FIFA-Skandal: Schweizer Bundesanwalt bietet Rücktritt an

Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber

Geheimtreffen mit Infantino

FIFA-Skandal: Schweizer Bundesanwalt bietet Rücktritt an

Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber hat seinen Rücktritt angeboten. Der Hintergrund: Er ermittelte im FIFA-Skandal, traf sich aber im Geheimen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino. Das Schweizer Bundesverwaltungsgericht sah seine Amtspflicht verletzt.

Das Schweizer Bundesverwaltungsgericht hatte festgestellt, dass der 54-Jährige seine Amts- und Treuepflicht in mehreren Punkten "schwer verletzt" habe. Lauber teilte am Freitag (24.07.2020) daraufhin in einer persönlichen Erklärung mit, er habe sich "im Interesse der Institutionen" zu seinem Rücktritt entschieden.

Treffen mit Infantino "bewusst verschwiegen"

Wie das Gericht mitteilte, habe Lauber unter anderem "vorsätzlich die Unwahrheit" gesagt. Dabei geht es um eines von drei Geheimtreffen Laubers mit dem FIFA-Präsidenten Infantino vom 16. Juni 2017, das alle der mutmaßlich fünf Teilnehmer vergessen haben wollen. "Eine solche Erinnerungslücke bei mehreren Teilnehmern ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung als abwegig anzusehen", befand das Gericht. Stattdessen habe Lauber das Treffen der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) "bewusst" verschwiegen.

Lauber hatte zum Zeitpunkt der Treffen die Ermittlungen mehrerer Verfahren geleitet, die die FIFA betrafen. Dabei geht es unter anderem um die Vergaben der Fußball-WM 2018 und 2022.

Auch beim sogenannten Sommermärchenprozess gegen frühere deutsche Fußball-Funktionäre wegen dubioser Zahlungen im Zusammenhang mit der WM 2006 in Deutschland hatte Lauber keine gute Figur gemacht. Seine Behörde verschleppte die Ermittlungen so lange, bis nicht mehr genügend Zeit für einen Prozess war und die Anklagepunkte vor wenigen Wochen verjährten.

Als Strafe wurde Laubers Lohn gekürzt

Die AB-BA hatte wegen der Geheimtreffen mit Infantino im Mai 2019 ein Disziplinarverfahren gegen Lauber eröffnet. Im März dieses Jahres kürzte sie Laubers Lohn um acht Prozent, dieser reichte daraufhin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Das Gericht beurteilte am Freitag eine Lohnkürzung aufgrund der Schwere der Amtspflichtverletzungen als rechtmäßig, reduzierte sie jedoch auf fünf Prozent.

Lauber erklärte, er "respektiere" das Urteil, "die Unterstellung der Lüge" weise er jedoch "in aller Form zurück", ergänzte aber: "Wenn man mir jedoch als Bundesanwalt nicht glaubt, dann schadet dies der Bundesanwaltschaft."

Schweizer Staatsanwalt unter Verdacht Morgenmagazin 14.05.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 14.05.2021 Das Erste

dpa | Stand: 24.07.2020, 16:40

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