Thomas Letsch, Trainer des VfL Bochum.

Teamcheck VfL Bochum Bochum geht mit neuem Mut in den Abstiegskampf

Stand: 13.01.2023 08:00 Uhr

Pünktlich zur WM-Pause hat sich der VfL Bochum wieder in Schlagdistanz zu den Nicht-Abstiegsplätzen gebracht. Trotzdem werden die Blau-Weißen wohl bis zum Saisonende um den Klassenerhalt kämpfen müssen.

Als Aufsteiger hatte der VfL Bochum in der Vorsaison souverän die Klasse gehalten - als Tabellen-13. mit letztlich neun Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsrang. Die neue Spielzeit begann aber mit einer Niederlagenserie, Trainer Thomas Reis musste gehen. Unter dem neuen Coach Thomas Letsch liegt der Klub nun in Schlagdistanz auf das rettende Ufer.

Zwei Trainer - zwei Gesichter

Nach einem historischen Fehlstart mit sechs Niederlagen in Serie - darunter ein 0:7 zu Hause gegen Bayern München - wurde Trainer Thomas Reis nach einer 1:3-Pleite gegen Aufsteiger Schalke 04 am 12. September entlassen. Später zeigte sich Reis, der inzwischen den FC Schalke 04 trainiert, verärgert über die Begleitumstände seines Abschieds.

"Es gibt handelnde Personen beim VfL, mit denen ich nichts mehr zu tun haben will - weil sie sich nicht an Absprachen gehalten haben und ich zum Schluss der einzige war, der an den Pranger gestellt wurde. Daraus habe ich meine Lehren gezogen", sagte Reis.

Bochum jubelt über den ersten Saisonsieg gegen Frankfurt.

Bochum jubelt über den ersten Saisonsieg gegen Frankfurt.

Unter dem neuen Trainer Thomas Letsch holte die Mannschaft bis zur WM-Pause aus neun Pflichtspielen fünf Siege, vier davon in der Bundesliga. Nach dem ersten Punktgewinn am 7. Spieltag (1:1 gegen Köln) unter Interimstrainer Heiko Butscher folgte am 9. Spieltag unter Letsch der erste Sieg (3:0 gegen Frankfurt). Auch ein 2:1 gegen den Spitzenreiter Union Berlin am 11. Spieltag gab neues Selbstvertrauen.

In den letzten beiden Spielen feierte Bochum mit einem 2:1 gegen Gladbach und einem 1:0 beim direkten Konkurrenten Augsburg zwei weitere wichtige Erfolge - beim FCA waren es zudem die ersten Auswärtspunkte. Dadurch ist der VfL als Tabellenvorletzter nur noch einen Punkt von einem Nicht-Abstiegsplatz entfernt.

Verstärkungen für die Defensive

Bochums Trainer Thomas Letsch hatte vor der Winter-Transferperiode Verstärkungen gefordert - vor allem für die Abwehr und das zentrale Mittelfeld. "Wenn alle fit sind, reicht es. Aber es wäre blauäugig, so in die Rückrunde zu gehen", sagte Letsch.

Keven Schlotterbeck.

Keven Schlotterbeck.

Einen neuen Abwehrspieler konnten die Bochumer bereits zum Jahresanfang präsentieren. Innenverteidiger Keven Schlotterbeck, der beim Liga-Konkurrenten SC Freiburg nicht die gewünschte Spielzeit erhalten hatte (fünf Einsätze), wurde bis Saisonende auf Leihbasis verpflichtet. Der 25 Jahre alte Linksfuß bringt die Erfahrung von insgesamt 70 Bundesliga-Spielen mit.

Für das Mittelfeld wurde der kamerunische Nationalspieler Pierre Kunde Malong von Olympiakos Piräus bis zum Saisonende ausgeliehen - mit Kaufoption. Der 27-Jährige kennt die Bundesliga aus einer Zeit in Mainz (2018 bis 2021). "Er ist aufgrund seiner technischen und taktischen Fähigkeiten sowie seiner Dynamik und Robustheit ein Gewinn für unser Team", sagte Sport-Geschäftsführer Patrick Fabian.

