Sportvorstand Dieter Hecking (r.) mit Ex-Trainer Robert Klauß

Trainerentlassung beim 1. FC Nürnberg Weg der ruhigen Hand gescheitert?

Stand: 03.10.2022 15:05 Uhr

Die Ära Robert Klauß bei Zweitligist 1. FC Nürnberg ist zu Ende. Beim Club tat man sich schwer mit der Entlassung, verhandelt aber schon mit einen potenziellen Nachfolger.

Von Wolfram Porr

Der für den 1. FC Nürnberg historisch gesehen eher ungewöhnliche Weg der ruhigen Hand, er ist zumindest erstmal unterbrochen. Der Vorstand zog nach einer äußerst schwachen Leistung beim 0:3 in Karlsruhe - nicht der ersten in dieser Saison - die Reißleine. Trainer Robert Klauß muss gehen.

Sportvorstand Dieter Hecking, der bislang für eine langfristige Strategie der Kontinuität stand und der sich vor Kurzem noch für Klauß und einen nachhaltigen Weg beim FCN ausgesprochen hatte, musste einsehen, dass die Mannschaft dringend neue Impulse braucht, um nicht noch tiefer ins Schlamassel zu rutschen. Sechs Niederlagen in zehn Spielen, dazu ein enttäuschender Tabellenplatz 14 und nur noch ein Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone - das war zu viel.

Auftreten der Mannschaft "nicht mehr akzeptabel"

"Wir bedauern diese Entscheidung, aber sie ist unumgänglich gewesen", schrieb Hecking auf der Vereins-Webseite. Und mit jedem Satz scheint durch, wie schwer sich der Club mit dieser Entscheidung getan hat.

"Robert hat hier über mehr als zwei Saisons einen guten Job gemacht. Allerdings war die Entwicklung in den zurückliegenden Wochen ganz und gar nicht zufriedenstellend. Die Art und Weise, wie die Mannschaft in Karlsruhe, aber auch schon in einigen Spielen zuvor aufgetreten ist, war nicht akzeptabel. Wir hätten uns alle darüber gefreut, wenn wir unseren Weg der Kontinuität verbunden mit erfolgreichen Spielen hätten weitergehen können."

Saison 2021/22 machte Hoffnung - Kaderoptimierung verpufft

Klauß, dessen Vertrag erst im Mai bis 2023 verlängert worden war, hatte den Club vor der Spielzeit 2020/21 übernommen und auf einen Mittelfeldplatz geführt. In der vergangenen Saison hatten die Franken dann sogar lange die Chance, um den Aufstieg mitzuspielen, am Ende wurde es Rang acht.

Was fehlte, um ganz oben anzugreifen, war im Sommer schnell ausgemacht: ein Knipser. Also investierte der Club in seine Angriffsreihe, holte mit Christoph Daferner von Dynamo Dresden, Manuel Wintzheimer vom Hamburger SV und Kwadwo Duah (FC St. Gallen) frische Offensivkräfte, doch der Erfolg blieb aus.

Längste Amtszeit seit Michael Oenning

Doch Robert Klauß, für den Nürnberg die erste Station im Profifußball war, gelang es nicht, die Mannschaft spielerisch und taktisch weiterzubringen.

Immerhin: Seit Michael Oenning (2009 bis 2012) war kein Coach mehr so lange in Amt und Würden am Valznerweiher. Doch Heckings Weg der ruhigen Hand ist fürs erste gescheitert. Nun muss der Sportvorstand auf die Suche nach einem Nachfolger gehen, am besten nach einer langfristigen. Die Zeit ist allerdings knapp: Schon am Wochenende gastiert Holstein Kiel im Max-Morlock-Stadion.

Hecking: Auf einen Kandidaten festgelegt

"Wir hatten mehrere Kandidaten, haben uns aber auf einen festgelegt", sagte Hecking bei einer Medienrunde am Montag. "Ich habe jemanden im Kopf, mit dem wir auch in Gesprächen sind." Mit der externen Lösung will sich der fränkische Fußball-Zweitligist auch rasch einigen.

Laut "Bild" soll es sich dabei um den früheren Regensburg-, Augsburg- und Schalke Trainer Markus Weinzierl handeln. Wer auch immer es sein wird: Klauß' Nachfolger soll die Mannschaft schon am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) im Heimspiel gegen Kiel betreuen. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Nachfolge", betonte Hecking. "Wir versuchen, schnellstmöglich eine Lösung zu präsentieren."

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Quelle: BR24 Sport 03.10.2022 - 15:15 Uhr