Meilenstein für die Frauen-Bundesliga

Bejubelt ein Tor für die TSG Hoffenheim: Nicole Billa

TV-Präsenz des Frauenfußballs

Meilenstein für die Frauen-Bundesliga

Von Frank Hellmann

Wichtiger Fortschritt für den deutschen Frauenfußball: In den kommenden beiden Spielzeiten werden sämtliche Spiele der Frauen-Bundesliga fernsehgerecht produziert und auf verschiedenen Wegen übertragen. Nach diesem Meilenstein sind nun auch Vereine und Spielerinnen gefordert.

Es dauert noch ein bisschen, bis die Frauen-Bundesliga ihre Tore öffnet. Fast schon traditionell beginnt die Liga erst im Spätsommer, diesmal bestreiten die TSG Hoffenheim und der SC Freiburg am letzten August-Wochenende (27.08.2021) das Eröffnungsspiel.

Ein Aufeinandertreffen zweier wichtiger Ausbildungsklubs, die bei der Entwicklung junger Nationalspielerinnen längst eine Schlüsselrolle spielen. Zudem beschäftigt die TSG Hoffenheim mit der österreichischen Torjägerin Nicole Billa zugleich Deutschlands neue Fußballerin des Jahres. Die Auszeichnung der 25-Jährigen kann dann gleich vor Ort in Hoffenheim erfolgen.

Dass diese Partie fürs Fernsehen produziert wird, ist an Freitagabenden längst die Regel; neu wird sein, dass auch für alle folgenden Partien an insgesamt 22 Spieltagen der höchsten deutschen Frauen-Spielklasse in den kommenden Jahren eine TV-Produktion gewährleistet ist. Das gab es noch nie.

DFB und Telekom teilen sich die Produktionskosten

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und sein Partner Telekom investieren laut einer Pressemitteilung "massiv in die Sichtbarkeit der Frauen-Bundesliga". Das DFB-Präsidium stimmte dem Antrag einer Produktionskosten-Beteiligung zu und ebnete somit den Weg zur Vollproduktion von jeweils 132 Spielen für die Saison 2021/2022 sowie 2022/2023.

Nach Informationen der Sportschau belaufen sich die Produktionskosten pro Saison auf rund zwei Millionen Euro, die sich DFB und Telekom teilen - alle Spiele werden auf der bezahlpflichtigen Plattform "MagentaSport" gezeigt. Mit dem von allen Spielen produzierten TV-Signalen wird eine langjährige Forderung erfüllt, um die Frauen-Bundesliga gerade in Konkurrenz zu den aufstrebenden Ligen insbesondere in England und Spanien wieder besser aufzustellen.

"Wichtiger strategischer Schritt"

Holger Blask, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der DFB GmbH, spricht von einem "wichtigen strategischen Schritt für den Frauenfußball in Deutschland". Die erhöhte Sichtbarkeit würde weitreichende Möglichkeiten eröffnen, "die Vermarktung der Liga signifikant zu steigern". Die Entwicklung der Liga würde das entscheidend voranbringen.

Blask weiter: "Wir konnten darüber hinaus durch die Vollproduktion sämtlicher Spiele eine Ausweitung der Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Sendern erzielen. So haben wir etwa mit der ARD eine Vereinbarung erzielt, die Frauen-Bundesliga mit einem Samstagsspiel regelmäßig ins Programm der ARD-Sportschau am Samstag aufzunehmen. Auch das wird die Reichweite sowie Sichtbarkeit und damit die Attraktivität der Liga für Fans, Partner und Sponsoren noch einmal erhöhen."

Feste Spieltermine am Freitag, Samstag und Sonntag

Künftig wird immer eine Partie am Freitag, mindestens eine am Samstag stattfinden, die weiteren Begegnungen werden am Sonntag zu zwei verschiedenen Zeiten (13 und 16 Uhr) ausgetragen. Die Frauen-Bundesliga reagierte mit großer Freude über eine größere Projektionsfläche. Bereits in der Saison 2019/2020 wurden laut DFB-Angaben insgesamt 78 Stunden zur Frauen-Bundesliga auf allen Kanälen im Free-TV gesendet.

Die kumulierte Reichweite von knapp 200 Millionen Zuschauern stellte eine Steigerung um ein Vielfaches dar. 87,9 Millionen entfielen dabei auf die ARD (inklusive Zusammenschnitte in ARD-Sportschau, Tagesschau und Mittagsmagazin). Mehr TV-Präsenz auf diversen Plattformen bedeutet mittel- und langfristig auch höhere Sponsoring-Erlöse, die dringend nötig sind.

