Pascal Durak von den Eulen Ludwigshafen jubelt: Mit geballter Faust schreit er seine Freude heraus.

Handball | 2. Bundesliga Eulen Ludwigshafen - Klassenerhalt, Party und dann die Analyse

Stand: 04.06.2022 20:12 Uhr

Mit Humba-Ritual und Freudentränen haben die Handballer der Eulen Ludwigshafen den vorzeitigen Klassenerhalt in der 2. Liga gefeiert. Durch den 32:26-Sieg gegen Rostock können sie von der Konkurrenz im Abstiegskampf nicht mehr eingeholt werden.

Die Umarmungen nach dem deutlichen Triumph gegen Empor Rostock wollten gar nicht mehr aufhören. "Das war Gänsehaut pur", bekannte Linksaußen Jannik Hofmann. "Ein enormer Druck ist jetzt abgefallen", ergänzte Chef-Coach Michel Abt. Und Geschäftsführerin Lisa Heßler, die bei der emotionalen Rede an die mehr als 1.800 Eulen-Fans immer wieder mit den Tränen kämpfte, gab zu: "Ich hätte es mir nicht verziehen, wenn wir es nicht geschafft hätten!" Denn es ging an diesem denkwürdigen Freitagabend nicht nur um den Klassenerhalt, es ging auch um Arbeitsplätze, die bei einem erneuten Abstieg gefährdet gewesen wären.

Mannschaft hält Druck stand

Doch mit einer starken ersten Halbzeit machten die Eulen relativ schnell klar, dass alle an einem Strang ziehen in diesem letzten Heimspiel der Saison. Das Ziel, ganz klar: auch kommende Saison wieder in der 2. Handball-Bundesliga spielen – und dann möglichst ohne Abstiegs-Angst. Der Ehrgeiz war enorm, der Spirit in der Mannschaft passte. Die in Rot gekleideten Anhänger auf den Tribünen machten anderthalb Stunden lang die Ebert-Halle zur gefürchteten Ebert-Hölle. Auch die Effizienz stimmte: Acht Ludwigshafener machten die 32 Treffer unter sich aus.

Neuer Coach – neuer Erfolg

Im Tor glänzte diesmal Ziga Urbic. Der 25-jährige Slowene kehrte unter Trainer Michel Abt zu neuer Stärke zurück. "Ich habe ihm gesagt, dass wir ihn brauchen", erklärte Abt, der erst vor zehn Tagen die verunsicherten und vom Abstieg bedrohten Eulen übernahm – "ganz ohne Vertrag", verrät der Gymnasiallehrer im Interview mit SWR Sport. "Ich weiß noch nicht mal, was das finanziell für mich heißt", fügt er hinzu und lacht.

Fest steht: mit intensiven Gesprächen, variabler Taktik und neuem Mannschaftsgeist hat Abt die sportliche Voll-Katastrophe eines weiteren Abstiegs abgewendet. Und jetzt? Macht er weiter? "Ich weiß es nicht", sagte er inmitten seiner feiernden Spieler. Wirklich? "Wirklich! Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Das hängt jetzt von vielen Konstellationen ab." Aber das brauche Zeit. Die Nacht nach dem Sieg gegen Rostock war eh erstmal zum Feiern gemacht.

Schmerzhafte Analyse steht an

Aber alleine die Tatsache, dass Abt der dritte Trainer innerhalb einer Saison ist, zeigt, wie verquer es lief bei den Eulen. Vom Aufstiegs-Kandidaten zum Fast-Absteiger – da müssen intern deutliche Antworten auf unangenehme Fragen gefunden werden. Daraus macht auch Geschäftsführerin Heßler keinen Hehl: "Glauben Sie mir: Wir haben Selbstreflexion ganz, ganz oben stehen bei uns."

Die engagierte "Chefin" der Eulen lässt keinen Zweifel daran, dass ab sofort eine schmerzhafte Analyse der abgelaufenen Spielzeit ansteht – und zwar auf allen Ebenen: "Da fang ich an erster Stelle bei mir selbst an. Ich glaube aber, dass es in Summe viele Gründe gab, die zu einer Saison geführt haben, in der wir hinter unseren eigenen Erwartungen geblieben sind."

Kapitän wird zur Legende

Eine personelle Neuaufstellung der Mannschaft steht in jedem Fall an. In einer emotionalen Abschiedsfeier ehrte der Verein nach dem umjubelten Sieg ein halbes Dutzend "Weg-Gänger", von Co-Trainer Frank Müller, einst Spielmacher der Eulen, bis zu Jannik Hofmann, der zum TV Hüttenberg zurückkehrt.

Wehmütig war es in der Friedrich-Ebert-Halle aber vor allem, als Kapitän Gunnar Dietrich verabschiedet wurde. "Ein Vorbild", bringt es Heßler auf den Punkt, nicht ohne eine weitere Träne aus den Augenwinkeln zu wischen, nachdem sie "Günnes" zum Abschied umarmt hatte. Dietrichs Trikot mit der Nummer 8 wurde in einer bewegenden Zeremonie von engen Wegbegleitern in die Halle getragen. Es erhält ab sofort einen Dauer-Platz an der Hallenwand bei den "Legenden".

Der 36-Jährige, der insgesamt zwölf Jahre für die Eulen spielte und bei den Bundesliga-Aufstiegen 2010, 2014 und 2017 dabei war, will fortan etwas kürzertreten und wechselt deshalb zum Drittligisten TuS Dansenberg. Doch die Zeit im Eulen-Nest werde er nie vergessen, gestand er unmittelbar nach seinem letzten Spiel in der Ebert-Halle: "Es ist nicht nur das Handballerische, sondern auch, dass ich hier meine Heimat gefunden habe, dass hier meine Kinder zur Welt gekommen sind. Es ist einfach eine Freude jetzt."

Weiterfeiern im Haisl

Diese Freude werden die Ludwigshafener sicher noch eine Weile weiter ausleben. Am Pfingstsonntag jedenfalls treffen sich alle bereits wieder - zum gemeinsamen Grillen im "Behler-Haisl", der Gaststätte von Eulen-Fan Alex Hasert in Böhl-Iggelheim (Rhein-Pfalz-Kreis). Dann wird immer noch genügend Zeit sein, aus der emotionalen Berg- und Talfahrt der vergangenen Monate die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dann kann ein neuer Anlauf für die Rückkehr in die erste Bundesliga gewagt werden.