Diskussion mit Fans FC Bayern verteidigt sein Engagement in Katar

Stand: 05.07.2022 08:49 Uhr

Der FC Bayern hat an einem Runden Tisch über das Streitthema Katar diskutiert. Mit dabei waren Oliver Kahn, Herbert Hainer, Bayern-Mitglieder und der katarische Botschafter.

Von BR24 Sport

Bayern München hat sein Engagement im WM-Gastgeberland Katar erneut und mit Vehemenz verteidigt. "Nur durch Hinschauen und Dialog werden Verbesserungen angestoßen", sagte Präsident Herbert Hainer beim Runden Tisch mit kritischen Fans, Menschenrechtlern und Vertretern aus dem Wüstenstaat: "Ich bin der festen Überzeugung, dass man diesem Land eine Chance geben muss!"

Vorstandschef Oliver Kahn ergänzte im Rahmen der zweistündigen, teilweise hitzigen Diskussion, die Reformen in Sachen Menschenrechte würden "so ein bisschen abschätzig" betrachtet. Es sei "sehr, sehr viel passiert. Ich glaube, dass der Sport sehr, sehr viel bewegen kann." Man dürfe nicht zu viel erwarten, aber "der Fußball kann ein sehr, sehr wichtiger Mosaikstein" sein.

Entwicklung in Katar braucht Zeit

"Seitdem der Fußball in Katar angekommen ist, bewegt sich einiges", betonte Kahn: "Natürlich ist es noch nicht so, wie wir uns das alle vorstellen. Aber am Dialog geht kein Weg vorbei. Dann bin ich zutiefst überzeugt, dass sich Dinge verändern."

Die Bayern-Mitglieder Michael Ott und Robin Feinauer hielten dagegen. "Die Frage stellt sich, wie viele Menschen sterben müssen, bis das Ende des Reformprozesses erreicht ist", sagte Feinauer mit Blick auf die Arbeitsbedingungen.

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Moral der Bayern in Frage gestellt

Ott zählte die Missstände in Katar auf und meinte: "Wenn da keine rote Linie erreicht ist für eine Werbepartnerschaft, wo gibt es dann überhaupt noch eine rote Linie für den FC Bayern?" An der Gesprächsrunde in der Allianz Arena nahmen zehn Diskutanten teil, darunter der frühere Außenminister Sigmar Gabriel. Er "staune" über die Kritik, sagte er, "wir sollten uns nicht auf ein hohes moralisches Podest stellen", sondern Katar im Reformprozess unterstützen.

Katar-Vertreter weisen Kritik von sich

WM-OK-Chef Hassan Al-Thawadi sagte "mit Stolz, dass wir das Menschenmögliche gemacht und uns dem Fortschritt verpflichtet haben". Der katarische Botschafter Abdulla bin Mohammed Al-Thani behauptete, es gebe "keine Probleme mit Frauenrechten" und nannte Berichte, das Land habe die WM "gekauft" eine "Verschwörung".

Der FC Bayern und Katar - die Hintergründe

Der FC Bayern hat einen bis 2023 laufenden Sponsorenvertrag mit der Fluglinie Qatar Airways. Die Geschäftsbeziehung mit Katar ist in der Fanszene des Clubs aber wegen der umstrittenen Menschenrechtssituation im Gastgeberland der WM 2022 und der Arbeitsverhältnisse auf den WM-Baustellen ein Reizthema.

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Bayern-Mitglied Ott hatte auf der turbulenten Jahreshauptversammlung des FC Bayern im Herbst 2021 einen Spontanantrag einbringen wollen, um über das Sponsoring mit der Fluglinie abstimmen zu lassen. Das ließ das Präsidium nicht zu. Ott hatte daraufhin das Verhalten der FCB-Führung scharf kritisiert.