Noch ist die Frauen-Bundesliga ein Zuschussgeschäft

Denn noch stellt ein Frauen-Bundesligist unter dem Dach eines Lizenzvereins ein reines Zuschussgeschäft dar. Durchschnittlich liegen die Gesamtaufwendungen für jeden Verein bei knapp mehr als zwei Millionen, davon beträgt der Personalaufwand 1,2 Millionen. Die durchschnittliche Unterdeckung beläuft sich auf 922.000 Euro, die als Investition in Imagegewinn und Marketingnutzen angesehen wird.

Um irgendwann kostendeckend zu arbeiten, ist die TV-Produktion ein wichtiger Baustein, wobei der erfolgte Schritt auch in Zusammenhang mit gesellschaftlicher Wertschätzung und der gemeinsamen Bewerbung mit Niederlande und Belgien um die Frauen-WM 2027 gesehen werden muss.

Für Niko Arnautis, Trainer beim Pokalfinalisten Eintracht Frankfurt, "ein starkes Zeichen, das für den deutschen Frauenfußball enorm wichtig ist, weil wir gegenüber Nationen wie England wieder aufholen. Das ist etwas, was die Frauen-Bundesliga verdient." Der Frankfurter Fußballlehrer, zugleich Lehrer-Trainer an der Carl-von-Weinberg-Schule, gibt zu bedenken: "Frauen trainieren nicht weniger als die Männer. Nur gehen die meisten Spielerinnen noch zur Schule, arbeiten oder studieren."

2. Frauen-Bundesliga läuft im eigenen Stream weiter

Klar ist: Mit diesem Meilenstein sind den vielen Worten nach besserer Förderung des Frauenfußballa Taten gefolgt. Von einer Geringschätzung der Frauen-Bundesliga bei der TV-Präsenz etwa im Vergleich zur 3. Liga der Männer kann keine Rede mehr sein.

Auch die 2. Frauen-Bundesliga wird nicht vergessen. Denn der DFB und das Essener Unternehmen Staige (früher Soccerwatch.tv) haben am Mittwoch die bis Sommer 2021 vereinbarte Kooperation für die 2. Bundesliga um zwei Jahre bis 2023 verlängert. Somit werden alle Zweitliga-Spiele der Frauen auch weiterhin in einem Livestream zu sehen sein.

Das Frauenfußball-Magazin "Elfen" hat erst kürzlich festgestellt, dass alle Protagonisten bei der Entwicklung des Frauenfußballs gefordert sind. Und eben auch "die Vereine, die gerne die Einführung notwendiger Professionalitätsstandards blockieren und mit dem Finger gerne in Richtung Frankfurt (Sitz des DFB, Anm. d. Red.) zeigen, um von eigener Untätigkeit abzulenken. Die Spielerinnen, die es sich in der Opferrolle bequem gemacht haben."

Frauen-Nationalmannschaft ist auch gefordert

Nun liegt es an allen Beteiligten, mit gestiegener Reichweite auch weitreichende Veränderungen auf den Weg zu bringen, die beispielsweise von der Initiative "Fußball kann mehr" mit neun meinungsstarken Frauen angestoßen worden sind. Auch der Verband hat seine Initiativen zur Stärkung des Frauen- und Mädchenfußballs verstärkt.

Seit dem DFB-Pokalfinale der Frauen Ende Mai läuft eine Online-Kampagne des DFB unter dem Titel "Fußball, die (feminin)", die mit der klaren Botschaft versehen ist, dass Fußball genauso weiblich wie männlich ist. Mit den TV-Spots soll die Teilhabe von Mädchen und Frauen gestärkt werden, denn die Zahlen aktiver Spielerinnen sind seit Jahren leicht rückläufig.

Fest steht, dass die Durststrecke der nicht für die Olympischen Spiele qualifizierten Frauen-Nationalmannschaft, die bei WM 2019 und EM 2017 jeweils schon im Viertelfinale ausschied, nicht geholfen hat, um Vorbilder mit echtem Wiedererkennungswert herauszuarbeiten. Hier könnten die EM 2022 in England und die WM 2023 in Australien und Neuseeland einen Schub geben - vorausgesetzt, die junge DFB-Elf unter Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg setzt erfrischende Akzente auf dem Rasen.

Borussia Dortmund startet auch

Langsam entdecken nämlich die letzten Lizenzvereine, dass sich das Investment in den Frauen- und Mädchenfußball nicht nur aus Imagegründen lohnt, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung beinhaltet. Borussia Dortmund hat ein Frauenteam neu gegründet, das am Sonntag (08.08.2021) im Stadion Rote Erde gegen die Frauen des TSV 1860 München das erste Freundschaftsspiel bestreitet. Um das Interesse an den 1.200 Eintrittskarten zu kanalisieren, hat der BVB die Tickets verlost. Es tut sich also schon was, bevor die Frauen-Bundesliga überhaupt startet.

Stand: 04.08.2021, 12:48

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