Olympia 2022 - Stark im Eiskanal, ausbaufähig in vielen Dingen

Sportschau 20.02.2022 04:29 Min. Verfügbar bis 31.08.2022 Das Erste

Olympia | Deutsches Team

"Team D": Weltspitze im Eiskanal - aber auch Sorgenfalten

Stand: 20.02.2022, 13:14 Uhr

Das vom DOSB ausgegebene Ziel, erneut zu den drei besten Wintersportnationen zu gehören, hat Team Deutschland in Peking erreicht. Doch es lohnt sich ein genauerer Blick auf die Bilanz der einzelnen Verbände. Nur zwei können wirklich zufrieden sein.

Von Wolfram Porr

Der Blick auf den Medaillenspiegel dieser Olympischen Winterspiele macht erstmal Spaß. Platz zwei hinter Norwegen, insgesamt zwölfmal Gold, dazu zehn Silber- und fünf Bronzemedaillen - der erste Eindruck ist: Die deutsche Bilanz kann sich sehen lassen. "Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt", findet auch Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig. Das Ziel, "in einen Korridor zwischen den Spielen in Sotschi 2014 und Pyeongchang 2018 einzulaufen" wurde erreicht.

Es lohnt sich aber auch ein zweiter Blick auf die sportliche Bilanz von "Team Deutschland". Denn lediglich zwei Verbände sorgten für Edelmetall - der Bob- und Schlittenverband BSD sowie der Deutsche Skiverband (DSV). Vor vier Jahren in Pyeongchang waren die Medaillen noch auf fünf Verbände verteilt. Snowboard, Eishockey und Eiskunstlaufen ging diesmal leer aus. Verbände wie die Deutsche Eislauf Union (DEU) haben den Anschluss an die Weltspitze völlig verpasst.

Einsame Weltspitze im Eiskanal

Die Goldmedaillengewinner Natalie Geisenberger (v.l.), Johannes Ludwig, Tobias Wendl und Tobias Arlt

Die Goldmedaillengewinner Natalie Geisenberger (v.l.), Johannes Ludwig, Tobias Wendl und Tobias Arlt

Besser geht's kaum: Von zehn möglichen Goldmedaillen im Eiskanal von Yanqing gewannen die deutschen Athleten sagenhafte neun. Lediglich den Monobob-Wettbewerb bei den Frauen entschied eine US-Amerikanerin für sich, ansonsten räumten die deutschen Rodler, Skeletoni und Bobpiloten alles ab, was da in Gold glänzte, im Zweierbob der Männer gab es sogar einen historischen Dreifach-Erfolg.

Gar nicht auszudenken, wie die Bilanz aussähe, hätten auch noch Rodel-Weltcupsiegerin Julia Taubitz und der dreimalige Olympiasieger Felix Loch performt. Doch als diese beiden Probleme hatten, waren andere zur Stelle: bei den Frauen Natalie Geisenberger, die nun die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin der Geschichte ist, und bei den Männern Johannes Ludwig.

DSV: Viel Pech, aber trotzdem elf Medaillen

Mehr als die Hälfte der deutschen Medaillen in Peking gehen damit auf das Konto des BSD. Die restlichen Podestplätze sammelte der Deutsche Skiverband ein. Drei Medaillen gab es für die Skispringer, je zwei für die Langläuferinnen, Biathletinnen und Nordische Kombinierer sowie eine für die Skicrosser und die Alpinen.

"Wir hatten als Zielvorgabe elf bis 15 Medaillen", sagte DSV-Präsident Franz Steinle. Punktlandung! Dank Silber im Teamevent kamen die Alpinen doch noch zu ihrer ersehnten Medaille - die elfte für den DSV. Ziel erreicht, dazu kamen ja noch einige vierte Plätze und die so nicht einkalkulierte Disqualifikation im Mixed-Team der Skispringer.

