Gewichte während eines Gewichtheberwettkampfes

Präsidentschaftswahlen Gewichtheber-Verband IWF - Neuanfang light

Stand: 26.06.2022 17:47 Uhr

Die Internationale Gewichtheber-Föderation (IWF) hat im Bemühen um ihre olympische Existenz keinen echten Neuanfang gewagt. Bei den Wahlen zu den Führungsgremien ist am Samstag (26.06.2022) in Tirana der Iraker Mohammed Jalood zum Präsidenten gewählt worden. Der bisherige Generalsekretär, der dem Vorstand des Verbandes seit 2005 angehört, steht für die umstrittene Vergangenheit der IWF.

Neuer Generalsekretär ist der ebenfalls umstrittene Peruaner Jose Quinones. Der Präsident des panamerikanischen Verbandes war in den vergangenen neun Jahren Vizepräsident der IWF.

Zeichen der Hoffnung sind die Wahl der Reformerin Ursula Papandrea, Präsidentin des US-Verbandes, zur nunmehr ersten Vizepräsidentin und der Venezolanerin Doris Travieso. Beide stehen für einen radikalen Wandel. Zudem wurde der Vorstand mit zehn neuen, unbelasteten Vertretern besetzt, darunter Florian Sperl, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG). "Ich möchte Einfluss nehmen auf die Entwicklung des Gewichthebens", hatte Sperl im Vorfeld der Sportschau gesagt.

Florian Sperl, Präsident des Bundesverbands Deutscher Gewichtheber

Florian Sperl, Präsident des Bundesverbands Deutscher Gewichtheber

Gewichtheben aktuell nicht bei Olympia 2028

Gewichtheben ist für die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 zunächst aus dem Programm genommen worden. Eine endgültige Entscheidung wird es wie im Falle des Boxweltverbandes IBA vermutlich im nächsten Jahr geben.

Der Dokumentarfilm der ARD-Doping-Redaktion zeigt, wie skrupellos die olympische Sportart Gewichtheben regiert wurde. Die Autoren begeben sich auf Spurensuche in das Reich des Ungarn Tamás Aján, der seit 2000 Präsident des Weltverbands IWF war – und Mitte April zurücktrat.

Die IBA mit den Boxfunktionären ist wie schon bei den Spielen in Tokio auch für die Spiele 2024 suspendiert. Die Wettkämpfe nebst Qualifikation werden vom IOC organisiert.

Jalood: "Müssen zusammenarbeiten"

Bislang hieß es, Gewichtheben könne eventuell schon 2024 in Paris gestrichen werden, wenn es keine Reformen gibt. Die Satzung ist zwar neu und demokratisch. Bislang hielt sich die Führung aber nicht daran und arbeitete zumeist intransparent.

"Wir müssen zusammenarbeiten, um das Gewichtheben im olympischen Programm zu halten", sagte Jalood. Solange die Unterstützer des damaligen Präsidenten Tamas Ajan aus Ungarn, der für Dopingmanipulationen und undurchsichtige Finanzgeschäfte steht, nicht aus dem Führungsgremien entfernt sind, kann es für die meisten Reformer im Verband jedoch keinen Neuanfang geben.

Nachdem bei der International Weightlifting Federation (IWF) Korruption und Doping aufgedeckt wurden, droht der Disziplin Gewichtheben bereits 2024 der Olympia-Ausschluss.