Das Bundesinnenministerium hat eine Kommission eingesetzt, die das Attentat auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Spiele 1972 in München aufarbeiten soll.

Sportpolitik Olympia-Attentat 1972: Aufarbeitungs-Kommission eingesetzt

Stand: 21.04.2023 18:26 Uhr

Das Bundesinnenministerium hat eine Kommission eingesetzt, die das Attentat auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Spiele 1972 in München aufarbeiten soll.

Acht Experten aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten sollen die Ereignisse sowie die Vor- und Nachgeschichte von damals wissenschaftlich darstellen und bewerten, wie das Ministerium am Freitag in Berlin mitteilte. Das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin unterstütze die Arbeit des Gremiums. Beschlossen wurde die Kommission schon im vergangenen Herbst zum 50. Jahrestag des Attentats.

Zentralrat der Juden begrüßt neue Kommission

"Es fehlte viel zu lange an Aufklärung, Aufarbeitung, Transparenz und der Übernahme von Verantwortung", sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) laut der Mitteilung. "Das Attentat hat tiefe Wunden hinterlassen. Es ist beschämend, dass quälende Fragen viel zu lange offengeblieben sind", so Faeser.

Ihr sei es besonders wichtig, dass auch der Umgang mit den Angehörigen nach dem Attentat und Fragen der Erinnerungskultur beleuchtet werden. "Die Aufarbeitung wird hoffentlich zu historischer Gerechtigkeit beitragen", erklärte Ankie Spitzer. Sie ist die Witwe des bei dem Attentat getöteten israelischen Fechttrainers André Spitzer.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die neue Kommission. Zentralratspräsident Josef Schuster nannte die Einsetzung einen elementaren und längst überfälligen Schritt zur Aufarbeitung. "Das Geschehen war von einem umfassenden und erschütterndem Staatsversagen begleitet."

Elf getötete Israelis

Am 5. September 1972 drangen palästinensische Terroristen in die Unterkunft der Sportler im olympischen Dorf ein, erschossen zwei Männer und nahmen neun Geiseln. Rund 18 Stunden später endete ein Befreiungsversuch auf dem Flugplatz in Fürstenfeldbruck mit einem Blutbad. Alle neun israelischen Geiseln, ein Polizist und fünf Attentäter starben. Die Terroristen wollten mehr als 200 Gefangene in Israel und die RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freipressen.

Im August vergangenen Jahres hatte sich Deutschland mit den Hinterbliebenen auf Entschädigungszahlungen geeinigt. Gezahlt werden sollten 28 Millionen Euro.