Olympia 2022 - die Schlussfeier in voller Länge

Sportschau 20.02.2022 01:42:21 Std. Verfügbar bis 31.08.2022 Das Erste

Olympia | Schlussfeier

Olympische Winterspiele in Peking beendet

Stand: 20.02.2022, 15:30 Uhr

Mit einer farbenfrohen Schlussfeier in Peking sind die XXIV. Olympischen Winterspiele in China zu Ende gegangen. IOC-Präsident Thomas Bach erklärte diese "wahrhaft außergewöhnlichen" Spiele für beendet.

Die Olympischen Winterspiele in Peking sind Geschichte, die olympische Flamme ist erloschen. IOC-Präsident Thomas Bach beendete am Sonntag die XXIV. Spiele. Gleichzeitig rief er die "Jugend der Welt“ auf, sich zu den XXV. Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo/Italien einzufinden.

Um 21.31 Uhr Ortszeit sprach Bach die traditionelle Schlussformel im Olympiastadion der chinesischen Hauptstadt Peking.

Olympia 2022 - die besten Bilder

Sportschau 20.02.2022 02:54 Min. Verfügbar bis 31.08.2022 Das Erste

Fahnenträger Margis führt deutsches Team an

Bob-Anschieber Thorsten Margis trägt die deutsche Fahne bei der Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Peking

Für die deutsche Mannschaft, die nach 109 Wettbewerben mit zwölfmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze im Medaillenspiegel Platz zwei hinter Norwegen belegte, trug Bob-Anschieber Thorsten Margis die Fahne zu den Klängen von "Freude schöner Götterfunken", Beethovens 9. Sinfonie "Ode an die Freude", ins Stadion.

Im "Vogelnest" wurde eine vom chinesischen Regisseur Zhang Yimou arrangierte Zeremonie unter dem Motto "Together for a shared future" zelebriert. Diese griff die Symbolik der Eröffnungsfeier wieder auf. Das wechselnde Spiel mit Licht und Schnee zog sich durch die knapp 100-minütige Show. Die Stimmung im Stadion wirkte unbeschwerter als bei der Eröffnung. Wie schon bei der Eröffnung war auch Chinas Präsident Xi Jinping unter den Tribünengästen.

Letzte Siegerehrungen

Traditionell wurden im Stadion auch die letzten Medaillen der Spiele vergeben - für die Langläufer und Langläuferinnen über die lange Distanz.

Rocket Man, Tränen und grüne Hänge - die Bilder der Olympischen Spiele

Die Olympischen Winterspiele in Peking hatten einiges zu bieten: Sensationen, Drama, Emotionen - und dazu kam noch die Corona-Pandemie.

Dinigeer Yilamujiang (l) und Jiawen Zhao bei der Eröffnungsfeier

Der Auftritt der Uigurin Dinigeer Yilamujiang, die bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele gemeinsam mit dem nordischen Kombinierer Zhao Jiawen das olympische Feuer entzündete, sorgte weltweit für Diskussionen und Kritik, da China international Vorwürfen über eine Unterdrückung der muslimischen Minderheit ausgesetzt ist. Von "Symbolpolitik" war die Rede und davon, dass ein falsches Bild vom Leben der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang gezeichnet werde. Denn dort sind Menschenrechtlern zufolge Hunderttausende in Umerziehungslager gesteckt worden.

Der Auftritt der Uigurin Dinigeer Yilamujiang, die bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele gemeinsam mit dem nordischen Kombinierer Zhao Jiawen das olympische Feuer entzündete, sorgte weltweit für Diskussionen und Kritik, da China international Vorwürfen über eine Unterdrückung der muslimischen Minderheit ausgesetzt ist. Von "Symbolpolitik" war die Rede und davon, dass ein falsches Bild vom Leben der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang gezeichnet werde. Denn dort sind Menschenrechtlern zufolge Hunderttausende in Umerziehungslager gesteckt worden.

Der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger flog förmlich zur Goldmedaille von der Normalschanze. In atemberaubender Manier zündete er noch einmal den Turbo und passierte im Finish des abschließenden Laufs erst seinen lange führenden Teamkollegen Johannes Rydzek, dann auch den Rest der Konkurrenz und sicherte sich den Olympiasieg.

Er ist der "Raketenmann": Nathan Chen flog mit gleich fünf vierfachen Sprüngen zum Olympiasieg im Eiskunstlaufen. Und das zu den Klängen des "Rocket Man"-Evergreens von Elton John. Der erst 22-jährige US-Amerikaner profitierte bei seinem Triumph auch vom Absturz des japanischen Favoriten Yuzuru Hanyu.

Es waren nicht die Olympischen Spiele von Ski-Superstar Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin schied im Riesenslalom, Slalom und im Kombi-Slalom jeweils früh aus und zeigte dabei Schwächen, die bei ihr sonst nicht zu sehen sind. Shiffrin offenbarte in Peking auch Emotionen, konnte Frust und Enttäuschung nicht mehr unterdrücken. "Ich fühle mich wie eine Witzfigur. Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn ich einfach meine Karriere beenden würde", lautete ihr trauriges, ganz persönliches Olympiafazit.

Nach dem letzten Wettkampf seiner Fabelkarriere konnte Shaun White seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Snowboard-Superstar aus den USA weinte hemmungslos. "Vielen Dank, Snowboarding. Du warst die Liebe meines Lebens", sagte der 35-Jährige. "Ich wollte doch nicht weinen. Doch das ist einfach super emotional für mich." Es war ein Abgang ohne Medaille: White wurde im Halfpipe-Finale Vierter.

Curling war bei den Olympischen Spielen 2022 von Anfang bis Ende präsent. Ein heimlicher Star der Sportart: Matt Hamilton, sogenannter "Second" im Team von US-Skip John Shuster. Der 33-Jährige drehte mit seiner wallenden Mähne und seinem ausgefallenen Outfit ordentlich den SWAG auf.

Biathletin Denise Herrmann überraschte nach einer durchwachsenen Saison mit der Goldmedaille im Einzel über 15 Kilometer. Für sie war es nach Olympia-Bronze mit der Langlauf-Staffel 2014 nun die erste Einzelmedaille im Biathlon - das war zuvor noch keiner Deutschen gelungen. "Am Ende auch ganz oben zu stehen, ist natürlich einfach unglaublich. Es war das perfekte Rennen", sagte Herrmann, die Geschichte schrieb.

Dass Peking eigentlich kein Ort für Wintersport ist, war vor und nun auch während der Wettbewerbe Gegenstand der Kritik an den Olympischen Spielen. Weiße Pisten, aufwändig mit Schneekanonen präpariert, drumherum graue Landschaften - so sahen die Bilder aus China aus. In Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren die Winterspiele nicht medaillenverdächtig. Wind und Wetter wirbelten den Wettbewerbskalender zudem teilweise gehörig durcheinander.

Die Angst vor Corona war bei den Olympischen Winterspielen in Peking allgegenwärtig. Die Veranstalter taten alles, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Die Mitarbeiter waren angewiesen, alle und alles zu desinfizieren. Und das taten sie mit großem Eifer - in futuristisch aussehenden Ganzkörperanzügen.

Die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa war vielleicht das Gesicht der Spiele. Einen Tag nach der Entscheidung im Teamwettbewerb, in dem die 15-Jährige mit dem Team des Russischen Olympischen Komitees Gold gewonnen hatte, wurde ein positiver Dopingtest bei den russischen Meisterschaften im Dezember publik. Nach anschließendem tagelangem Wirbel verpasste Walijewa mit einer fehlerhaften Kür als Vierte eine Medaille im Einzel. Wie ein Häufchen Elend ging sie vom Eis, ihre Trainerin bestrafte sie zusätzlich mit einer kühlen und unempathischen Reaktion. Ob das Russische Olympische Komitee Gold behalten darf, entscheidet sich erst nach den Spielen, wenn abschließend im Dopingfall geurteilt wird.

Nach Walijewas Auftritt im Einzel konnte Katharina Witt im Sportschau-Studio die Tränen nicht zurückhalten. "Das ist eigentlich nicht zu ertragen", sagte die aufgelöste frühere Weltklasse-Eiskunstläuferin im Gespräch mit Moderatorin Jessy Wellmer. Doch Witt fand dann rasch die angemessen deutlichen Worte: "Das, was jetzt passiert ist, ist das Allerschlimmste. Sie ist daran zerbrochen. Sie ist ein 15-jähriges Kind, das man der Welt zum Fraß vorgeworfen hat."

Der Ausdruck "Quarantäne-Hotel" prägte die Spiele in Peking. Sportler wie Kombinierer Eric Frenzel und sein Teamkollege Terence Weber, aber auch Journalisten wie Sportschau-Moderator Claus Lufen mussten dort unfreiwillig Station machen. Während für die Sportler in der dortigen Isolation Trainieren fast unmöglich war, war für Lufen und Co. zumindest etwas Arbeit drin.

Vom Flughafen direkt ins Quarantäne-Hotel - lange Zeit war Olympia für Eric Frenzel eine Katastrophe. Elf Tage lang war der Nordische Kombinierer in seinem Zimmer gefangen. Schließlich konnte er sich freitesten und wurde für die abschließende Staffel nominiert. Doch auch hier ging es nicht ohne Drama. An Position drei laufend brach der Sachse ein und lag anschließend komplett entkräftet im Schnee. Er durfte sich bei Schlussläufer Vinzenz Geiger bedanken, dass es zu Silber reichte. Es war das Happy End einer absurden Geschichte.

Er war einer der Hingucker bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Peking: Nathan Crumpton aus Amerikanisch-Samoa. Der Skeleton-Fahrer präsentierte sich bei Eiseskälte halbnackt und eingeölt und sorgte somit für viele Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Die Bilder des Athleten gingen viral.

Es ist ein echtes Märchen: Im Dezember 2018 erhielt Max Parrot die Schockdiagnose Lymphdrüsenkrebs. Doch der kanadische Snowboarder überwand die Krankheit nach zwölf Chemotherapien. Etwas mehr als drei Jahre später sprang er in Peking zu Olympia-Gold im Slopestyle. "Ich lag in einem Krankenhaus, hatte keine Energie, keine Muskeln", sagte Parrot anschließend sichtlich bewegt: "Jetzt bei Olympia den besten Lauf meines Lebens hinzulegen und Gold zu gewinnen - das ist Wahnsinn."

Ob Rodeln , Bob oder Skeleton: Auf die deutschen Sportler und Sportlerinnen war im Eiskanal einmal mehr Verlass. In neun Rennen holten sie neun Siege und insgesamt 16 Medaillen. In den Medien war vom "Goldrausch im Eiskanal" die Rede. Nur im Monobob-Rennen der Frauen ging das Team Deutschland leer aus.

Katherine Sauerbrey, Katharina Hennig, Victoria Carl und Sofie Krehl holten Silber in einem denkwürdigen Staffel-Rennen über 4 x 5 Kilometer. Krehl rettete auf den letzten Metern im Skistadion von Zhangjiakou den zweiten Platz ins Ziel, danach gab es für die deutschen Läuferinnen kein Halten mehr. Der Rest waren Jubel und Tränen.

Katharina Hennig und Victoria Carl setzten wenige Tage später sogar noch einen drauf und holten völlig überraschend Gold im Teamsprint. Den Sieg sicherte Carl mit einem überragenden Schlusssprint, bei dem selbst Sportschau-Reporter Jens-Jörg Rieck um Worte rang. "Ja, hast denn du die Pfanne heiß", rief dieser ungläubig aus, als Gold feststand.

Das Warten schien kein Ende zu nehmen. Eine gefühlte Ewigkeit harrte Daniela Maier im Zielbereich des Genting Snow Parks aus - als knapp geschlagene Vierte im packenden Skicross-Finale. Sie umarmte ihre Konkurrentinnen und beglückwünschte sie als faire Verliererin zur Medaille. Doch die Jury entschied nach zehn Minuten: Olympia-Bronze für Maier! Es war die erste Skicross-Medaille überhaupt für Deutschland.

Eklat beim Eishockey: Aus Angst vor einer Corona-Infektion hatten sich die Rekord-Olympiasiegerinnen aus Kanada zunächst geweigert, gegen das Russische Olympische Komitee anzutreten, weil die Gegnerinnen keine negativen Corona-Testergebnisse vorgelegt hatten. Das Match ging erst los, als beide Mannschaften unter ihren Gittern Mund- und Nasenschutz angelegt hatten - der "Maskenball auf dem Eis" konnte beginnen.

