Olympia 2032 - übrig bleibt eine Riege an Düpierten

Der Kommentar

Angedachte Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032

Olympia 2032 - übrig bleibt eine Riege an Düpierten

Von Robert Kempe

Deutschland und seine Olympiabewerbungen, es bleibt eine kontinuierliche Tragödie. Mit der angedachten Bewerbung um die Olympischen Spiele 2032 kommt der vorläufig wohl deprimierendste Akt hinzu.

War es bei der letzten gescheiterten deutschen Bewerbung mit Hamburg für Olympia 2024 noch die Bundespolitik, die dafür verantwortlich gemacht wurde, dass die Bürgerinnen und Bürger der Bewerbung einen Riegel vorschoben, zeigen die verantwortlichen Akteure der Olympiadebatte von Rhein Ruhr 2032 nun gegenseitig mit dem Finger auf sich.

Fakt ist: Die Bewerbung war von Anfang an chancenlos. Die Kampagne um Brisbane und die Region Queensland war auf der internationalen sportpolitischen Bühne klarer Favorit. Und diese Bühne ist für die Möchtegern-Bewerber in NRW mindestens eine Nummer zu groß. Anders ist der derzeit laufende Zersetzungsprozess nicht zu deuten.

Gewinner kann man lange suchen

Gestritten wird nun in aller Öffentlichkeit, wer wann wusste oder hätte wissen müssen, dass das Internationale Olympische Komitee schon früher als ursprünglich angenommen in sogenannte "gezielte Verhandlungsgespräche" einsteigen könnte. Gewinner gibt es dabei nicht, übrig bleibt nur eine Riege an Düpierten.

Da ist zum einen Armin Laschet. Der Ministerpräsident von NRW und Bundesvorsitzende der CDU wirkte während der Kampagne oft wie ein sportpolitischer Träumer. Nicht nur, als er einen Tag vor der IOC-Entscheidung immer noch von einem baldigen deutschen Olympiabewerber erzählte. Der mögliche kommende Bundeskanzler wurde von Bach und Co. einfach überrumpelt und hält trotzig an der Idee Olympia in NRW fest.

Sie nannten ihn "Mikki"

Oder Michael Mronz, der in Sportverbänden und deutschen Medienhäusern gut verdrahtete Initiator der privatwirtschaftlichen Initiative Rhein Ruhr City 2032. Er wurde auf der Pressekonferenz des Deutschen Olympischen Sportbundes von Veronika Rücker, der DOSB-Vorstandsvorsitzenden, aber auch von Journalisten gerne kumpelig "Mikki" genannt - zumindest national kennt man sich in der Branche.

Dort sind anscheinend aber auch die Grenzen: International muss sich der hochgepriesene Manager nun nachsagen lassen, das Dechiffrieren olympischer Botschaften nicht zu beherrschen. Diese Fähigkeit beschrieb DOSB-Präsident Alfons Hörmann mit den Worten, es werde "vieles zwischen den Zeilen vermittelt, vieles so erklärt oder erläutert, dass man sehr genau hinhören muss und dass man Botschaften dann entsprechend sensibel aufnehmen und entsprechend weitergeben muss."

Das Scheitern hat Tradition

Wobei man sich fragt, woher Hörmann diese Gabe besitzt. Der Dachverband findet international kaum statt. Bei wichtigen Veranstaltungen wie IOC-Sessionen ist Präsident Hörmann selten anwesend. Bei aller Schuldzuweisung sind Olympiabewerbungen in allererster Linie Aufgabe des Dachverbandes. Und an dieser Aufgabe scheitert eben dieser Dachverband seit nunmehr vier Jahrzehnten.

DOSB-Präsident Hörmann sieht keine Fehler bei Rhein-Ruhr-Bewerbung

Sportschau 01.03.2021 01:26 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 ARD Von Marcus Tepper


Stand: 01.03.2021, 20:00

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