DOSB-Präsidentschaft: Kandidatenkarussell nimmt Fahrt auf

Stefan Klett (r.) und Thomas Weikert vor DOSB-Logo

Sportpolitik | DOSB

DOSB-Präsidentschaft: Kandidatenkarussell nimmt Fahrt auf

Von Bianka Schreiber-Rietig

Eine Findungskommission um Ex-Bundespräsident Christian Wulff soll nach geeigneten Personen für die DOSB-Präsidentschaft suchen. Die ersten Kandidaten bringen sich schon in Stellung.

Das Kandidatenkarussell um das Amt des Präsidenten im Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nimmt Fahrt auf: Thomas Weikert ist der Erste, der nun mehr oder minder offiziell aufgesprungen ist – mit einem gewollten leichten Schubs von 14 Spitzensportverbänden. Andere, wie der Landessportbundpräsident Stefan Klett aus Nordrhein-Westfalen, kündigen eine "Teamlösung" an. Er ist sozusagen noch im Anlauf. Wieder andere, wie der Triathlon-Präsident Martin Engelhardt, sind gar nicht erst aufgesprungen – der Mediziner überlässt das Feld dem Juristen Weikert.

Personalien statt Inhalte

Eigentlich hatten alle, die den DOSB-Neustart aktiv betreuen, zu Beginn einen Fahrplan aufgestellt: Zuerst eine Bestandsaufnahme, dann Vorschläge für neue oder verbesserte Inhalte und Strukturen. Und am Ende Personalien. Und das alles "unter Drei" – sprich: intern. Das hat von Anfang an nicht funktioniert, weil zu viel auf dem Spiel steht: Etwa Eigeninteressen wahren und durchsetzen oder mindestens den Status quo bewahren.

Nun reden alle über alles, vor allem über Personalien und wenig über Inhalte. Ingo Weiss, Basketball-Präsident, Sprecher der Spitzenverbände und einer der drei Koordinatoren des DOSB-Neuanfangs, ist über die Situation "nicht glücklich" und zieht Parallelen zu den Nachwahl-Wirren in der Bundespolitik: "Wir erleben nun das, was ja derzeit auch in der CDU/CSU zu sehen ist: Es werden Sachen durchgestochen, obwohl Vertraulichkeit vereinbart wurde."

Man könnte aber auch sagen, dass das Erlebnis derzeit widerspiegelt, was in Sportdeutschland so üblich ist. Man bringt sich in Stellung. Dass nun 14 Spitzenverbände den Juristen Thomas Weikert als ihren Kandidaten vorgeschlagen haben, sei aber ein normaler Vorgang, findet Weiss. "Das ist ein Vorschlag, mit dem sich die Findungskommission wie mit den anderen Vorschlägen beschäftigen wird."

Ein bis fünf Kandidatinnen und Kandidaten

Am Ende, so meint Weiss, könnten es ein bis fünf Kandidatinnen oder Kandidaten sein, welche die Findungskommission unter Führung des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff präsentiert. Heißt, dass vielleicht bei der Mitgliederversammlung am 4. Dezember in Weimar die Delegierten die Qual der Wahl haben könnten. Wenn sich nicht schon vorher in diversen Runden dann doch wieder nur auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin geeinigt wird.

Nicht mehr zur Wahl stellen wird sich dann Martin Engelhardt. Er hat seine Ambitionen für den Kandidaten Weikert hinten angestellt. 2018 war er es, der als Überraschungsbewerber in Düsseldorf gegen den amtierenden Präsidenten Alfons Hörmann antrat. Eigentlich sollte schon damals Weikert antreten, der dann aber mit dem Hinweis auf seine Verpflichtungen als Präsident des Tischtennis-Weltverbandes (ITTF) ablehnte. Nun ist die Lage eine andere. Der Limburger Weikert kandidiert nach Querelen nicht mehr für das Spitzenamt der ITTF und ist darum nun für den DOSB bereit.

14 Spitzenverbände unterstützen Weikert

Ein Teil der Verbandsfunktionäre, die nun Weikert unterstützen, hatte sich schon vor einigen Jahren zusammengetan, weil sie mit dem Präsidenten Hörmann, seinem Auftreten und Vorgehen nicht einverstanden waren. Während Engelhardt offen Kritik übte, blieb Weikert zurückhaltend. Engelhardt unterlag Hörmann damals, landete trotz ungeschickter Strategie und Wahlvorbereitung aber einen "moralischen Achtungserfolg", wie es damals hieß. Und er hatte Hörmann die Laune gründlich verhagelt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil dieser zur Kenntnis nehmen musste, dass der Rückhalt der Sportfamilie für ihn zu bröckeln begann.

Anders als Weikert wagt Stefan Klett noch nicht den offiziellen Sprung auf das Kandidatenkarussell, er präsentiert sich stattdessen als Teil eines Teams, dessen personelle Zusammensetzung allerdings noch unklar ist. Es müsse jetzt erst mal um Inhalte gehen und nicht um Personen, sagt Klett am Telefon. "Das Prozedere darf nicht so sein, dass der erste Kandidat mit Stimmpaketen im Rücken durch die öffentliche Wirkung gesetzt ist", findet er. "Das geht nicht gegen die Person Weikert, um nicht missverstanden zu werden", betont Klett. Er aber werde "Mitglied des Teams sein, das für eine erfrischende effektive und schlagkräftige Richtung steht" und in dem die Interessen der Landessportbünde sehr wahrnehmbar vertreten seien.

Klett im Team mit Michael Mronz?

Schon wird Sportdeutschland spekuliert, ob Sportevent-Manager und Rhein-Ruhr-Olympia-Bastler Michael Mronz als führenden Kopf des Klett-Teams ins Rennen geht. Auf einem Kongress in Aachen hatte er Mitte September erklärt, er sei mit Freude dabei, "wenn man der Auffassung ist, dass ich an irgendeiner Stelle irgendeinen Beitrag leisten kann", wollte das aber nicht als Bewerbung verstanden wissen. Ob Mronz ein ernsthafter Vorschlag ist, wird sich zeigen, wenn "in etwa 14 Tagen" (Klett) das Team vorgestellt werden soll.

Und es kursieren noch weitere Namen etwa die ehemalige Fechterin Britta Heidemann oder der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann. Dabei stellt sich die Frage, was diejenigen, die solche Versuchsballons starten lassen, eigentlich erreichen wollen? Jedenfalls erleichtern sie weder der Findungskommission die Arbeit, noch bringt das Ruhe in die Sportfamilie.

"Natürlich ist es spannender  über Personen zu spekulieren als über Inhalte", sagt Weiss. "Wir Spitzenverbände und auch die Landessportbünde werden jetzt erst mal bei unseren Sitzungen über Inhalte reden. Und parallel beschäftigt sich die Findungskommission mit den vorliegenden Bewerbungen. Und das erstmal alles intern." Wobei der langjährige, gewiefte Funktionär Weiss aus Erfahrung weiß, dass das wohl ein frommer Wunsch bleiben wird.

Stand: 06.10.2021, 15:43

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