Olympia | Peking Kommentar zum Fall Walijewa - "Richtige Entscheidung"

Stand: 14.02.2022 11:07 Uhr

Im Dopingfall der russischen Eiskunstläuferin Kamila Walijewa hat der Sportgerichtshof CAS entschieden, dass die 15-Jährige im Einzel bei Olympia starten darf - ein Kommentar von Hajo Seppelt.

Von Hajo Seppelt

Man kann es nicht häufig genug betonen: Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat am Montag nicht über Schuld oder Unschuld von Kamila Walijewa befunden. Ebenso war es nicht seine Aufgabe, ihr mehr als fragwürdiges Umfeld zu bewerten.

Zu wenig Zeit für eine angemessene Antwort

Bei der Entscheidung ging es einzig darum zu prüfen, ob die Aufhebung der provisorischen Sperre der 15 Jahre alten Eiskunstläuferin durch die nationale Anti-Doping-Agentur RUSADA rechtens gewesen ist. Und diese Entscheidung zu stützen und damit Walijewa das Startrecht für die Einzel-Konkurrenz am Dienstag zu erteilen, war unter den gegebenen Umständen die einzig richtige.

Sportschau-Reporter Hajo Seppelt und Daniel Weiss sprechen über die Entscheidung bezüglich des Dopingverdachts der jungen Kamila Walijewa und wie es zu einer solchen Situation kommen konnte.

Einerseits konnte in der Kürze der Zeit die Schuldfrage gar nicht angemessen beantwortet werden. Die absurd langen sechs Wochen, die bis zur Bekanntgabe des positiven Ergebnisses einen Tag nach dem Sieg von Walijewa und Co. im Team-Wettkampf ins Land gestrichen sind, nahmen den Anwälten der jungen Russin jegliche Chance auf eine angemessene Verteidigung. Und mit ziemlicher Sicherheit ist noch nicht mal die B-Probe geöffnet.

Verpflichtungen in schwierigem Fall

Der Gold-Favoritin Walijewa angesichts dieses Status quo einen Start auf der größten Bühne zu verweigern, wertete das Gericht völlig zu Recht als unverhältnismäßig. Man stelle sich nur vor, Walijewa wäre gesperrt worden und würde in dem nun anstehenden Verfahren des Eislauf-Weltverbandes ISU entlastet werden - ihrer so hoffnungsvollen Karriere wäre in der Tat irreparabler Schaden zugefügt worden, und das zu erwartende übliche Wehklagen auf russischer Seite wäre ausnahmsweise mal gerechtfertigt.

Aus diesem schwierigen, immens vielschichtigen Fall entspringen nun für alle direkt und indirekt Beteiligten auf allen Ebenen Verpflichtungen.

1. Nie wieder darf es passieren, dass eine verschleppte Analyse - schon gar nicht die in einem derart brisanten Fall - die Integrität gleich mehrerer Wettbewerbe (neben Olympia ist auch die EM betroffen) gefährdet und ein derartiges Chaos anrichtet.

2. Vor allem die Strukturen hinter Walijewa müssen offengelegt werden, um die entscheidende Frage mit Gewissheit beantworten zu können: Wie viel Schuld trägt Walijewa, und wie viel Schuld trägt ihre Entourage?

3. Alle Institutionen des Sports sollten diesen Fall zum Anlass nehmen, sich ernsthaft die Frage zu stellen, wie die verwundbarsten Mitglieder ihrer Familie, minderjährige Athletinnen und Athleten, besser geschützt werden können.

Russischer Sport zum Teil hässlicher denn je

Dies betrifft natürlich auch und vor allem das Internationale Olympische Komitee, den Dachverband des Weltsports mit seinem allmächtigen Präsidenten Thomas Bach. Dem Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim wird durch den Fall Walijewa erneut vor Augen geführt, wie kolossal er mit seiner viel zu nachlässigen Appeasement-Politik gegenüber Russland gescheitert ist.

Denn Fakt ist: Acht Jahre nach dem Staatsdopingskandal von Sotschi präsentiert sich der russische Sport zumindest in einem Teilbereich hässlicher denn je. Als einer, der junge Mädchen dopt und wie Wegwerfware behandelt.