Schalkes McKennie über seinen Protest - "Das ist sehr wichtig für mich"

Weston McKennie - Spieler vom FC Schalke 04 im Interview

Nach der Tötung von George Floyd

Schalkes McKennie über seinen Protest - "Das ist sehr wichtig für mich"

Im Sportschau-Interview spricht Schalkes Weston McKennie über sein Engagement gegen Rassismus und Polizeigewalt, Unterstützung durch seinen Verein Schalke 04 und ein Gespräch mit dem Schiedsrichter Felix Zwayer.

Beim Spiel gegen Werder Bremen trug Weston McKennie von Schalke 04 in der zweiten Hälfte eine Armbinde mit der Aufschrift "Justice for George" ("Gerechtigkeit für George"). McKennie protestierte damit gegen Polizeigewalt und Rassismus, nachdem der dunkelhäutige George Floyd von einem Polizisten in den USA getötet worden war.

In Minneapolis und mehreren anderen Städten der USA kommt es deshalb zu Protesten und heftigen Ausschreitungen. Zahlreiche US-Sportler äußerten sich wütend über den Vorfall. Sie kritisieren die wiederkehrende Polizeigewalt gegen Schwarze und den offensichtlichen Rassismus bei einigen Polizeibeamten in den USA.

Weston McKennie: "Das muss ein großes Thema bleiben" Sportschau 03.06.2020 10:15 Min. Verfügbar bis 03.06.2021 Das Erste

"Ein starkes Zeichen"

Längst hat der Protest auch die Bundesliga erreicht. Als Fußballer habe man eine sehr große Plattform, sagte McKennie, 21, am Dienstag (02.06.2020) im Interview mit sportschau.de. Deshalb, so sieht McKennie das, müsse er diese Möglichkeit auch unbedingt nutzen. Umso mehr habe er sich gefreut, dass auch andere Spieler wie der Gladbacher Marcus Thuram oder die Dortmunder Jadon Sancho und Achraf Hakimi Protestaktionen geplant hatten. "Das war wichtig und ein starkes Zeichen", sagte McKennie.

McKennie: "Es war sehr wichtig und ein starkes Zeichen" Sportschau 02.06.2020 01:23 Min. Verfügbar bis 02.06.2021 Das Erste Von Luise Kropff

McKennie ließ Zwayer abblitzen

Der Schiedsrichter Felix Zwayer hatte McKennie aufgefordert, die Armbinde und damit auch die Botschaft zu entfernen. Eine Bitte, der McKennie bewusst nicht nachkam. "Ich habe gedacht, das ist ein Zeichen gegen Rassismus, das wird kein Problem sein", sagte er im Gespräch mit sportschau.de. "Das ist sehr wichtig für mich. Ich bin Sportler, klar, aber zuerst bin ich Mensch."

McKennie: "Wenn dir etwas so wichtig ist, bleibst du dabei" Sportschau 02.06.2020 01:59 Min. Verfügbar bis 02.06.2021 Das Erste Von Luise Kropff

Unterstützung durch Schalke 04

Die Verantwortlichen der Schalken wussten offensichtlich nichts von McKennies Protestvorhaben. Sie hätten ihn später im Gespräch darum gebeten, doch beim nächstes Mal bitte vorher darüber informiert zu werden, sagt McKennie. Doch die Verantwortlichen um den Trainer David Wagner und den Sportvorstand Jochen Schneider hätten ihm auch ihre Unterstützung zugesichert. "Der Verein steht hundert Prozent hinter mir", sagt McKennie.

McKennie: "Der Verein steht hundert Prozent hinter mir" Sportschau 02.06.2020 01:00 Min. Verfügbar bis 02.06.2021 Das Erste Von Luise Kropff

Auch der DFB-Präsident Fritz Keller hat sich mittlerweile geäußert. "Moralisch kann ich die Aktionen am vergangenen Wochenende absolut verstehen. Was in den USA passiert ist, kann niemanden kalt lassen", sagte Keller am Montag. Dennoch könnten die Spieler für ihre Solidaritätsbekundungen sanktioniert werden, denn politische Äußerungen sehen die Verbände im Fußball nicht gerne. In der "DFL-Richtlinie zu Spielkleidung und Ausrüstung" etwa heißt es: "Politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen sind keinesfalls erlaubt." Derzeit befasst sich der DFB-Kontrollausschuss mit den Protestbekundungen der Bundesligaspieler. 

Das Interview führte Luise Kropff.

Stand: 02.06.2020, 23:00

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