Abgegeben wurde dagegen Jannes Horn. Der Linksverteidiger, der seit seinem Wechsel vom 1. FC Köln im vergangenen Sommer für die Bochumer nur in drei Pflichtspielen zum Einsatz gekommen war, wurde bis Saisonende an den Zweitligisten 1. FC Nürnberg ausgeliehen.

Keine Zukunft mehr beim VfL hat Lys Mousset. Der Angreifer, der im Sommer ablösefrei von Sheffield United gekommen war und seitdem kein Pflichtspiel für Bochum absolvierte, konnte sein Talent nicht zeigen und leistete sich immer wieder Undiszipliniertheiten.

Gutes Zwischenzeugnis für Letsch

"Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben in der Welt", sagte Thomas Letsch bei seiner Vorstellung, als er den sieglosen VfL als Tabellenletzten übernahm.

Thomas Letsch.

Thomas Letsch.

Letsch war über mehrere Jahre in verschiedenen Funktionen bei RB Salzburg und dem Farmteam FC Liefering tätig. Er gilt daher als Vertreter des typischen "RB-Fußballs" mit aggressivem Pressing und schnellem Umschalten. Diesen Begriff hört Letsch allerdings nicht so gerne - er habe sich schließlich weiterentwickelt seit seiner Zeit in Salzburg, so Letsch.

Letsch hatte ein kurzes Gastspiel bei Erzgebirge Aue, wo er nach drei Spielen entlassen wurde, weil in den Augen von Präsident Leonhardt das Spielsystem nicht funktioniert hatte. Bei Austria Wien musste er nach einem Jahr gehen, die Entwicklung sei zu schwach gewesen. Erst bei Vitesse Arnheim gelang ihm der Durchbruch - unter anderem mit dem Einzug ins Pokalfinale.

Sport-Geschäftsführer Patrick Fabian stellte Letsch in der WM-Pause ein gutes Zeugnis aus. "Er ist erfahren, klar strukturiert, ist kommunikativ und verfolgt einen spielerischen Plan, der gut zur Philosophie des Klubs passt. Wir mussten aufgrund der schwierigen Ausgangslage den Spagat bewältigen, jemanden zu finden, der kurzfristige Erfolgseffekte erzielen und dennoch mittel- bis langfristig etwas gestalten und entwickeln kann", so Fabian.

Auch bei den Spielern kommt Letsch offenbar gut an. "Der Trainerwechsel war gut. Wir brauchen eine führende Hand, und die haben wir", lobte Angreifer Simon Zoller.

Bochum muss besser werden - vorne wie hinten

Für den VfL Bochum gibt es nur ein Ziel: den Klassenerhalt. "Wir waren fünf Punkte hinter Schalke, jetzt sind wir vier Punkte vor. Wir waren deutlich hinter Stuttgart, Hertha, Augsburg. Jetzt können wir sagen: 'Wir haben 13 Punkte, wir sind voll drin im Geschäft.' Es fühlt sich jedenfalls im Moment viel besser an als Platz 17", sagt Trainer Letsch.

Der 54-Jährige hat den Bochumer Spielern neues Selbstvertrauen gegeben, unter dem neuen Coach spielte das Team zuletzt auch wieder mutiger nach vorne. Mit einem Sieg im ersten Spiel nach der WM-Pause gegen den Konkurrenten Hertha BSC könnte der VfL die Abstiegsränge bereits verlassen.

Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten wurde das Team mit Keven Schlotterbeck und Pierre Kunde Malong gezielt verstärkt, zudem ist mit dem japanischen Nationalspieler Takuma Asano nach seinem Innenbandriss ein wichtiger Angreifer zurückgekehrt. Angesichts der zweitschwächsten Offensive der Liga (14 Treffer) und der schwächsten Defensive (36 Gegentore) wird sich der VfL in beiden Bereichen steigern müssen.

Bochum wird bis zum Saisonende um den Klassenverbleib kämpfen. Vieles wird auch davon abhängen, wie die stärker besetzten und finanziell besser ausgestatteten Konkurrenten Stuttgart, Hertha, Augsburg und Köln auftreten werden. Das Erreichen von Relegationsplatz 16 wäre schon ein großer Erfolg.