Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hat mit Peng Shuai ein Videotelefonat geführt.

Olympia | Winterspiele Peking 2022 Olympia-Boykott: Bach pocht auf Neutralität, Baerbock will europäische Antwort

Stand: 09.12.2021 12:19 Uhr

IOC-Präsident Thomas Bach hat die Ankündigung eines diplomatischen Boykotts der Winterspiele in Peking 2022 durch einige westliche Staaten "reine politische Entscheidungen" genannt. "Für diese Entscheidung gilt die politische Neutralität des IOC", sagte Bach.

Bei einer Pressekonferenz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Mittwoch (08.12.2021) begrüßte Bach, dass der Entsendung von Athletinnen und Athleten bislang nichts entgegenstehe. "Das IOC war immer mit der Teilnahme der Sportler beschäftigt. Die Unterstützung der Regierungen gibt ihnen nun Sicherheit. Der Rest ist Politik."

Bach: "Das könnte das Ende der Spiele bedeuten"

Wenn sich das IOC politisch auf eine Seite schlage, gefährde dies "unsere Mission, die Welt zu vereinen". Dies würde eine Politisierung der Olympischen Spiele zur Folge haben. "Und das könnte das Ende der Spiele bedeuten." Die politische Neutralität sei wichtiger geworden, weil in der Welt die Spannungen zunähmen. Durch den Gastgebervertrag seien die Menschenrechte der Teilnehmenden genauso gewährleistet wie die Pressefreiheit.

Das Exekutivkomitee des IOC trifft sich am Donnerstag in Genf. Korrespondent Joachim Goergen gibt seine Einschätzung zu den aktuellen Geschehnissen rund um die Olympischen Spiele in Peking im Februar ab.

Mehrere westliche Länder hatten aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in China einen diplomatischen Boykott der Spiele in Peking (4. bis 22. Februar 2022) ausgesprochen. China werden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Zuletzt stand der Umgang Chinas mit der Tennisspielerin Peng Shuai im Mittelpunkt der Kritik.

USA, Kanada, Großbritannien und Australien mit diplomatischem Boykott

Die USA kündigten am Montag einen diplomatischen Boykott an. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte, die Regierung von Präsident Joe Biden werde keine diplomatischen oder offiziellen Vertreter nach Peking schicken. Großbritannien und Australien folgten mit ähnlichen Plänen. Es handle sich "effektiv um einen diplomatischen Boykott", sagte der britische Premierminister Boris Johnson im Parlament in London. "Wie ich bereits zuvor sagte, unterstützen wir keinen sportlichen Boykott. Aber es gibt keine Pläne, dass Kabinettsmitglieder die Olympischen Winterspiele besuchen", sagte Johnson. Ähnlich hatte sich zuvor auch der australische Premier Scott Morrison in Sydney geäußert.

Australische Aktive sollen - wie auch die britischen und die amerikanischen Athletinnen und Athleten - jedoch an den Spielen in Peking teilnehmen, betonte Morrison. "Australien ist eine große Sportnation, aber ich halte Fragen des Sports und der anderen politischen Angelegenheiten sehr wohl auseinander."

Kritik aus Peking: "Niemanden interessiert, ob Australien kommt"

China reagierte mit Kritik auf die Entscheidung Australiens. "Die australische Regierung folgt bestimmten Ländern blind, so dass es richtig nicht von falsch unterscheiden kann", sagte Außenamtssprecher Wang Wenbin am Mittwoch in Peking. Australien verletzte den Grundsatz der politischen Neutralität in der olympischen Charta.

Die Begründung Australiens "mit der so genannten Menschenrechtsfrage in Xinjiang sei nur ein Vorwand, um China zu verleumden", sagte Wang Wenbin und ergänzte: "China hatte niemals Pläne, irgendeinen australischen Offiziellen zu den Spielen einzuladen. Niemand interessiert sich dafür, ob sie kommen oder nicht."

Steinmeier plant keine Reise nach Peking, Baerbock fordert europäische Haltung

Deutschland hat sein Vorgehen bislang offen gelassen. Man werde sich sorgfältig und im internationalen Zusammenhang beraten und Entscheidungen treffen, hatte der am Mittwoch zum neuen Bundeskanzler gewählte Olaf Scholz (SPD) am Dienstag gesagt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird nicht zu den Winterspielen reisen. "Es gibt keine Pläne des Bundespräsidenten, nach Peking zu reisen", sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten der auf Anfrage der Sportschau. "Diese Pläne gab es aber auch nicht, bevor die USA ihre Entscheidung bekannt gaben."

Außenministerin Annalena Baerbock sprach sich am Donnerstag (9.12.21) für eine gemeinsame Haltung Europas aus. "Ich habe selbst ein großes Sportlerinnenherz. Wir werden gemeinsam in der neuen Bundesregierung entscheiden, wie wir weiter damit umgehen, und das dann im Einklang mit unseren europäischen Freunden", sagte Baerbock bei ihrem Antrittsbesuch in Paris. Auch der französische Ressortchef Jean-Yves Le Drian sprach sich für eine EU-Position aus.

Innerhalb der französischen Regierung gibt es aber offenbar unterschiedliche Meinungen. "Der Sport ist eine Welt für sich, die vor politischer Einmischung geschützt werden muss", sagte Bildungs- und Sportminister Jean-Michel Blanquer am Donnerstag dem TV-Sender BFM. Sportministerin Roxana Maracineanu werde im Februar nach Peking reisen.

FDP-Politikerin Beer fordert auch sportlichen Boykott

Nach dem Vorstoß der USA hatte sich die Europa-Politikerin Nicola Beer (FDP) für einen Komplett-Boykott der Winterspiele ausgesprochen. Die Europäische Union sollte "nicht nur im Windschatten der USA bleiben, sondern sich selbst für die Einhaltung von Menschenrechten auf die Hinterbeine stellen und sich für einen gänzlichen Boykott der Winterspiele aussprechen", sagte die Vizepräsidentin des EU-Parlaments den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Der von den USA geforderte diplomatische Boykott komme spät, sagte die FDP-Politikerin, und sei "das Mindeste", was vom Westen zu erwarten sei. Die Olympischen Winterspiele im Februar 2022 in China seien "eine falsche Bühne am falschen Ort". Klare Signale des Westens Richtung Peking seien längst überfällig, meinte Beer mit Hinweis auf die "brutale Unterdrückung der Uiguren, der chinesischen Aggressionen gegenüber Hongkong und Taiwan".