nur einem Punkt aus den jüngsten fünf Spielen vor der WM-Pause ist der 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga auf den 13. Tabellenplatz abgestürzt. Trainer Steffen Baumgart will in dieser Saison deshalb nur nach unten schauen. Langfristig sieht er den Verein aber wieder im Europapokal. Dabei helfen soll auch eine neue Offensivkraft.

Kölns Absturz nach gutem Start

Der bittere Saisonauftakt mit dem Pokal-Aus bei Zweitligist Jahn Regensburg (3:4 nach Elfmeterschießen) brachte die Kölner nicht aus der Fassung. In der Liga starteten sie mit einem 3:1-Erfolg gegen Schalke und blieben in den ersten fünf Spielen ohne Niederlage.

Noch am 10. Spieltag trennten den FC gerade einmal drei Zähler vom Tabellenzweiten Bayern München. Lediglich gegen Union Berlin (0:1) und Borussia Mönchengladbach (2:5) ging der Club leer aus.

Die letzten fünf Spiele bis zur WM-Pause bescherten dem Team von Trainer Steffen Baumgart allerdings nur noch einen weiteren Zähler und damit den Absturz von Rang sieben bis auf 13 - nur drei Punkte von der Abstiegszone entfernt. Gleichzeitig schied der FC in der Conference League nach überstandener Qualifikation und gutem Gruppenstart aus.

Am letzten Spieltag der Gruppenphase kämpften die Kölner gegen OGC Nizza furios, glichen nach 0:2-Rückstand noch aus, schafften jedoch nicht den fürs Weiterkommen nötigen dritten Treffer.

Anschließend folgten die Niederlagen gegen Freiburg, Leverkusen und bei Hertha BSC, die den FC abstürzen und Baumgart nach dem guten Saisonstart ein ernüchterndes Fazit ziehen ließen: "Wir sind im Abstiegskampf, da muss man nicht drum herum reden. Alles andere ist Augenwischerei."

Davie Selke soll FC-Offensive verstärken

Angesichts der Verletztenliste in der Offensivabteilung lag es auf der Hand, dass der FC in der Winterpause nachlegen musste. Dies hat er mit der Verpflichtung des einstigen U21-Europameisters Davie Selke von Hertha BSC getan.

Durch die langfristigen Ausfälle von Mark Uth (Probleme im Schambein- und Adduktorenbereich), Florian Dietz (Kreuzband-OP) und Sebastian Andersson (Knie-OP) mangelte es dem FC im Zentrum an Torgefahr, was Selke ändern soll: "Mit seiner körperlichen Präsenz, seinem starken Kopfballspiel und seinem guten Abschluss wird er unserer Mannschaft helfen, wenn wir ihn entsprechend einsetzen", sagte FC-Geschäftsführer Christian Keller nach dem Transfer.

Bei der Hertha hat Selke bis zur Winterpause in 13 Liga-Partien (drei in der Startelf) einen Treffer erzielt. Wie die anderen Offensivkräfte im FC-Kader ist er damit auch weit von einer Effizienz entfernt, wie sie das Kölner Publikum in der vergangenen Saison noch durch Anthony Modeste präsentiert bekam.

Der Franzose schoss den FC mit 20 Toren in die Conference League, ehe er im Sommer zu Borussia Dortmund wechselte, wo seine Quote bisher mit zwei Treffern in 13 Ligaspielen deutlich bescheidener ausfällt.

Baumgart schaut nur nach unten

Dem Team von Baumgart ging kurz vor der WM-Pause ein wenig die Puste aus. Aber angesichts der Verletztenmisere, des Abgangs von Leistungsträgern wie Modeste und Salih Özcan (beide Dortmund) und vielleicht auch der ungewohnten Belastung durch die Conference League dürfte ihm das kaum jemand ankreiden.

Über das, was seiner Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte bevorsteht, macht sich der 51-Jährige trotzdem keine Illusionen - es wird um den Klassenerhalt gehen. "Mit unseren 17 Punkten kann ich keine Ziele ausgeben, die mit oben zu tun haben. Ich gucke immer dahin, wo es enger wird – und das ist momentan nach unten", sagte er dem "Express" kurz vor dem Jahreswechsel.

Den Grund dafür sieht er aber nicht in den kräftezehrenden Europapokalspielen: "Diese Teilnahme hat Hunger auf mehr gemacht. Ich habe das Gefühl, dass das keine Eintagsfliege war. Wir können diesen Schritt noch einmal gehen", so Baumgart.

Baumgart mit Vorbereitung beim 1. FC Köln zufrieden

Dieser Schritt mag in der laufenden Saison schwierig werden, aber generell sieht Baumgart Köln eben nicht im Abstiegskampf, sondern mit dem Potenzial, international zu spielen.

Was Baumgart derzeit in der Vorbereitung zu sehen bekommt, stimmt ihn optimistisch: "Wir haben immer gesagt, dass unser Spiel wieder funktionieren wird, wenn wir über die Frische Klarheit in unsere Aktionen bringen. Das haben wir gegen den Hamburger SV gesehen."

Dieses Testspiel gewann der FC mit 4:0. "Es gibt ganz viele Beispiele, wo ich erkenne, dass wir auf einem sehr guten Weg sind", so Baumgart. Klingt nicht so, als befürchte er, dieser Weg könne in Liga zwei enden.