Verjüngung der Nationalelf Moukoko eine Option, Musiala eine Bank

Stand: 15.08.2022 12:48 Uhr

Dass der Weg von BVB-Juwel Youssoufa Moukoko langfristig in die Nationalelf führt, hat sich bei ihm schon mit zwölf Jahren angedeutet. Bei Jamal Musiala ist wohl nur noch die Frage, wo genau ihn Hansi Flick einbaut.

Von Christian Hornung

Die Körpersprache war am zweiten Bundesliga-Wochenende wieder mehrfach ein Thema. Dortmunds neuer Verteidiger Nico Schlotterbeck beispielsweise gibt damit seiner Mannschaft ein Element, dass ihr in den vergangenen Jahren extrem abging: Emotionalität, die seine mitunter zur Lethargie neigenden Mitspieler mitreißt, die Fans abholt und Spiele wie zuletzt in Freiburg - wo sich Schlotterbeck nach einem Foul mit seinem Ex-Trainer Christian Streich fetzte - noch zu drehen hilft: 3:1 nach 0:1.

Der FC Bayern brauchte zwar kein Spiel zu drehen, aber auch dort ging es nach dem 2:0 über den VfL Wolfsburg nach dem Schlusspfiff um Gestik und Außenwirkung. Leroy Sané war auch im dritten Pflichtspiel nur eingewechselt worden und wurde nach zwei leichten Ballverlusten, die er mit hängenden Schultern und ohne großes Nachsetzen irgendwie so hinnahm, von Ex-Nationalspieler Michael Ballack kritisiert: "Er ist ab und zu ein bisschen launisch in der Körpersprache. Das muss er nicht, das darf er nicht, wenn er zu einem absoluten Weltklassespieler werden will."

Für Borussia Dortmund sah es in der Fußball-Bundesliga lange Zeit nicht gut beim SC Freiburg aus. Doch dann drehte der BVB die Partie im Schlussspurt.

Bei Musiala sieht Fußball leicht aus

Sané ist wieder mal in einer Phase angekommen, in der das Fußballspielen bei ihm nach Belastung und Mühe aussieht. Das ist vielleicht einer der größten Unterschiede zwischen ihm und dem jungen Mann, der ihm bei den Bayern und möglicherweise auch schon in der Nationalmannschaft den Rang abgelaufen hat.

Bereits in jungen Jahren Leistungsträger beim FC Bayern: Jamal Musiala.

Bereits in jungen Jahren Leistungsträger beim FC Bayern: Jamal Musiala.

Bei Jamal Musiala sieht Fußball sehr leicht aus, tänzerisch elegant und fast schon mühelos, trotz seines hohen Laufpensums. Sinnbildlich dafür war sein Tor zum 1:0: Die Wolfsburger Maxence Lacroix und Patrick Wimmer beackerten den leichtgewichtigen Techniker, der aber partout kein Foul, sondern lieber den Abschluss aus 20 Metern wollte.

Vorstandschef Oliver Kahn fand diese Einstellung "überragend" und lobte: "Jamal spielt im Moment außergewöhnlich." Ex-Weltfußballer Lothar Matthäus attestierte Musiala sogar das Zeug zum künftigen Weltfußballer: "Auf jeden Fall, das bringt er mit. Er setzt sich jetzt schon gegen Spieler durch, die Großes geleistet haben."

Moukoko schon mit zwölf in der U17

Eine außergewöhnliche Zukunft deutete sich auch bei Youssofa Moukoko sehr früh an. Schon mit zwölf Jahren wurde der gebürtige Kameruner in der U17 des BVB eingesetzt, und Rekorde hält er inzwischen sehr viele. Mit 16 Jahren und einem Tag wurde er zum jüngsten Bundesligaspieler, 17 Tage später auch zum der jüngsten Champions-League-Spieler aller Zeiten.

Weitere elf Tage später avancierte Moukoko zum jüngsten Bundesligatorschützen aller Zeiten. Mit 16 Jahren und 278 Tagen ist er jüngster Debütant der deutschen U21 und deren jüngster Torschütze - inzwischen hat er dort nach vier Einsätzen bereits sechsmal getroffen. Auch sechs Tore in der Bundesliga stehen seit dem 3:1 in Freiburg zu Buche. Und eine Parallele zu Musiala ist, dass dieser Zug zum Tor und die Gier nach dem Abschluss Teil seiner Körpersprache ist - beim fulminanten Endspurt der Dortmunder in Freiburg war Moukoko sogar an allen drei Treffern beteiligt.

Youssoufa Moukoko bejubelt seinen Treffer zum 2:1 für Borussia Dortmund gegen den SC Freiburg am 2. Spieltag.

Youssoufa Moukoko bejubelt seinen Treffer zum 2:1 für Borussia Dortmund gegen den SC Freiburg am 2. Spieltag.

Moukoko-Nominierung wäre keine Überraschung

Da Bundestrainer Hansi Flick bekanntlich gute Leistungen in der U21 konsequent mit Nominierungen für sein A-Team belohnt, wäre es keine große Überraschung mehr, wenn er Moukoko trotz seiner erst 17 Jahre für die WM-Generalproben am 23. September gegen Ungarn und drei Tage später in England nominiert würde.

Dass Musiala dort am Start ist, darf als gesichert gelten. Die Frage ist nur, wo ihn der Bundestrainer am besten gebrauchen kann.

Sechser, Achter, Zehner oder sogar Linksaußen

Seit die Bayern mit einer Doppelspitze agieren, kommt Musiala dort über die halblinke Achterposition. Die Nationalelf spielt meist mit drei Spitzen, einem Zehner und zwei Sechsern. Dort könnte Musiala als Spielmacher mit allen Freiheiten agieren, aber auch neben Joshua Kimmich als offensiverer der beiden Sechser.

Auch die Linksaußen-Position ist eine Option für den gebürtigen Stuttgarter, der im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach England zog und acht Jahre lang beim FC Chelsea ausgebildet wurde. Wenn Flick tatsächlich mit Musiala auf dem Flügel plant, könnte auch dort Leroy Sané der Leidtragende sein, was seine Körpersprache vermutlich auch nicht entscheidend beflügeln dürfte - die beiden letzten Länderspiele vor dem deutschen Turnierstart in Katar am 23. November gegen Japan haben insofern wegweisende Bedeutung.