Fußballkunst à la PSG Die sinnlose Suche nach düsteren Pariser Aussichten

Stand: 11.08.2021 21:44 Uhr

Noch nie war der Job sinnloser: "Such' nach den Schwächen von PSG nach der Verpflichtung von Messi!", lautete der Arbeitsauftrag. "Paris Saint-Germain wird nicht französischer Meister. Nicht französischer Pokalsieger. Nicht Champions-League-Sieger, Super-Cup-Sieger, nicht - wie Bayern München 2020/21 - Sextuple-Gewinner! Finde Gründe! Los!"

Von Jo Herold

Seither sind Stunden des Überlegens und Recherchierens verstrichen. Zeitschriften sind herausgekramt, tagesaktuelle Zeitungen durchgeackert, gefühlt 1.000 Artikel im Netz gelesen, übersetzt und überflogen worden. Aber nirgends auch nur der kleinste Hinweis darauf, dass Lionel Messi den französischen Hauptstadtklub irgendwie nicht zu Höchstleistungen führen könnte.

Keine etwaige Missstimmung mit den neuen Kollegen, kein Fremdeln mit dem neuen Trainer: Gemeinsam mit Neymar hat der Argentinier beim FC Barcelona viele Erfolge gefeiert, darunter 2015 die Champions League geholt. "Wieder zusammen", schrieb der brasilianische Angreifer in den sozialen Medien zu Messis Ankunft, heftete ein rotes und ein blaues Herz daran, die Farben des FC Barcelona und von Paris Saint-Germain.

Mit Angel Di Maria gewann "La Pulga", "der Floh", jüngst mit der argentinischen Nationalmannschaft die Südamerika-Meisterschaft. Dahinter in der Abwehr steht neuerdings ein Sergios Ramos, der zwar vom Erzrivalen Real Madrid an die Seine wechselte, dem aber Messi auf ewig dankbar sein dürfte, dass er ihm nicht alle Knochen mehrfach gebrochen hat. So was verbindet. Und dann noch: Der Trainer von PSG, Mauricio Pochettino, ist Argentinier. Wie soll es da zu Missverständnissen kommen?

"Zirkus" vom allerfeinsten

Rein von der Spielanlage her kann Paris mit Messi keinen Titel gewinnen: Arbeitsthese - und totaler Quatsch. "Magic" Messi über rechts, "König" Neymar über links, "Houdini" Mbappe in der Mitte. Oder Neymar hängend. Oder Messi hängend. Oder irgendwie umgekehrt. Abgesichert von Künstlern wie Wijnaldum, Verratti und Herrera. Das Bällchen wird rollen, schnell, blind, trotzdem exakt und vor allem: zielführend. Es wird "Zirkus" vom feinsten geboten werden, wenn Frankreichs Hauptstadtklub durch Europa reist.

Es wird immer klarer: Der Arbeitsauftrag ist sinnlos. PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi hat in den vergangenen Jahren das Computerspiel "FIFA" mit realen Personen gespielt und sich einen Kader zusammenphantasiert, der in etwa eine Milliarde Euro Marktwert repräsentiert. Messi erhält für die kommenden wenigstens zwei Jahre höchst unanständige 35 bis 40 Millionen Euro pro Jahr ("per annum", wie man angesichts solcher Beträge zu sagen pflegt), darf zu Besuch nach Barcelona, wann immer er will, und kann sich bei Bedarf immer die Ärzte der argentinischen Nationalmannschaft kommen lassen.

Messis PSG-Trikots mit der Nummer 30

Messis PSG-Trikots mit der Nummer 30

Es ist ALLES für den Erfolg vorbereitet

Soll heißen: Bei Paris Saint-Germain ist einfach alles für den Erfolg vorbereitet, den - Stand jetzt - nur Verletzungen beim mega-galaktischen Angriffstrio verhindern können.

Danke, liebe Kollegen, für den Test, die unmögliche Geschichte zu schreiben. Ohne Financial Fairplay wird das nix mit dem Ansatz, Paris Saint-Germain sei mit Lionel Messi von Erfolglosigkeit bedroht. Und sollte dann doch eine Budget-Regulierung kommen, werden Europas Fans sich vom Spitzenfußball mit Grausen abgewandt haben. Aber dann ist Leo 36 und hat zwei supererfolgreiche Jahre hinter sich. Doch der Auftrag für diese Geschichte wird erst in zwei Jahren kommen. Und der wird dann alles andere als sinnlos sein.