Top-Sprinter Fabio Jakobsen gewinnt eine Zielankunft

Radsport Münsterland Giro - wichtig im World-Tour-Abstiegskampf

Stand: 01.10.2022 20:55 Uhr

Es geht in die letzten Wochen bei der Radsport-World-Tour. Der Kampf um jeden Ranglisten-Punkt ist eröffnet - auch heute beim sonst eher kleineren Münsterland Giro.

Der Münsterland Giro gehört eigentlich nicht zu den Radsport-Rennen, denen im internationalen Rennkalender viel Beachtung geschenkt wird. Zu klein ist die Runde im nördlichen NRW - nur Kategorie zwei in der Bewertung der UCI WorldTour. Wenn jedoch am Montag (03.10.2022) die Profis am Start stehen, trifft sich das "who is who" der Sprinter-Szene. Das Rennen wird live ab 13.45 Uhr auf sportschau.de im Stream und ab 15.15 Uhr im WDR Fernsehen übertragen.

Fokus auf dem Abstiegskampf der WorldTour

Schuld am hochklassigen Starterfeld ist das neue Bewertungssystem der UCI für die oberste Klasse des Straßenradsports. Denn der Radsport-Weltverband hat für die WorldTour und die damit verbundenen prestigeträchtigsten Rennen 18 sichere Startplätze vorgesehen. Sie werden an die 18 besten Teams eines Drei-Jahres-Zeitraums vergeben. Dieser endet 2022 und aktuell sind zwei World-Tour-Teams akut vom Abstieg bedroht.

Und so schicken die abstiegsbedrohten Mannschaften ihre besten Fahrer zu vermeintlich kleinen Rennen wie in Münster, um möglichst viele Punkte mitzunehmen. Israel-PremTech setzt zum Beispiel mit Rick Zabel auf einen ganz schnellen Mann, für Cofidis stehen mit Max Walscheid - immerhin Sieger 2018 - und Simon Geschke ebenfalls prominente deutsche Fahrer am Start. "Ich hoffe, dass ich eine zweite Eins nach 2018 hinzufügen kann", gibt Walscheid gegenüber der Sportschau das Ziel vor.

Gesamte Sprint-Elite am Start

Zu bestaunen gibt es dann nicht nur deutsche Top-Fahrer: Lotto-Soudal bietet mit dem Australier Caleb Ewan sogar einen Sprinter der absoluten Extraklasse auf. Die Intention ist klar: Ewan soll am besten das Rennen und damit wichtige Punkte für Lotto-Soudal gewinnen. Denn auch die Punkteverteilung erscheint kurios: So gibt es für einen Sieg beim Münsterland Giro 200 Ranglisten-Punkte, für einen Etappensieg bei der Tour de France dagegen "nur" 120.

Der Start im beschaulichen Münster könnte sich also lohnen - und das eben nicht nur für den Abstiegskampf. Mit Fabio Jakobsen, Pascal Ackermann, Dylan Groenewegen oder Sam Bennett ist fast die komplette Weltklasse im Sprint auf dem Schlossplatz versammelt. "Das Rennen hat sich in den letzten Jahren so entwickelt, dass die Teams ihre Top-Sprinter hierher bringen", erklärte der Sportschau-Radsportexperte Fabian Wegmann. Alle hoffen auf einen Prestigeerfolg auf dem tellerflachen Kurs.

Historie: Wie Münster zur Radsport-Hochburg wurde

Entstanden aufgrund des Giro d'Italia

Dass das Rennen schon immer ein gutes Pflaster für Sprinter war, verwundert nicht: Die Topographie der Strecke ist für einen Massensprint ideal. Es geht in diesem Jahr maximal auf eine Höhe von 160 Meter hinaus. Die historische Siegerliste ist bereits prominent besetzt: Neben John Degenkolb, Sprinter-Legende Mark Cavendish oder Marcel Kittel gewann auch schon beispielsweise André Greipel. Für ihn war es zudem das Abschiedsrennen zum Karriereende. "Das Trikot ist ganz besonders und hängt weiterhin hier bei mir", sagte der ehemalige Radprofi.

Noch weniger dürfte überraschen, dass das Rennen in seiner Gründung auf einen dieser endschnellen Leute zurückzuführen ist: Mario Cipollini. Der italienische Sprinter gewann 2002 die Etappe der Italien-Rundfahrt, im Original Giro d'Italia genannt, von Groningen nach Münster. Die Strecke wurde vorher zwei Jahre mit einem Radrennen getestet - die Idee zum Münsterland Giro war geboren. 20 Jahre nach der Ideenfindung kehrt das Rennen nach zwei Jahren Corona-Pause zurück - und ist wichtiger denn je.