Joana Heidrich (Schweiz) spielt hier noch den Ball, am Netz die Deutsche Svenja Müller. Später fiel Heidirch verletzt aus.

WDR-Sport Beachvolleyball-WM: Bronze für Müller/Tillmann nach Abbruch

Stand: 19.06.2022 21:37 Uhr

Das deutsche Beachvolleyball-Duo Svenja Müller und Cinja Tillmann (Hamburg/Düsseldorf) hat durch das Verletzungspech ihrer Schweizer Gegnerinnen bei der Beachvolleyball-WM in Rom die Bronzemedaille gewonnen. Sie profitierten am Sonntag vom verletzungsbedingten "Aus" für Joana Heidrich.

Die 30-Jährige brach im zweiten Satz nach eigenem Aufschlag schreiend zusammen, hielt sich den rechten Arm und musste behandelt werden. Eine erste Diagnose ergab eine Schulterluxation. Müller und Tillmann halfen mit, Heidrich zu versorgen. Zum Zeitpunkt des Abbruchs hatten sie mit 0:1 Sätzen und 7:10 Punkten gegen die beiden Schweizerinnen Heidrich und deren Partnerin Anouk Vergé-Dépré zurückgelegen. Nach der Aufgabe der Olympia-Dritten ging das Spiel und die Medaille an das deutsche Duo.

Tillmann sprach im Anschluss von einer "sehr gemischten Gefühlslage, so ein Ende wünscht man sich überhaupt nicht. Trotzdem sind wir irgendwie glücklich darüber, wie wir im gesamten Turnier gespielt haben. Die Gedanken sind aber bei Joana, wir hoffen, dass es ihr bald besser geht." "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und können zufrieden sein", sagte auch Müller: "Dass es so enden muss, ist aber beschissen, und ich weiß noch gar nicht so richtig, was ich jetzt denken, sagen und fühlen soll."

WM-Titel geht nach Brasilien

Das deutsche Duo hatte zuvor am Samstag in der Vorschlussrunde gegen die favorisierten Kanadierinnen Sophie Bukovec und Brandie Wilkerson mit 1:2 (15:21, 21:15, 12:15) verloren. Es war die erste Niederlage der Deutschen im siebten Spiel bei der WM. Bukovec/Wilkerson verloren am Sonntagabend das Finale. Die Brasilianerinnen Duda und Ana Patricia besiegten das kanadische Duo mit 2:0 (21:17, 21:19) und holten sich den Titel.

Die Tendenz geht steil nach oben

Die Entwicklung des Teams ist erstaunlich. Im vergangenen Jahr hatten sie zusammengefunden, aber erst in diesem Jahr spielen sie ihre erste Saison komplett gemeinsam durch. Ein erster Erfolg war der Sieg im Mai in Ostrava beim Elite-16-Turnier, der höchsten Kategorie in der Beach Pro Tour.

Bei der WM in Rom sind Müller/Tillmann endgültig zum aktuellen Vorzeigepaar des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) aufgestiegen. Als einziges Duo der insgesamt fünf deutschen Teams erreichten sie erst das Viertel- und dann das Halbfinale. Bei dem Turnier in Rom waren sie in einem insgesamt enttäuschenden deutschen Team der einzige Lichtblick.

Müller mit 21 Jahren ein Versprechen auf die Zukunft

"Wir haben das riesige Potenzial gesehen, aber dass sie schaffen, es so schnell abzurufen, hat uns alle überrascht", sagte DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand. Vor allem die 1,92 Meter große Svenja Müller ist mit ihren erst 21 Jahren ein Versprechen auf die Zukunft. "Wenn sie körperlich fit bleibt, hat sie in ihrer Karriere bei Weltmeisterschaften noch sechs Mal die Möglichkeit, ins Finale zu kommen", meinte Hildebrand.

Dass das Abschneiden von Svenja Müller und Cinja Tillmann die durchwachsene deutsche WM-Bilanz etwas beschönigt, räumte der Beach-Chef ein. Schließlich hatten nur Müller/Tillmann und die Stuttgarterinnen Karla Borger/Julia Sude das Achtelfinale erreichte. Die anderen beiden Damen-Teams und das einzige Männer-Duo Nils Ehlers/Clemens Wickler schieden frühzeitig aus. "Es war für uns eine WM mit Licht und Schatten", hatte Hildebrand vor dem Spiel um Platz drei gesagt. Nach dem Drama im Sand interessierte das niemanden mehr.