EM-Quali-Spiele: Handballer zwischen Vorfreude und Sorgen

Axel Kromer: "Gislason ist Feuer und Flamme" Sportschau 04.11.2020 01:07 Min. Verfügbar bis 04.11.2021 Das Erste

Handball-EM-Quali gegen Bosnien und Estland

EM-Quali-Spiele: Handballer zwischen Vorfreude und Sorgen

Trotz Coronafällen beim Gegner finden die Handball-Länderspiele gegen Bosnien-Herzegowina und in Estland statt. Sportvorstand Axel Kromer erklärt, warum sich der DHB trotz aller Sorgen darüber freut - und warum Geld dabei kaum eine Rolle spielt.

Alfred Gislason ist heiß. Der Handball-Bundestrainer - seit März im Amt - will endlich zur Tat schreiten und mal wirklich als Coach bei einem Spiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft auf der Bank sitzen. Das Coronavirus hatte genau das bisher verhindert. Jetzt aber ist es soweit: Nachdem der europäische Handballverband EHF bestätigt hat, dass das EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Bosnien-Herzegowina am Donnerstag (05.11.2020) trotz Coronafällen bei den Bosniern stattfinden muss, steht der Premiere des 61-jährigen Isländers nichts mehr im Weg.

"Alfred ist natürlich Feuer und Flamme. Er wartet jetzt seit März auf sein Debüt und hat sich wie immer akribisch auf die kommenden Gegner vorbereitet. Und die Mannschaft will zeigen, dass sie top in Schuss ist", berichtet DHB-Sportvorstand Axel Kromer im Sportschau-Interview.

Nationalspieler höchst belastet, Ersatztermine werden knapp

Zwar sind sie sich beim DHB bewusst, dass gerade die Nationalspieler aktuell mit Ligaspielen, Europapokal und Länderspielen hoch belastet werden. Dennoch sei man froh über die Austragung der Spiele gegen Bosnien-Herzegowina und Estland. "Wir hätten auch lieber gegen ein komplettes bosnisches Team gespielt. Andererseits sind wir froh, jetzt zumindest Haken hinter diese beiden Spiele zu bekommen. Zum einen sind sie eine gute Vorbereitung auf die hoffentlich im Januar stattfindende WM. Außerdem werden die Ersatztermine bei dem jetzt schon vollen Terminkalender immer weniger", sagt Kromer.

Die Bedenken einiger Spieler angesichts der Gesundheitsrisiken inmitten der Coronapandemie kann Kromer allerdings durchaus nachvollziehen: "Wir alle leben derzeit mit der Unsicherheit, weil wir nicht wirklich wissen, wie sich das Virus konkret verbreitet. Wir können natürlich keine Garantie geben, dass sich beim Einsatz für die Nationalmannschaft niemand infiziert. Wir können aber versichern, dass wir alles dafür tun, dass genau dies nicht passiert."

"Keiner mehr ohne Maske, alle halten Abstand"

Laut Kromer sei die Zusammenarbeit mit den Medizinern intensiv, zudem habe man eine gewisse Routine im Umgang mit den Hygienemaßnahmen entwickelt: "Bei uns läuft keiner mehr ohne Maske herum, keiner geht mehr einfach an einem aufgestellten Desinfektionsmittelspender vorbei und wir halten alle Abstand. Das funktioniert mittlerweile alles prächtig", sagt er.

Den Vorwurf, der Verband drücke die bevorstehenden Spiele aus finanziellen Gründen mit allen Mitteln durch, findet Kromer abwegig. "Nein, wir spielen am Donnerstag in Düsseldorf vor einer komplett leeren Halle. Verdient wird da nichts. Wir sind eher froh, dass wir den Fans und Breitensport-Handballern, die derzeit wegen des Virus' selbst nicht spielen können, zumindest mal ein Länderspiel im TV präsentieren können."

Alle Corona-Tests sowohl bei den Gästen wie auch bei der deutschen Mannschaft fielen kurz vor dem Anpfiff negativ aus, wie der Deutsche Handballbund (DHB) mitteilte. Zuvor hatten die Bosnier eine Verlegung der Partie beantragt, weil ihnen aufgrund mehrerer Corona-Fälle nur ein dezimierter Kader zur Verfügung steht. Dieser Antrag war jedoch abgelehnt worden.

Bohmann hat "große Sorgen" um WM

HBL-Chef Frank Bohmann bangt derweil um die im Winter stattfindende WM. "Ich mache mir große Sorgen. Das Problem sind die zahlreichen neuen sozialen Kontakte im Umfeld der Nationalmannschaften, das erleben wir ja jetzt auch in der EM-Qualifikation", sagte der Geschäftsführer der Handball Bundesliga dem SID.

Die WM soll vom 13. bis 31. Januar 2021 in Ägypten stattfinden, zum ersten Mal nehmen 32 statt bisher 24 Nationen daran teil. "Wenn die Teams erst einmal in Kairo sind, wird man eine Blase aufziehen können, in der die Spieler in großer Sicherheit sind", sagt Bohmann. "Man muss aber abwarten, ob das klappt. Wenn Spieler aus allen Ländern zusammenkommen, sind es andere Risiken als in einer Liga. So viel steht fest."

red/sid | Stand: 04.11.2020, 11:40

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