Analyse: Gute Noten für deutsche Leichtathletik - schlechte für Basketball

Konstanze Klosterhalfen läuft während der Olympischen Spiele in Tokyo 2021 (Bild: dpa/Gladys Chai von der Laage)

Verteilung von Fördermitteln

Analyse: Gute Noten für deutsche Leichtathletik - schlechte für Basketball

Die Leichtathletik ist laut einer Expertenkommission unter den deutschen Spitzenverbänden am besten für künftige Erfolge aufgestellt. Größtes Sorgenkind ist der deutsche Basketball.

Dem Deutschen Basketball Bund (DBB) werden unter den 26 Verbänden die größten Schwächen attestiert, wie ein in Berlin vorgestellter Bericht zur sogenannten Potenzialanalyse (PotAS) zeigt. Neben dem Deutschen Leichtathletik-Verband schneiden auch der Tischtennis-Bund und die Reiterliche Vereinigung besonders gut ab. Am Ende des Feldes finden sich neben dem DBB auch der Fechter-Bund und die Taekwondo Union.

"Die Ergebnisse sind nicht ganz so überraschend", sagte der DOSB-Leistungssportvorstand Dirk Schimmelpfenning bei der Potas-Präsentation in Berlin. Im Dachverband hatte es viel Kritik am Potas-System gegeben. "Es gibt Dinge, die man im Sport nicht berechnen kann, sonst gäbe es keine Sportwetten", sagte Schimmelpfennig.

DBB-Chef Ingo Weiss hält die Bewertung sogar für unfair. "Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses wissenschaftliche System den Mannschaftssportarten nicht gerecht wird", sagte Weiss, der auch Sprecher der DOSB-Spitzenverbände ist, der Deutschen Presse-Agentur. Er setzt nun darauf, dass die Förderkommission erkenne, "dass es beim Basketball anders läuft als in dieser Analyse dargestellt", und dem DBB keine Mittel streicht.

Analyseergebnisse als Grundlage zur Verteilung von Fördermitteln

Die Ergebnisse der Potas-Kommission dienen als wichtige Grundlage für die Vergabe der Fördermittel des Bundesinnenministeriums. Die Analyse ist Teil der Spitzensport-Reform, bei der die Fördergelder künftig stärker anhand von Erfolgserwartungen und Medaillenchancen verteilt werden sollen. Schon am Dienstag (21.09.2021) will eine Förderkommission mit Vertretern von Innenministerium und Deutschem Olympischen Sportbund die Summen festlegen, die an die Verbände fließen.

Abschlussbericht der PotAS-Kommission für Olympia liegt vor

Sportschau 20.09.2021 00:43 Min. Verfügbar bis 20.09.2022 ARD


Das Bundesinnenministerium machte schon einmal deutlich, dass Potas künftig maßgebliche Grundlage für die Verteilung der Gelder sein wird. "Die Spreizung wird zunehmen, was Zuwächse und Verluste anbelangt", sagte Staatssekretär Markus Kerber. Die Zuteilung der Fördermillionen müsse sich stärker an messbaren Erfolgspotenzialen richten. Bislang habe es ein "weitgehend unstrukturiertes Fördersystem" gegeben.

In die Analyse fließen die sportlichen Bilanzen bei wichtigen Wettbewerben einschließlich Olympia, der Blick auf die Kaderathleten und Talente sowie die Bewertung der Strukturen der jeweiligen Verbände ein. Bei den Sommerspielen in Tokio hatte das deutsche Team mit 37 Medaillen, davon zehn goldenen, das schwächste Resultat seit der Wiedervereinigung erreicht.

Gesamtwert der Potenzialanalyse für jede Sportart
SpitzenverbandPotAS-Wert in Prozent
Deutscher Leichtathletik-Verband80,73
Deutscher Tischtennis-Bund80,40
Deutsche Reiterliche Vereinigung79,40
Deutscher Kanu-Verband78,70
Deutsche Triathlon Union76,94
Deutscher Hockey-Bund73,72
Deutscher Schützenbund73,55
Deutscher Volleyball-Verband72,53
Deutscher Segler-Verband71,40
Deutscher Schwimm-Verband70,45
Deutscher Handballbund70,07
Bundesverband Deutscher Gewichtheber69,84
Deutscher Verband für Modernen Fünfkampf69,21
Deutscher Judo-Bund67,82
Deutscher Badminton-Verband65,05
Deutscher Tennis Bund62,95
Deutscher Ringer-Bund62,63
Deutscher Ruderverband60,31
Bund Deutscher Radfahrer60,22
Deutscher Boxsport-Verband60,02
Deutscher Rugby-Verband57,90
Deutscher Golf Verband55,64
Deutscher Turner-Bund54,78
Deutsche Taekwondo Union54,73
Deutscher Fechter-Bund54,37
Deutscher Basketball Bund46,94

dpa | Stand: 20.09.2021, 17:25

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