Skispringen: Althaus und Geiger erfüllen die Erwartungen

Die DSV-Adler erfüllten mit dreimal Edelmetall dennoch ihr Soll - Silbermedaillengewinnerin Katharina Althaus lag sogar auf Goldkurs, hatte dann aber Pech mit den Windbedingungen und einer Juryentscheidung.

Rocket Man, Tränen und grüne Hänge - die Bilder der Olympischen Spiele

Die Olympischen Winterspiele in Peking hatten einiges zu bieten: Sensationen, Drama, Emotionen - und dazu kam noch die Corona-Pandemie.

Dinigeer Yilamujiang (l) und Jiawen Zhao bei der Eröffnungsfeier

Der Auftritt der Uigurin Dinigeer Yilamujiang, die bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele gemeinsam mit dem nordischen Kombinierer Zhao Jiawen das olympische Feuer entzündete, sorgte weltweit für Diskussionen und Kritik, da China international Vorwürfen über eine Unterdrückung der muslimischen Minderheit ausgesetzt ist. Von "Symbolpolitik" war die Rede und davon, dass ein falsches Bild vom Leben der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang gezeichnet werde. Denn dort sind Menschenrechtlern zufolge Hunderttausende in Umerziehungslager gesteckt worden.

Der Auftritt der Uigurin Dinigeer Yilamujiang, die bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele gemeinsam mit dem nordischen Kombinierer Zhao Jiawen das olympische Feuer entzündete, sorgte weltweit für Diskussionen und Kritik, da China international Vorwürfen über eine Unterdrückung der muslimischen Minderheit ausgesetzt ist. Von "Symbolpolitik" war die Rede und davon, dass ein falsches Bild vom Leben der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang gezeichnet werde. Denn dort sind Menschenrechtlern zufolge Hunderttausende in Umerziehungslager gesteckt worden.

Der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger flog förmlich zur Goldmedaille von der Normalschanze. In atemberaubender Manier zündete er noch einmal den Turbo und passierte im Finish des abschließenden Laufs erst seinen lange führenden Teamkollegen Johannes Rydzek, dann auch den Rest der Konkurrenz und sicherte sich den Olympiasieg.

Er ist der "Raketenmann": Nathan Chen flog mit gleich fünf vierfachen Sprüngen zum Olympiasieg im Eiskunstlaufen. Und das zu den Klängen des "Rocket Man"-Evergreens von Elton John. Der erst 22-jährige US-Amerikaner profitierte bei seinem Triumph auch vom Absturz des japanischen Favoriten Yuzuru Hanyu.

Es waren nicht die Olympischen Spiele von Ski-Superstar Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin schied im Riesenslalom, Slalom und im Kombi-Slalom jeweils früh aus und zeigte dabei Schwächen, die bei ihr sonst nicht zu sehen sind. Shiffrin offenbarte in Peking auch Emotionen, konnte Frust und Enttäuschung nicht mehr unterdrücken. "Ich fühle mich wie eine Witzfigur. Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn ich einfach meine Karriere beenden würde", lautete ihr trauriges, ganz persönliches Olympiafazit.

Nach dem letzten Wettkampf seiner Fabelkarriere konnte Shaun White seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Snowboard-Superstar aus den USA weinte hemmungslos. "Vielen Dank, Snowboarding. Du warst die Liebe meines Lebens", sagte der 35-Jährige. "Ich wollte doch nicht weinen. Doch das ist einfach super emotional für mich." Es war ein Abgang ohne Medaille: White wurde im Halfpipe-Finale Vierter.

Curling war bei den Olympischen Spielen 2022 von Anfang bis Ende präsent. Ein heimlicher Star der Sportart: Matt Hamilton, sogenannter "Second" im Team von US-Skip John Shuster. Der 33-Jährige drehte mit seiner wallenden Mähne und seinem ausgefallenen Outfit ordentlich den SWAG auf.

