Stephan Mayer (CSU)

Sportpolitik | DOSB DOSB: Mayers nächster Ämter-Salto

Stand: 14.12.2021 14:36 Uhr

Neue Turbulenzen für den DOSB: Der zum Vizepräsidenten gewählte Stephan Mayer hat sich zum Sprecher der CDU/CSU im Sportausschuss des Bundestags wählen lassen. Im Dachverband reagieren einige empört.

Von Bianka Schreiber-Rietig

Neuer Überraschungs-Coup des ehemaligen parlamentarischen-Staatssekretärs im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer: Der CSU-Politiker wurde am Dienstag (14.12.2021) von der Unions-Fraktion zu deren Sprecher im Sportausschuss des Deutschen Bundestages gewählt. Große Verwunderung, aber auch Verärgerung löste diese Wahl vor allem im Sport aus, hatte sich Mayer doch auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 4. Dezember in Weimar gerade erst zum Vizepräsidenten des Sport-Dachverbandes wählen lassen.

Kandidatur als DOSB-Präsident zurückgezogen

Ins Amt kam er allerdings da schon nur unter Vorbehalt. Denn als ehemaliges Regierungsmitglied muss der 48-Jährige aus Altötting nach dem Bundesministergesetz eigentlich eine Karenzzeit von 18 Monaten einhalten. Wer diese umgehen möchte, braucht von der Bundesregierung eine Freigabe. Diese hat Mayer beantragt. Nun muss ein von der Regierung berufenes Gremium den Antrag prüfen und eine Empfehlung  abgeben. Eine Überprüfung dauert im Normalfall etwa sechs Wochen.

Jetzt aber macht Mayer einen weiteren Ämter-Salto. Denn in den vergangenen Wochen überholte sich der smarte Bayer mehrfach selbst: Kaum gestartet, spurtete er los, um dann kurz vor der Ziellinie abrupt abzubremsen. Trotz gegenteiliger Beteuerungen bewarb er sich überraschend für das Präsidentenamt des DOSB. Am 14. November stellte er sich mit einer Rede à la Staatssekretär den Delegierten vor, die ihn zum Kandidaten wählen sollten. Um dann dem Wahlvolk mitzuteilen, dass er nun doch lieber nicht Präsident werden wollte. Seine Begründung: Er wolle nicht durch einen Wahlkampf (den es mangels Beteiligter gar nicht gab) die Gräben im deutschen Sport noch weiter vertiefen. Und dem Sport an anderer Stelle dienen.

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Rückkehr als Vizepräsident

Die andere "Dienst- Stelle" kam schneller als gedacht: Teamsport Deutschland kürte Mayer unterstützt mit heftigem Werbe-Trommelwirbel von DFB-Interimspräsident Rainer Koch und Turnerpräsident Alfons Hölzl zu ihrem Kandidaten für ein Vizeamt. Dabei machte es den Unterstützern aus dem Sport wenig aus, dass Mayer vom Bundesinnenministerium - also der Seite der Zuwenders - auf die Seite des Zuwendungsempfängers wechseln würde.

Unter Good-Governance-Aspekten machte das keinen guten Eindruck, bemängelte nicht nur der Berliner Landessportbundpräsident Thomas Härtel. Mayer reagierte auf derlei Vorhaltungen pikiert und erwiderte, er brauche keine "Abkühlphase". Dass man Mayer nur unter Vorbehalt wählen konnte, kümmerte die Vize-Königsmacher auch nicht. Ihr Mann war Stephan Mayer – komme was da wolle.

Empörung im organisierten Sport

Nun eine neue Wendung: Mayer wird sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag. Und ist gleichzeitig Vizepräsident des DOSB, wenn auch in Wartestellung. Geht beides? Vertreter anderer Parteien, aber auch aus dem Sport, sagen: Nein, geht nicht. Wenig Verständnis zeigen Verbandsmenschen auf Nachfrage angesichts des Personalien-Wirrwarrs Mayer. "Das ist doch alles überhaupt nicht mehr zu verstehen, was der sich da leistet", schimpft ein aufgebrachter Verbandspräsident. "Wir haben genug Probleme, da brauchen wir jetzt nicht auch noch ein Mayer-Problem", sagt ein anderer.

Die Ämterverknüpfung zwischen Sportpolitikerinnen und -politikern sowie Funktionärinnen und Funktionären hat allerdings Tradition in der Republik. Und sorgt immer wieder für Ärger, Kritik und die Frage, wie unabhängig Zuwendungsgeber und Empfänger - sprich Sport und Politik, wirklich sind und agieren. Heftige Diskussionen gab es beispielsweise immer wieder um Eberhard Gienger, der als Vizepräsident Leistungssport gleichzeitig CDU-Mitglied des Sportausschusses war.

Auch die langjährige Vorsitzende des Ausschusses, Dagmar Freitag (SPD), wurde immer wieder dafür kritisiert, dass sie sowohl als Leichtathletik-Vizepräsidentin und Ausschuss-Vorsitzende agierte. Die Liste sportpolitischer Entscheidungsträger, die zu nahe mit dem Sport verknüpft waren und sind, ließe sich fortsetzen. Stephan Mayer will diese Tradition der Ämterverknüpfung offensichtlich auch weiterführen. Was zumindest für den Neustart im DOSB, der ja Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Transparenz wieder herstellen will, nicht unbedingt eine unterstützende Maßnahme ist.