Politik und Sportbünde erhöhen den Druck auf DOSB-Präsident Hörmann

DOSB-Präsident Alfons Hörmann

Nach anonymem Schreiben

Politik und Sportbünde erhöhen den Druck auf DOSB-Präsident Hörmann

Von Bianka Schreiber-Rietig und Robert Kempe

Der Landessportbund (LSB) Nordrhein-Westfalen und sein Präsident Stefan Klett erhöhen den Druck auf den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dessen Präsidenten Alfons Hörmann. Auch andere Landessportbünde und die Politik üben Kritik.

Gegenüber der Sportschau hatte Klett am Donnerstag den Rücktritt von Hörmann gefordert, nachdem in einer anonymen Mail schwere Vorwürfe in Bezug auf Umgangsstil und Personalführung des DOSB-Präsidenten erhoben worden waren.

DOSB-Präsidium und -Vorstand hatten daraufhin Hörmann komplett den Rücken gestärkt. Der Vorstand wies die Kritik "in aller Klarheit" zurück. Auch das Präsidium sprach dem DOSB-Präsidenten "das uneingeschränkte Vertrauen" und "vollumfängliche Unterstützung aus". Präsidium wie Vorstand wollen die Kritikpunkte umfassend prüfen.

LSB NRW wusste "seit Wochen" von Vorwürfen    

Auf der Präsidiumssitzung des LSB Nordrhein-Westfalen am Freitag (07.05.2021) war der Vorgang ebenfalls Thema. Auf Nachfrage erklärte der LSB gegenüber der Sportschau mit Blick auf die in dem anonymen Schreibern erhobenen Vorwürfe, "schon vor Wochen" hätten "Mitarbeitende des DOSB uns gegenüber über Vorgänge berichtet, die sich vollständig und teilweise wortgleich mit dem decken, was gestern im Rahmen eines anonym veröffentlichten offenen Briefes an Vorwürfen gegenüber Herrn Hörmann bekannt geworden ist. Darüber hinaus wurden uns die Vorgänge auch nach Erscheinen des Briefes von Mitarbeitenden des DOSB bestätigt. Wir appellieren an die betroffenen Mitarbeitenden, sich an eine neutrale Beschwerdestelle zu wenden".

"Teamplayer statt Autokratie" - Klett fordert Hörmann zum Rücktritt auf Sport im Westen 07.05.2021 00:53 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 WDR

Hinweise, die in der DOSB-Zentrale bei der angekündigten umfassenden Prüfung eine interessante Rolle spielen könnten.

Auch LSB Hessen und Berlin sehen den Fall kritisch

Nicht klar ist aber, wer denn nun die Anschuldigungen überprüfen soll: das Präsidium selbst, die Ethikkommission des DOSB oder externe Personen. Aus den Landessportbünden jedenfalls, die am Samstag tagen, wächst nach dem Vorpreschen von Nordrhein-Westfalen die Kritik an Hörmann. Der Präsident des LSB Hessen, Rolf Müller, fordert gegenüber der Sportschau eine schnelle Überprüfung der Vorwürfe.

"Wenn das Schreiben echt ist, dann muss da schon einiger Druck im Kessel sein und einiges schief laufen, wenn man dann den Weg wählt, anonym seine Probleme darzulegen. Unter den hausgemachten Problemfeldern leidet das Ansehen des Sports. Wenn man sieht, wie man etwa im DFB und auch im DOSB miteinander umgeht, das entspricht nicht den Werten des Sports, die wir vertreten. Wenn sich das alles bewahrheitet, was in dem Schreiben steht, dann muss man auch über personelle Konsequenzen reden."

Vorwürfe kursieren offenbar schon länger

Auch der Berliner Landessportbundpräsident Thomas Härtel stimmt Müller in der Analyse zu: "Es muss doch möglich sein, in einem Verband Probleme im Gespräch miteinander zu klären. Wir dürfen nicht nur über gegenseitigen Respekt und Miteinander reden und es von anderen einfordern, wir müssen das auch – auch als Präsidenten - vorleben."

Die Vorwürfe, die in der Mail erhoben wurden und nun durch den LSB NRW untermauert werden, kursieren im deutschen Sport als Gerüchte schon seit längerer Zeit. Öffentlich wurden sie bislang nicht gemacht. Das DOSB-Präsidium zeigte sich jetzt insgesamt darüber "verwundert", denn: "Wir verfolgen gemeinsam das klare Ziel eines wertebasierten Handelns und sehen als einen wichtigen Bestandteil die jederzeit offene Bereitschaft zur Kommunikation", heißt es in einer Stellungnahme. "Daher sind wir über die anonym erhobenen Vorwürfe zur aktuellen Führungssituation im DOSB und insbesondere gegen unseren Präsidenten Hörmann verwundert und lehnen diesen Stil der Kommunikation und den eingeschlagenen Weg über die Medien ab. Ungeachtet dessen werden wir die angeführten Kritikpunkte umfassend prüfen."

Sportpolitik mit Interesse Beobachter

Auch das sportpolitische Berlin beobachtet mit Interesse, was sich in der Frankfurter DOSB-Zentrale abspielt. Monika Lazar, Sprecherin für Sportpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, sagt: "Es sind schwerwiegende Vorwürfe, die gegen DOSB-Präsident Hörmann in dem anonymen Schreiben erhoben werden. Sollten sie sich bewahrheiten, sind Konsequenzen im Dachverband des deutschen Sports, der für sich in Anspruch nimmt, Werte wie Fairplay und Respekt zu leben und zu transportieren, sicher unausweichlich. Die Ethik-Kommission muss sich nun mit den Vorwürfen befassen."

Dass Spitzensportverbände ausgerechnet jetzt nur negative Schlagzeilen produzieren, ärgert die Grünen-Politkerin. "Die Spitzenverbände DOSB und DFB geben aktuell ein miserables Bild nach außen ab. Während der Breitensport seit Monaten fast komplett still liegt und immer noch nicht klar ist, wie Sportgroßveranstaltungen wie die Paralympischen Spiele und Olympischen Spiele oder die Fußball-EM der Männer verantwortlich und pandemiesicher umgesetzt werden können, kreisen Teile der Führungsetage des deutschen Sports um sich selbst. Das ist angesichts der Herausforderungen für den Sport unwürdig. Sämtliche im Raum stehenden Vorwürfe müssen unverzüglich aufgeklärt und die sich daraus ergebenden personellen und strukturellen Konsequenzen zeitnah umgesetzt werden."

Auch der sportpolitische Sprecher der SPD, Mahmut Özdemir, wird deutlich. "Ich sehe erheblichen Aufklärungs- und Reformbedarf beim DOSB. Wenn ich jetzt noch vernehme, dass der Landessportbund NRW mit rund fünf Millionen Mitgliedern auch offen den Rücktritt von Alfons Hörmann fordert, dann sehe ich, dass der taumelnde Scheinriese DOSB unter Führung von Hörmann schon längst ein gefallener Riese ist, wie uns auch die Bewerbung um die Olympischen Spiele Rhein-Ruhr City 2032 verdeutlicht hat. Das zeigt leider auch, dass Deutschland nicht nur international olympisch isoliert ist, sondern auch der DOSB gegenüber den Landessportbünden isoliert scheint. Wir brauchen dringend einen neuen Zusammenhalt, Aufklärung und vor allem echte Transparenz statt Gutachten von großen Wirtschaftsprüfern. Der DOSB und der Sport jedenfalls dürfen unter dieser Personalie nicht leiden."

Stand: 07.05.2021, 19:57

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