Biathletin Denise Herrmann überraschte nach einer durchwachsenen Saison mit der Goldmedaille im Einzel über 15 Kilometer. Für sie war es nach Olympia-Bronze mit der Langlauf-Staffel 2014 nun die erste Einzelmedaille im Biathlon - das war zuvor noch keiner Deutschen gelungen. "Am Ende auch ganz oben zu stehen, ist natürlich einfach unglaublich. Es war das perfekte Rennen", sagte Herrmann, die Geschichte schrieb.

Dass Peking eigentlich kein Ort für Wintersport ist, war vor und nun auch während der Wettbewerbe Gegenstand der Kritik an den Olympischen Spielen. Weiße Pisten, aufwändig mit Schneekanonen präpariert, drumherum graue Landschaften - so sahen die Bilder aus China aus. In Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren die Winterspiele nicht medaillenverdächtig. Wind und Wetter wirbelten den Wettbewerbskalender zudem teilweise gehörig durcheinander.

Die Angst vor Corona war bei den Olympischen Winterspielen in Peking allgegenwärtig. Die Veranstalter taten alles, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Die Mitarbeiter waren angewiesen, alle und alles zu desinfizieren. Und das taten sie mit großem Eifer - in futuristisch aussehenden Ganzkörperanzügen.

Die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa war vielleicht das Gesicht der Spiele. Einen Tag nach der Entscheidung im Teamwettbewerb, in dem die 15-Jährige mit dem Team des Russischen Olympischen Komitees Gold gewonnen hatte, wurde ein positiver Dopingtest bei den russischen Meisterschaften im Dezember publik. Nach anschließendem tagelangem Wirbel verpasste Walijewa mit einer fehlerhaften Kür als Vierte eine Medaille im Einzel. Wie ein Häufchen Elend ging sie vom Eis, ihre Trainerin bestrafte sie zusätzlich mit einer kühlen und unempathischen Reaktion. Ob das Russische Olympische Komitee Gold behalten darf, entscheidet sich erst nach den Spielen, wenn abschließend im Dopingfall geurteilt wird.

Nach Walijewas Auftritt im Einzel konnte Katharina Witt im Sportschau-Studio die Tränen nicht zurückhalten. "Das ist eigentlich nicht zu ertragen", sagte die aufgelöste frühere Weltklasse-Eiskunstläuferin im Gespräch mit Moderatorin Jessy Wellmer. Doch Witt fand dann rasch die angemessen deutlichen Worte: "Das, was jetzt passiert ist, ist das Allerschlimmste. Sie ist daran zerbrochen. Sie ist ein 15-jähriges Kind, das man der Welt zum Fraß vorgeworfen hat."

Der Ausdruck "Quarantäne-Hotel" prägte die Spiele in Peking. Sportler wie Kombinierer Eric Frenzel und sein Teamkollege Terence Weber, aber auch Journalisten wie Sportschau-Moderator Claus Lufen mussten dort unfreiwillig Station machen. Während für die Sportler in der dortigen Isolation Trainieren fast unmöglich war, war für Lufen und Co. zumindest etwas Arbeit drin.

Vom Flughafen direkt ins Quarantäne-Hotel - lange Zeit war Olympia für Eric Frenzel eine Katastrophe. Elf Tage lang war der Nordische Kombinierer in seinem Zimmer gefangen. Schließlich konnte er sich freitesten und wurde für die abschließende Staffel nominiert. Doch auch hier ging es nicht ohne Drama. An Position drei laufend brach der Sachse ein und lag anschließend komplett entkräftet im Schnee. Er durfte sich bei Schlussläufer Vinzenz Geiger bedanken, dass es zu Silber reichte. Es war das Happy End einer absurden Geschichte.

Er war einer der Hingucker bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Peking: Nathan Crumpton aus Amerikanisch-Samoa. Der Skeleton-Fahrer präsentierte sich bei Eiseskälte halbnackt und eingeölt und sorgte somit für viele Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Die Bilder des Athleten gingen viral.

