Olympia | Biathlon Biathlon: Emotionale Franziska Preuß stellt sogar die Sinnfrage

Stand: 11.02.2022 16:48 Uhr

Franziska Preuß war so glücklich, doch noch nach Peking fliegen zu können, doch nach zwei Rennen ist die Enttäuschung bei der 27-Jährigen nicht zu überhören. Nach dem Sprint wirkte sie resigniert und stellte sogar die Sinnfrage.

Von Sanny Stephan

Der Olympiastart von Franziska Preuß stand in den Sternen. Erst wenige Tage vor dem Abflug des deutschen Biathlon-Teams am 31. Januar hatte es grünes Licht gegeben.

Preuß saß im Flieger nach Peking. Glücklich, gelöst. Doch die Freude ist nach zwei Rennen bei den Olympischen Spielen verflogen. Nach Platz 25 im Einzel und dem 30. Rang im Sprint wirkte die 27-Jährige sehr geknickt.

Preuß: Lockerheit und Spaß sind weg

"Auf der Strecke geht jeder Meter schwer, und das Stehendschießen haut überhaupt nicht hin", ärgerte sich Preuß. Im Einzel hatte sie stehend vier Scheiben verfehlt, auch ihre beiden Fehler im Sprint hatte sie im Stehendanschlag fabriziert.

Sie wirkte ratlos, traurig und ein wenig desillusioniert. "Die Lockerheit und der Spaß sind weg. Mich nervt es gerade richtig, weil ich nicht der Biathlet sein kann, der ich bin. Ich sehe gerade keinen Sinn mehr, da noch weiterzumachen", schildert die zu Saisonbeginn stärkste DSV-Skijägerin ihre Gefühlslage offen und ehrlich.

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Sie mache sich zu viel Druck, sei zu verkopft und wisse eigentlich gar nicht, was sie noch probieren solle. "Man hat die Schnauze irgendwie ganz schön voll", wird Preuß deutlich.

Preuß und Olympia - das passt (noch) nicht

Die Enttäuschung zeigt, mit welcher Erwartungshaltung die ehrgeizige Bayerin zu ihren dritten Olympischen Spielen geflogen war. Ein bisschen ist das nachvollziehbar. Mit Olympia hat die Ruhpoldingerin noch eine Rechnung offen. Eine Medaille beim größten Event für einen Sportler fehlt ihr noch.

Statt Jubel gab es bei ihren bisherigen Teilnahmen nur Frust und Ärger. Ihr Debüt 2014 in Sotschi ging völlig daneben. Im Einzel wurde sie nach fünf Schießfehlern aus dem Rennen genommen, im Sprint (41) und der Verfolgung (40) lief ebenfalls fast alles schief.

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Auch in Pyeongchang 2018 wollte es nicht klappen. Im Einzel verpasste sie als Vierte Edelmetall hauchdünn. In der Staffel (8. Platz) stürzte sie als Startläuferin. Bei ihren dritten Spielen sollte alles besser werden. Zumal Preuß vergangene Saison als Dritte im Gesamtweltcupp für Furore gesorgt hatte.

Sie stellte schon immer hohe Ansprüche an sich selbst. Daran änderte auch die katastrophale Vorbereitung auf Olympia nichts. Nach einem guten Start in den Winter verletzte sie sich bei einem Treppensturz Mitte Dezember. Auf dem Weg zurück bremste sie nach Weihnachten auch eine Corona-Erkrankung aus.

Kaltstart bei Olympia

Die Trainer hofften Woche für Woche vergebens auf einen Auftritt im Weltcup vor Olympia. Der Fitnesszustand ließ diesen nicht zu. So war es im eisigen Zhangjiakou ein Kaltstart für Preuß. Einer, der Wirkung zeigt.

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Die lange Pause ohne Wettkämpfe und mit nur eingeschränktem Training habe ihr sehr zugesetzt: "Ich laufe lieber jedes Wochenende drei Rennen, das ist nicht so anstrengend", sagt die siebenfache WM-Medaillengewinnerin.

In der Verfolgung wird nach dem 30. Platz im Sprint nicht mehr viel gehen. Doch in der Staffel braucht die deutsche Mannschaft eine mental stabile Preuß. Ob das klappt, werden die nächsten Tage zeigen.