Mit dem schwierigsten Sprung ihrer Ski-Freestyle-Karriere sicherte sich Eileen Gu Gold bei der Premiere des Big-Air-Wettbewerbs in Peking. Zudem holte die in San Francisco aufgewachsene 18-Jährige Gold in der Halfpipe und Silber im Slopestyle. Gu ist der neue Liebling im Land des Olympia-Gastgebers. Die Tochter eines Amerikaners und einer Mutter mit chinesischen Wurzeln startet seit 2019 für China und hat im Reich der Mitte beste Chancen, zu einem absoluten Superstar aufzusteigen.

Beim Mixed-Wettbewerb der Skispringer waren fünf Springerinnen wegen nicht regelkonformer Anzüge von den Kontrolleuren disqualifiziert worden. Darunter war auch die deutsche Starterin Katharina Althaus. Das deutsche Team verpasste somit die erhoffte Medaille. Der Weltverband sowie die Materialkontrolleure ernteten danach harsche Kritik, von einer "Farce" war die Rede.

Maskottchen Bing Dwen Dwen war der heimliche Star der Olympischen Spiele. Die knuffige Pandabärin auf Schlittschuhen war nachgefragter als viele Sportler. "Lieferprobleme wegen des Frühlingsfestes", hieß es in China vielerorts auf Nachfrage.

Nico Porteous staunte nicht schlecht. Während der Halfpipe-Olympiasieger im Zielraum des Genting Snow Parks die ersten Glückwünsche in Empfang nahm, standen die Mitglieder des neuseeländischen Teams ganz in Schwarz gekleidet schon in Formation: Bei minus 25 Grad führten sie ihm zu Ehren den legendären Haka auf.

Rodlerin Natalie Geisenberger gewann bei den Winterspielen in Peking Gold in Einzel und Team. Damit baute sie ihre olympische Bilanz auf sechs Gold- und eine Bronzemedaille aus. Somit löste die neunmalige Weltmeisterin die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein als erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin ab.

Mit dem Symbol der Weidenrute wurden die Olympioniken verabschiedet. Dies sollte nach Angaben der Organisatoren auch als Anspielung auf ein Aufblühen nach der Corona-Pandemie verstanden werden.

Bach verneigt sich vor China - Demut statt Kritik

IOC-Präsident Thomas Bach bei der Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Peking

Thomas Bach verbeugte sich noch einmal demütig vor China, nach 16 gespenstischen Tagen, in denen er den kritischen Themen dieser umstrittenen Olympischen Winterspiele ausgewichen war wie einst als Fechter den Attacken auf der Planche. Kein Wort der Kritik an der Menschenrechtspolitik des Gastgeberlandes. Stattdessen dankte er den Gastgebern dafür, dass sie dem olympischen Geist "diese Bühne so hervorragend bereitet haben".

Hajo Seppelt zieht ein sportpolitisches Fazit über Olympia in Peking

Sportschau 20.02.2022 05:59 Min. Verfügbar bis 31.08.2022 Das Erste

In seiner Rede ging Bach auf die Coronapandemie ein und forderte die gerechte Verteilung von Impfstoffen. Vor dem Hintergrund internationaler Konflikte mahnte der 68-Jährige die politischen Spitzen in aller Welt, sich ein Beispiel an "Solidarität und Frieden" unter den Athleten zu nehmen.

Diplomatischer Boykott überschattete die Spiele

Die Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Peking

Die Spiele waren überschattet von einem diplomatischen Boykott - angeführt von den USA, Kanada, Großbritannien und Australien, die keine politischen Vertreter zur Eröffnung und Schlussfeier schickten. Das Vorgehen wurde mit Menschenrechtsverstößen, der Unterdrückung der Opposition in Hongkong, der Verfolgung von Minderheiten und dem Säbelrasseln gegenüber Taiwan begründet. Auch Deutschland entsandte keine Vertreter, wollte aber nicht von einem Boykott sprechen.

Olympia 2022 - Internationales Fazit der ARD-Korrespondenten

Sportschau 20.02.2022 03:06 Min. Verfügbar bis 31.08.2022 Das Erste

Quelle: wp/dpa

Darstellung: