Olympia | Eiskunstlauf Wie gnadenlos Russland mit seinen Eiskunstläuferinnen umgeht

Stand: 13.02.2022 17:57 Uhr

Der Fall um die 15-jährige Eiskunstläuferin Walijewa ist kein Einzelfall, sagt Sportschau-Experte Daniel Weiss. Russland tue alles für Erfolge - in der Regel zu Lasten der jungen Läuferinnen.

Der Fall Walijewa sei schockierend, berichtet Weiss in der Sportschau. "Natürlich beschäftigt das die gesamte Eiskunstlauf-Szene". Dabei habe der Fall System: Die wenigen Dopingfälle der vergangenen Jahre seien allesamt aus Russland gekommen.

Was ihn wundere: "Walijewa ist Musikalität, Emotionalität, fantastische Pirouetten, tolle Kanten, Vierfach-Sprünge, Technik - man kann sie nicht zu einem Olympiasieg dopen." Und dennoch werde in Russland jedes Quäntchen genutzt, um alles möglich zu machen. "Für mich ist Walijewa hier ganz klar das Opfer."

Kamila Walijewa mit Trainerin Eteri Tutberidze

Kamila Walijewa mit Trainerin Eteri Tutberidze

"Mädchen werden fallen gelassen"

Zumal die Vergangenheit zeige, dass nach solchen Fällen die Mädchen einfach fallen gelassen würden. "Wenn sie jetzt gesperrt wird, spricht in sechs Monaten kein Mensch mehr über sie. Es gibt frühere Olympiasiegerinnen, deren Namen wir alle schon vergessen haben - und die jetzt unter Bulimie leiden, Alkoholprobleme haben oder magersüchtig sind." Aber das nächste Wunderkind stehe ja schon parat.

Weiss hofft, dass das Trainerteam um Eteri Tutberidze ganz genau beobachtet werde. "In Russland wird getan, als sei sie der große Trainerstar." Ein Informant in Moskau habe ihm jedoch berichtet, dass ihr die Sportler völlig egal seien."

ARD-Reporter fordert höhere Altersgrenze

Um die Situation zu verbessern, plädiert Weiss dafür, das Mindestalter der Läuferinnen von 15 auf 18 zu erhöhen. "Dann ensteht auch wieder eine Wettkampf-Gleichheit. Denn wenn die Körper vollständig ausgebildet sind, sind auch solche irrsinnigen Drehungen und Sprünge nicht mehr möglich. Das ist fairer und gesünder."