Kamila Walijewa nachdenklich nach ihrer Kür

Junge Sportler Mindestalter im Spitzensport: Die Debatte ist neu entfacht

Stand: 22.02.2022 08:00 Uhr

Der Dopingfall Kamila Walijewa bei Olympia hat Bewegung in die Diskussion um ein Mindestalter im Spitzensport gebracht. Das IOC will die Verbände zu einer Prüfung drängen. Ehemalige Sport-Größen pflichten bei.

Bei den am Sonntag (20.02.2022) zu Ende gegangenen Winterspielen in Peking ist nach dem Doping-Skandal um die 15 Jahre alte russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa die Diskussion um den Umgang mit Minderjährigen und Forderungen nach einem Mindestalter von 16 oder auch 18 Jahren im Hochleistungssport neu entfacht. In einem Interview mit sportschau.de nimmt der Kölner Sportwissenschaftler und Leiter des Psycholigischen Instituts der Deutschen Sporthochschule, Professor Jens Kleinert, dazu ausführlich Stellung.

Das Internationale Olympische Komitee mit Präsident Thomas Bach an der Spitze hatte angekündigt, die Weltverbände zur Prüfung eines Mindestalters zu drängen. Bislang gibt es nur in wenigen olympischen Sportarten wie im Turnen (16 Jahre) ein Mindestalter für Teilnehmer.

Höfl-Riesch plädiert für ein Mindestalter von 16 Jahren

Auch die frühere Ski-Rennfahrerin Maria Höfl-Riesch hat sich nun in dieser Angelegenheit geäußert. "Im alpinen Skisport wäre das fast schon ein wenig spät, weil es oft Talente gibt, die schon mit 16 oder 17 sehr gut sind und bei den Winterspielen erstmals Erfahrungen bei einem Großereignis sammeln können", schrieb die 37-Jährige in einer Kolumne für das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" ("Sportbuzzer") und ergänzte: "Darum erschiene mir eher 16 als ein geeignetes Mindestalter."

Der Fall Walijewa hatte bei den Winterspielen für heftige Debatten über minderjährige Spitzensportlerinnen gesorgt. Wegen einer positiven Dopingprobe der Europameisterin aus dem Dezember, die erst während der Peking-Spiele bekannt wurde, geriet vor allem die Moskauer Eiskunstlaufschule von Trainerin Eteri Tutberidse in den Fokus. Die 15-jährige Walijewa brach im Einzel-Wettbewerb schließlich unter dem Druck zusammen und verpasste eine Medaille.

Die zweifache Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt hatte schon direkt nach Walijewas-Kür in der Sportschau ihre Forderung erneuert: "Jetzt ist genau der Zeitpunkt zu überlegen, ob es nicht eine Altersgrenze geben muss. Denn es ist verantwortungslos, was hier mit dem Talent gemacht wird. Ich habe fast die Angst, dass sie das nicht schafft - und die nächste 14-jährige Läuferin schon da ist."

Witt: Wo sind die Olympiasiegerinnen von 2014 und 2018?

Witt liegt das Thema Altersgrenze sehr am Herzen: Die letzten Olympiasiegerinnen im Eiskunstlauf Adelina Sotnikowa 2014 in Sotschi und Alina Sagitowa 2018 in Pyeongchang waren bei ihren Erfolgen noch keine 18 Jahre alt.

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Witt freute sich damals über ihre Siege und hoffte ihre Weiterentwicklung weiter beobachten zu können - doch beide nahmen nicht mehr an Olympia teil. Ihr Fazit: "Die Läuferinnen sind verschwunden. Ich hatte mir gewünscht, dass ich sie in Wettkämpfen weiter verfolgen kann. Was ist der Grund, dass wir wollen, dass 15-, 16-jährige Mädchen den Höhepunkt ihrer Karriere erreichen? Kann man das nicht nach hinten verschieben?"

Nächstes 14-jähriges Talent steht in den Startlöchern

In Russland rücken aktuell vor allem junge Talente in den Fokus. Bereits für die Spiele in Peking hätte der Verband am liebsten die erst 14 Jahre alte Adelja Petrosjan nominiert, die angeblich zwei vierfache Rittberger hintereinander springen kann. Das kann nicht mal Walijewa.