Deutsche Skispringer als Wundertüte zur WM

Markus Eisenbichler und Karl Geiger nach der Siegerehrung

Nordische Ski-WM

Deutsche Skispringer als Wundertüte zur WM

Von Sanny Stephan

An guten Tagen Weltspitze, an schlechten Durchschnitt. Die deutschen Skispringer sind in dieser Saison nur schwer ausrechenbar. Auch die DSV-Skispringerinnen lassen vor dem WM Raum für Spekulationen.

Vor zwei Jahren war die Welt der deutschen Skispringer rosarot. Bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld 2019 flogen die DSV-Adler auf einer Erfolgswelle und räumten grandios ab. Die Konkurrenz konnte nur staunen: In sechs Wettbewerben gab es vier Mal Gold für Deutschland.


Herausragender Springer war Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler, der zuvor noch kein Weltcup-Springen gewonnen hatte und plötzlich in die Fußstapfen von Martin Schmitt trat. Der Schwarzwälder war 2001 als bislang letzter deutscher Springer Weltmeister sowohl im Einzel als auch mit dem Team geworden.

Traumstart in die Saison

Der Ur-Bayer hat sich seitdem in der Weltspitze festgebissen und weckte mit seinen beiden Siegen zum Auftakt in diese Saison Begehrlichkeiten. "Eisei" - der Überflieger, dem einfach alles gelang. Bis zur Vierschanzentournee.

Dort konnte er die Erwartungen nicht vollends erfüllen, sprang bei den ersten drei Stationen gut, aber eben nicht sehr gut und kämpft seither um seine Lockerheit. Mal gelingt das besser, mal schlechter. In den letzten drei Springen vor der WM landete Eisenbichler nicht in den Top Ten.

Eisenbichler und Geiger fehlt Konstanz

Der 29-Jährige ist in dieser Saison nicht konstant genug - und hat dies gemein mit Karl Geiger, der schon Siege feierte, aber auch Ausrutscher dabei hatte. Das "fliegende Doppelzimmer" ist bei der WM auf jeden Fall in der Lage, um Medaillen mitzukämpfen, Topfavorit ist aber der Norweger Halvor Egner Granerud, der den Gesamtweltcup souverän anführt und in Oberstdorf der Gejagte ist.

Die größten Goldchancen haben die Deutschen im Team. In allen drei Wettbewerben (2 x Einzel, 1 x Mixed) gehen die DSV-Springer als Titelverteidiger über den Bakken. Seefeld war in dieser Beziehung ein Skisprung-Märchen, der damalige Bundestrainer Werner Schuster jubelte über "grandiose Flugshows" seiner "fantastischen Vier".

Noch kein Saisonsieg mit der Mannschaft

Doch gerade diese mannschaftliche Stärke ist flöten gegangen. In dieser Saison hatten immer andere die Nase vorn, im Team ist Deutschland noch sieglos. Obwohl es bisher noch nicht optimal lief, gibt sich Bundestrainer Stefan Horngacher vor seiner ersten WM als deutscher Bundestrainer optimistisch: "Realistisch können wir in jedem Wettbewerb um die Medaillen mitspringen. Aber eine WM oder Olympische Spiele sind nicht berechenbar", sagte der Österreicher in einem Interview des "Münchner Merkur" und der "tz".

"Schanzen in Oberstdorf liegen uns"

Als Ziel nannte er "ein bis zwei Medaillen". Das Gewicht liege auf Eisenbichler und Geiger. Aber auch Pius Paschke traue er einiges zu. "Die Schanzen in Oberstdorf liegen uns. Karl hat dort bei der Tournee gewonnen. Und gerade Markus springt dort sehr gut", betonte der Bundestrainer, gab aber zu: "Ansonsten wird vom Heimvorteil nicht viel bleiben."

Das deutsche Skisprung-Team bei der WM
FrauenKatharina Althaus (Oberstdorf), Juliane Seyfarth (Ruhla), Carina Vogt (Degenfeld), Anna Rupprecht (Degenfeld), Luisa Görlich (WSV 08 Lauscha)
MännerMarkus Eisenbichler (Siegsdorf), Pius Paschke (Kiefersfelden), Martin Hamann (Aue), Severin Freund (Rastbüchl), Constantin Schmid (Oberaudorf)
Auf der Großschanze dürfen fünf deutsche Springer starten, da Eisenbichler als Weltmeister einen zusätzlichen Startplatz errungen hat.

DSV-Frauen: Vogts WM-Traum wird wahr

Für die deutschen Skispringerinnen ist es bisher eine schwierige Saison. In den bisher nur 13 Weltcupspringen gelang nicht eine Podestplatz-Platzierung. Abschreiben darf man die Skispringerinnen aber keinesfalls. Bei Großereignissen war auf Carina Vogt und Co. fast immer Verlass.

Der WM-Start von Carina Vogt ist noch offen.

Nominiert für die WM: Carina Vogt

Vogt ist die Skisprung-Frau der großen Titel. Wenn bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften Gold vergeben wird, steht sie regelmäßig oben. Sie ging als erste Olympiasiegerin im Skispringen (2014) in die Geschichte ein, feierte dazu fünf Weltmeistertitel (2015 bis 2019). Zuletzt war die 29-Jährigen aber immer wieder vom Verletzungspech zurückgeworfen worden.

Nach einem im Sommer 2019 erlittenen Kreuzbandriss kehrte sie erst Ende Januar in den Weltcup-Zirkus zurück. Von der Spitze ist Vogt logischerweise noch ein ganzes Stück entfernt, ihr Ziel war immer eine Teilnahme bei der Heim-WM. Das hat sie geschafft. Das "Sahnehäubchen" Medaille wären Traum und Lohn für harte Arbeit zugleich.

Hoffnungen ruhen auf Althaus

Dabei haben die Skispringerinnen erstmals vier Chancen auf Gold. Neu im Programm ist das Springen von der Großschanze. Aus deutscher Sicht ruhen die größten Hoffnungen auf der Olympia-Zweite Katharina Althaus, die aus Oberstdorf kommt und mit dem Heimbonus, wenn auch ohne Fans, einen draufsetzen kann. Die beste Chance auf eine Medaille wartet aber im Team.

Der WM-Zeitplan im Skispringen
Datum und UhrzeitDisziplinÜbertragungTickerWeltmeister
24.02.Eröffnungsfeier
25.02., 17.00 UhrEinzel Frauen NormalschanzeSportschauLivetickerMaren Lindby (Norwegen)
26.02., 17.15 UhrTeam FrauenSportschauLivetickerDeutschland (Seyfarth, Straub, Vogt, Althaus)
27.02., 16.30 UhrEinzel Männer NormalschanzeSportschauLivetickerDawid Kubacki (Polen)
28.02., 17.00 UhrMixed Team NormalschanzeSportschauLivetickerDeutschland (Althaus, Eisenbichler, Seyfarth, Geiger)
03.03., 17.15 UhrEinzel Frauen GroßschanzeZDFLiveticker-
05.03., 17.00 UhrEinzel Männer GroßschanzeZDFLivetickerMarkus Eisenbichler
06.03., 17.00 UhrTeam Männer GroßschanzeZDFLivetickerDeutschland (Geiger, Freitag, Leyhe, Eisenbichler)

Skispringer Martin Hamann will hoch hinaus Mittagsmagazin 23.02.2021 02:42 Min. Verfügbar bis 23.02.2022 Das Erste Von Florian Weichert

Stand: 22.02.2021, 14:00

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