Olympia | Eiskunstlauf Katarina Witt in Tränen aufgelöst: "Walijewa zum Fraß vorgeworfen"

Stand: 17.02.2022 15:50 Uhr

Der Druck war zu groß: Die erst 15-jährige Kamila Walijewa verpatzte ihre Kür. Katarina Witt reagierte emotional stark ergriffen und fand weinend scharfe Worte.

Nach dem tagelangen Wirbel um ihr Dopingvergehen hat die Eiskunstläuferin Kamila Walijewa vom Russischen Olympischen Komitee (ROC) im olympischen Damen-Einzel Platz vier belegt. Die erst 15-Jährige konnte dem übermenschlichen Druck nicht Stand halten. "Wenn ich Vater gewesen wäre, hätte sich sie schon längst nach Hause geholt. Mir tut sie menschlich einfach leid", sagte Sportschau-Kommentator Daniel Weiss nach dem verpatzten Auftritt des hochgehandelten Wunderkinds.

"Sie konnte nicht gewinnen"

Die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt war nach dem Drama um die Europameisterin völlig aufgelöst und weinte: "Das ist nicht zu ertragen. Es ist genau das eingetreten, vor dem man sie hätte schützen müssen. Sie ist 15, sie ist Kind", sagte die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin unter Tränen in der Sportschau. Und sie fand drastische Worte: "Man hat sie der Welt zum Fraß vorgeworfen. Sie konnte bei dem Spiel nicht gewinnen."

Eiskunstlauf: die Kür von Kamila Walijewa

Sportschau, 17.02.2022 10:00 Uhr

Witt erneuerte ihre Forderung nach einer Altersgrenze: "Jetzt ist genau der Zeitpunkt zu überlegen, ob es nicht eine Altersgrenze geben muss. Denn es ist verantwortungslos, was hier mit dem Talent gemacht wird. Ich habe fast die Angst, dass sie das nicht schafft - und die nächste 14-jährige Läuferin schon da ist."

Olympiasiegerinnen von 2014 und 2018 "verschwunden"

Witt liegt das Thema Altersgrenze sehr am Herzen: Die letzten Olympiasiegerinnen im Eiskunstlauf Adelina Sotnikowa 2014 in Sotschi und Alina Sagitowa 2018 in Pyeongchang waren bei ihren Erfolgen noch keine 18 Jahre alt.

Witt freute sich damals über ihre Siege und hoffte ihre Weiterentwicklung weiter beobachten zu können - doch beide nahmen nicht mehr an Olympia teil. "Die Läuferinnen sind verschwunden. Ich hatte mir gewünscht, dass ich sie in Wettkämpfen weiter verfolgen kann. Was ist der Grund, dass wir wollen, dass 15-, 16-jährige Mädchen den Höhepunkt ihrer Karriere erreichen? Kann man das nicht nach hinten verschieben?"

Die athletische Kraft der jungen Mädchen ist enorm - ihnen gelingen Sprünge, die vor 30 Jahren noch unvorstellbar waren. Am liebsten hätte der russiche Verband die erst 14 Jahre alte Adelja Petrosjan nominiert, die angeblich zwei vierfache Rittberger hintereinander springen kann. Wozu nicht einmal Walijewa in der Lage ist.