Es ist ein echtes Märchen: Im Dezember 2018 erhielt Max Parrot die Schockdiagnose Lymphdrüsenkrebs. Doch der kanadische Snowboarder überwand die Krankheit nach zwölf Chemotherapien. Etwas mehr als drei Jahre später sprang er in Peking zu Olympia-Gold im Slopestyle. "Ich lag in einem Krankenhaus, hatte keine Energie, keine Muskeln", sagte Parrot anschließend sichtlich bewegt: "Jetzt bei Olympia den besten Lauf meines Lebens hinzulegen und Gold zu gewinnen - das ist Wahnsinn."

Ob Rodeln , Bob oder Skeleton: Auf die deutschen Sportler und Sportlerinnen war im Eiskanal einmal mehr Verlass. In neun Rennen holten sie neun Siege und insgesamt 16 Medaillen. In den Medien war vom "Goldrausch im Eiskanal" die Rede. Nur im Monobob-Rennen der Frauen ging das Team Deutschland leer aus.

Katherine Sauerbrey, Katharina Hennig, Victoria Carl und Sofie Krehl holten Silber in einem denkwürdigen Staffel-Rennen über 4 x 5 Kilometer. Krehl rettete auf den letzten Metern im Skistadion von Zhangjiakou den zweiten Platz ins Ziel, danach gab es für die deutschen Läuferinnen kein Halten mehr. Der Rest waren Jubel und Tränen.

Katharina Hennig und Victoria Carl setzten wenige Tage später sogar noch einen drauf und holten völlig überraschend Gold im Teamsprint. Den Sieg sicherte Carl mit einem überragenden Schlusssprint, bei dem selbst Sportschau-Reporter Jens-Jörg Rieck um Worte rang. "Ja, hast denn du die Pfanne heiß", rief dieser ungläubig aus, als Gold feststand.

Das Warten schien kein Ende zu nehmen. Eine gefühlte Ewigkeit harrte Daniela Maier im Zielbereich des Genting Snow Parks aus - als knapp geschlagene Vierte im packenden Skicross-Finale. Sie umarmte ihre Konkurrentinnen und beglückwünschte sie als faire Verliererin zur Medaille. Doch die Jury entschied nach zehn Minuten: Olympia-Bronze für Maier! Es war die erste Skicross-Medaille überhaupt für Deutschland.

Eklat beim Eishockey: Aus Angst vor einer Corona-Infektion hatten sich die Rekord-Olympiasiegerinnen aus Kanada zunächst geweigert, gegen das Russische Olympische Komitee anzutreten, weil die Gegnerinnen keine negativen Corona-Testergebnisse vorgelegt hatten. Das Match ging erst los, als beide Mannschaften unter ihren Gittern Mund- und Nasenschutz angelegt hatten - der "Maskenball auf dem Eis" konnte beginnen.

Mit dem schwierigsten Sprung ihrer Ski-Freestyle-Karriere sicherte sich Eileen Gu Gold bei der Premiere des Big-Air-Wettbewerbs in Peking. Zudem holte die in San Francisco aufgewachsene 18-Jährige Gold in der Halfpipe und Silber im Slopestyle. Gu ist der neue Liebling im Land des Olympia-Gastgebers. Die Tochter eines Amerikaners und einer Mutter mit chinesischen Wurzeln startet seit 2019 für China und hat im Reich der Mitte beste Chancen, zu einem absoluten Superstar aufzusteigen.

Beim Mixed-Wettbewerb der Skispringer waren fünf Springerinnen wegen nicht regelkonformer Anzüge von den Kontrolleuren disqualifiziert worden. Darunter war auch die deutsche Starterin Katharina Althaus. Das deutsche Team verpasste somit die erhoffte Medaille. Der Weltverband sowie die Materialkontrolleure ernteten danach harsche Kritik, von einer "Farce" war die Rede.

Maskottchen Bing Dwen Dwen war der heimliche Star der Olympischen Spiele. Die knuffige Pandabärin auf Schlittschuhen war nachgefragter als viele Sportler. "Lieferprobleme wegen des Frühlingsfestes", hieß es in China vielerorts auf Nachfrage.

