Eintracht-Trainer Arnautis im Interview Eintracht-Fußballerinnen in der Vorbereitung: "Herausforderung ist größer als in der Vergangenheit"

Stand: 13.08.2022 12:14 Uhr

Die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt bereiten sich auf die neue Saison vor. Trainer Niko Arnautis spricht im Interview über Ziele, den EM-Hype und über einen Rekord, den sie in Frankfurt knacken wollen.

Mit einem Turnier im Norden Dänemarks starten die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt in der kommenden Woche in die Qualifikation zur Champions League. Bei Fortuna Hjørring müssen die Hessinnen am Donnerstag (19 Uhr) erst gegen die Gastgeberinnen und einige Tage später auch das Finale um den Turniersieg gewinnen, um in der Qualiphase eine Runde weiterzukommen. Wir haben Eintracht-Trainer Niko Arnautis im Trainingslager in Grünberg (Gießen) zum Interview getroffen.

hessenschau.de: Herr Arnautis, mal angenommen, wir dürften einen Blick in Ihren Kalender werfen – welche Termine würden wir am 19. und 20. Oktober finden?

Niko Arnautis (überlegt kurz): Oh, jetzt stehe ich auf dem Schlauch. Was könnte da sein? Helfen Sie mir.

hessenschau.de: Dann wird der erste Spieltag der Champions-League-Gruppenphase ausgetragen.

Arnautis: Stimmt. Aber ich muss ehrlich sagen: Unser Fokus liegt nur auf nächster Woche, auf dem Spiel gegen Fortuna Hjørring. Ich beschäftige mich gerade mit nichts anderem, als unsere Truppe darauf vorzubereiten. Wir wissen, dass im Herbst die Gruppenphase beginnt.

Aber davor gibt es ja auch noch ein paar andere Highlights wie das Spiel in der zweiten Runde des DFB-Pokals und den Bundesliga-Start am 16. September gegen Bayern München im Deutsche Bank Park. Diese Termine habe ich im Kopf, alles andere ist für mich zweitrangig – auch wenn wir in der Gruppenphase natürlich gerne dabei sein möchten (grinst).

hessenschau.de: Zumindest Kapitänin Tanja Pawollek hat die Teilnahme daran bei ihrer Vertragsverlängerung neulich als Ziel ausgerufen. Was muss passieren, damit Eintracht Frankfurt dieses Ziel auch erreicht?

Arnautis: Man muss berücksichtigen, dass wir in diesem Sommer eine besondere Situation erleben. Nach einer erfolgreichen Saison waren viele unserer Spielerinnen lange und ebenfalls erfolgreich bei der Europameisterschaft in England oder der Copa América in Kolumbien im Einsatz. Dadurch haben wir jetzt eine kurze gemeinsame Vorbereitungszeit, das kennen wir so in der Form noch nicht.

Wir nehmen das gerne an, weil es ja auch bedeutet, dass wir auf vielen Hochzeiten dabei sind. Aber klar: Die Herausforderung ist größer als in der Vergangenheit. Die paar Tage, die wir jetzt zusammen haben, werden wir bestmöglich absolvieren und unsere Spielidee festigen.

Arnautis: Wollen immer Eintracht Frankfurt verkörpern

hessenschau.de: Vor allem die Vize-Europameisterinnen des deutschen Teams wie Nicole Anyomi oder Sara Doorsoun hatten nach ihrer Rückkehr nur ein paar Tage frei. Ist das nicht ein Problem?

Arnautis: Bei den Entscheidungen, wer wann ins Training einsteigt, haben wir die Spielerinnen natürlich mitgenommen und gefragt. Wenn jemand ein paar Tage länger gebraucht hätte, wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Aber alle wollten unbedingt so früh wie möglich wieder dabei sein, weil sie wie alle anderen sagen: Das Spiel gegen Hjørring ist viel zu wichtig. Nach der Dänemark-Reise können wir ihnen dann noch einmal eine Woche Urlaub geben.

hessenschau.de: Was wissen Sie über Ihren ersten Quali-Gegner?

Arnautis: Die Fortuna gehörte bei der Auslosung zu den gesetzten Teams, hat also schon einige Champions-League-Partien gespielt. In der Mannschaft gibt es viele junge, aber auch ein paar erfahrene Spielerinnen, die alle vor heimischem Publikum antreten und mit ihrem aggressiven Fußball auch in die nächste Runde wollen. Für uns ist es aber immer zweitrangig, gegen wen wir spielen. Wir wollen das alles genießen, die Champions-League-Hymne hören, begeisterungsfähigen Fußball zeigen und das Spiel gewinnen, um weiterzukommen.

hessenschau.de: Begeisterungsfähig war in jedem Fall die EM in England, für Spielerinnen wie für Fans. Jetzt ist die Hoffnung groß, dass dieses Turnier nachhaltig positive Effekte entwickelt.

Arnautis: Jede Spielerin, die dabei war und mit der ich gesprochen habe, hat mir gesagt: 'Es war mega geil'. Ich finde, man hat gespürt, was den Fußball ausmacht: Emotionen, Ehrlichkeit, Offenheit, nahbar sein. Diesen Schwung wollen und müssen wir jetzt in die Bundesliga mitnehmen, die Mädels haben auch in der Liga eine würdige Kulisse verdient.

Mit dem Eröffnungsspiel gegen Bayern München wollen wir als Eintracht Frankfurt den Rekord von 12.464 Zuschauerinnen und Zuschauern knacken. Die EM kam auf jeden Fall zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt wird es aber wichtig sein, Strukturen weiter zu professionalisieren, damit sich die Spielerinnen bei allen Vereinen bestmöglich auf den Fußball konzentrieren können.

Arnautis: Wollen nach dieser EM Liga-Zuschauerrekord knacken

hessenschau.de: Ihre Vertragsverlängerung in der vergangenen Woche kam nicht unbedingt überraschend, immerhin ist Eintracht Frankfurt Ihr Herzensverein. Muss man einen Niko Arnautis noch überzeugen, bei der Eintracht zu bleiben?

Arnautis (lacht): Es ist kein Geheimnis, dass hier mein Zuhause ist. Ich will die Leute damit auch nicht langweilen, aber von klein auf bin ich Eintracht-Fan. Ich bin in Frankfurt geboren, groß geworden und habe hier viele Tränen vergossen – auch Freudentränen, die bislang letzten gab es mit unserer Qualifikation fürs internationale Geschäft und später mit dem Europa-League-Sieg der Männer ja erst vor kurzem. Für mich war es eine klare Sache, dass wir diesen Vertrag verlängern.

hessenschau.de: Das heißt, Sportdirektor Siegfried Dietrich musste Sie eigentlich nur einmal kurz anrufen oder eine WhatsApp-Nachricht schicken, um alles zu klären?

Arnautis: Siggi und ich haben mit Sportvorstand Markus Krösche zusammengesessen, dann kam dieses Thema auf. Alle drei waren sich sehr schnell einig, dann haben wir den Vertrag unterschrieben. Ich weiß nicht, wie viele Minuten es gedauert hat. Aber es waren auf keinen Fall Stunden.

Arnautis über seine Vertragsverlängerung bei Eintracht Frankfurt

hessenschau.de: Für die Eintracht ist das ein gutes Zeichen. Wenn ein Trainer gute Arbeit leistet, weckt das ja vielleicht auch bei anderen Clubs Begehrlichkeiten.

Arnautis: Ja, aber für mich hat sich diese Frage nie gestellt. Wir haben hier mit vielen Spielerinnen langfristig verlängert. Für mich war klar, dass ich dieses Boot hier weiter steuern möchte. In meinen Gedanken hat es überhaupt nicht gepasst, dass ich mich irgendwo anders sehe. Wir sind hier immer noch am Anfang unserer Entwicklung, wollen noch viel Nachhaltiges erreichen. Sportlich und infrastrukturell wollen wir uns in allen Bereichen professionalisieren und verbessern.

hessenschau.de: Oliver Glasner hat angekündigt, dass Sie beide demnächst mal zusammen einen Kaffee trinken werden. Was wollen Sie ihm sagen?

Arnautis: Schon bei dem Triumph in Sevilla, als wir in einem Club zusammen gefeiert haben, haben wir besprochen, dass wir uns nach der Sommerpause häufiger zusammensetzen und austauschen wollen. Das ist wichtig, um voneinander zu profitieren. Das Interesse ist auf beiden Seiten da. Es ist klasse, dass wir mit Oli Glasner nicht nur einen tollen Trainer, sondern auch einen tollen Menschen haben.

hessenschau.de: Champions League, DFB-Pokal, Bundesliga – welche Rolle wollen Sie mit Eintracht Frankfurt in der neuen Saison spielen?

Arnautis: Das, was man schon einmal erreicht hat, möchte man natürlich immer wieder erreichen. Wir wollen uns in dem Feld, das um den dritten Tabellenplatz spielt, etablieren. Für mich ist das Entscheidende, dass wir dabei immer Eintracht Frankfurt verkörpern. Dass die Leute, wenn sie uns im Stadion spielen sehen, sagen: 'Was für eine geile Truppe ist das denn?' Dann können wir unsere Geschichte weiterschreiben.

Das Interview führte Patrick Stricker.