Nico Porteous staunte nicht schlecht. Während der Halfpipe-Olympiasieger im Zielraum des Genting Snow Parks die ersten Glückwünsche in Empfang nahm, standen die Mitglieder des neuseeländischen Teams ganz in Schwarz gekleidet schon in Formation: Bei minus 25 Grad führten sie ihm zu Ehren den legendären Haka auf.

Rodlerin Natalie Geisenberger gewann bei den Winterspielen in Peking Gold in Einzel und Team. Damit baute sie ihre olympische Bilanz auf sechs Gold- und eine Bronzemedaille aus. Somit löste die neunmalige Weltmeisterin die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein als erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin ab.

Bei den Männern lief es auf der Normalschanze erst gar nicht. Auf der Großschanze mogelte sich der im Weltcup führende Karl Geiger mit seinem zweiten Sprung noch auf den Bronzerang, und auch im Team reichte es knapp zu Platz drei.

Biathlon: "Die Frauen haben geliefert"

Vier Medaillen - je zwei Einzel- und zwei Staffelmedaillen - hatten sich die Biathleten vorgenommen. Denise Herrmann gewann überraschend im Einzel über die 15 Kilometer und darf sich nun auch Olympiasiegerin nennen. In der Staffel reichte es immerhin zu Bronze. "Die Frauen haben geliefert", konstatierte der Sportliche Leiter Biathlon, Bernd Eisenbichler.

Von den Männern hatte man dagegen mehr erhofft: "Wir sind ein Stück weit enttäuscht. Mir tut's aber vor allem für die Athleten leid. Sie hätten sich's verdient, haben hart gearbeitet", so Eisenbichler. Die Laufform stimmte. Was fehlte, war "immer dieser eine Schuss", relativiert er das Abschneiden der DSV-Jäger, die die schlechteste Bilanz seit Vancouver 2010 hinlegten. Speziell in der Staffel habe man "mehr als nur einen Finger an einer Medaille" gehabt, sagte Erik Lesser. Ein fataler Fehlschuss von Schlussläufer Philipp Nawrath spülte das Quartett aber doch noch auf den undankbaren vierten Platz.

Nordische Kombination: Medaillen trotz Coronapech

Besser lief es da für die Nordischen Kombinierer. Dabei fielen Eric Frenzel und Terence Weber wegen positiver Coronatests für den Einzelwettbewerb von der Normalschanze aus. Aber Vinzenz Geiger sprang mit einem unglaublichen Finish in der Loipe in die Bresche und holte Gold.

Keine Medaille gab es von der Großschanze, dafür reichte es in der Teamstaffel - übrigens wieder mit Eric Frenzel - zu Silber.

Langlauf: Gold-Sensation und Silber-Coup

Victoria Carl (r) und Katharina Hennig aus Deutschland feiern auf dem Podium

Victoria Carl (r) und Katharina Hennig aus Deutschland feiern auf dem Podium

Gold und Silber - das ist auch die Bilanz der deutschen Langläufer. Anders als bei den Kombinierern, war damit aber überhaupt nicht zu rechnen. Die Goldmedaille im Teamsprint, die sich Katharina Hennig und Victoria Carl holten, war bei den Spielen der Paukenschlag sondergleichen aus deutscher Sicht. "Sensationell", fand auch Steinle.

Stark auch die Silbermedaille, die Katherine Sauerbrey, Katharina Hennig, Victoria Carl und Sofie Krehl in der 4 x 5-km-Staffel holten. Die Langläufer um Bundestrainer Peter Schlickenrieder übertrafen damit alle Erwartungen in einer Sportart, die in den vergangenen Jahren vor allem die Skandinavier und Russen dominiert hatten.

Ski Alpin: Ohne Dreßen wär's fast nix gewesen

Für eine Bronzemedaille sorgte auch Skicrosserin Daniela Maier. Beim Alpin-Team sah es bis zum letzten Wettkampftag so aus, als würde es komplett leer ausgehen. Erst das Teamevent brachte Zählbares und die "Erlösung" bei Alpin-Direktor Wolfgang Maier. Lena Dürr verpasste um Haaresbreite eine Medaille im Slalom. Das Gleiche passierte Kira Weidle in der Abfahrt.

Die Männer waren weiter weg - am nächsten kam noch Linus Straßer mit Platz sieben im Slalom einer Medaille. In den Speed-Disziplinen gab es ohne den verletzten Thomas Dreßen nichts zu holen. Romed Baumann, Andreas Sander, Josef Ferstl und Dominik Schwaiger konnten diese Lücke nicht schließen. Maiers Analyse: "Wollen die deutschen Alpin-Asse wieder häufiger jubeln, müssen sie entweder "technisch noch besser werden (...) oder wir müssen – in Anführungszeichen - das Schwein im Rennfahrer noch besser ausprägen".

Auf dem Eis im Krisenmodus - Sorgen beim DEB und den Snowboardern

Während BSD und DSV also ablieferten, dürfte es in den Verbänden, die in Peking ohne Medaille blieben, zu dem einen oder anderen Krisengespräch kommen. So hatten sich die Snowboarder mit Ramona Hofmeister, Stefan Baumeister oder Martin Nörl wie auch der Deutsche Eishockey Bund (DEB) durchaus Medaillenchancen ausgerechnet. Das Ziel wurde aber mehr oder weniger deutlich verfehlt.

Die Aktiven der Deutschen Eislauf-Union (DEU) und der Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) blieben erstmals seit 16 Jahren ohne olympische Medaille. Egal ob im Eisschnelllauf, beim Shorttrack oder auch beim Eiskunstlauf: Die Weltspitze ist meilenweit entfernt. Wo es vor vier Jahren immerhin noch einmal Gold durch Aljona Savchenko/Bruno Massot im Paarlauf gab, erlebten die Athletinnen und Athleten in Peking ein - auch der Coronapandemie geschuldetes - Desaster.

Das Leistungsprinzip und die Folgen

 Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert enttäuscht nach ihrer Kür in Peking

Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert enttäuscht nach ihrer Kür in Peking

Folgen hat ein nicht so gutes Abschneiden immer auch für die Förderungen innerhalb des DOSB. Denn die Spitzensportförderung hat zwar ein "Potenzialanalysesystem" integriert, funktioniert aber im Wesentlichen nach dem Leistungsprinzip. Wer gute Leistungen zeigt, also olympische Medaillen gewinnt, der darf auf mehr Geld in der Zukunft hoffen. Wer das nicht schafft, muss möglicherweise mit weniger Mitteln auskommen.

So profitierte der BSD bereits von Förderungen, wie sie in anderen Ländern nicht gibt. Andere sehen nun ihre Felle davonschwimmen. Für die international nicht konkurrenzfähigen Eisschnellläufer und Shorttracker verheißt das nichts Gutes. Gleiches gilt für die Eiskunstläufer.

Freestyler werden abgehängt

Die Freestyler, die ohnehin schon (und zu Recht) fehlende Trainingsmöglichkeiten beklagen und bisher kaum mit attraktiven TV-Zeiten punkten können, müssen sich darauf einstellen, noch länger ein Schattendasein hinter den populäreren Premiumsportarten zu fristen und weiter abgehängt zu werden.

Das deutsche Eishockey könnte sich noch am ehesten vom verpassten Viertelfinale erholen. In dieser hierzulande populären und telegenen Sportart sind Sponsoren eher bereit, die fehlenden Förderung mit Geldspritzen auszugleichen.

Schimmelpfennig: "Werden genau hinsehen"

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird genau hinsehen und nach den Spielen analysieren, was auch im Hinblick auf die kommenden Spiele in vier Jahren notwendig ist. Für den Moment tröstet auch Dirk Schimmelpfennig noch der Blick auf den Medaillenspiegel.

Darstellung: