Kölns Geschäftsführer Wehrle: "Sinnvoll, alles über eine Taskforce zu koordinieren"

Geschäftsführer Alexander Wehrle vom 1. FC Köln

Coronakrise

Kölns Geschäftsführer Wehrle: "Sinnvoll, alles über eine Taskforce zu koordinieren"

Alexander Wehrle, Geschäftsführer beim 1. FC Köln und Präsidiumsmitglied der DFL, erhofft sich von der medizinischen Taskforce eine ligaweite Koordinierung des Trainingsbetriebs.

Die Bundesliga pausiert wegen der Corona-Pandemie noch bis mindestens 30. April. Der 1. FC Köln nimmt allerdings ab 6. April unter den bestehenden Auflagen sein Training wieder auf.

Im Interview mit der Sportschau spricht Geschäftsführer Alexander Wehrle über die Bedingungen, unter dem beim 1. FC Köln gearbeitet wird und unter denen es eventuell in der Bundesliga weitergehen könnte.

Herr Wehrle, die DFL versucht gerade, mit einer medizinischen Taskforce Pläne oder Ideen umzusetzen. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Alexander Wehrle: Zielsetzung der Taskforce ist eine ligaweite Koordination der Vorgehensweise, was Trainingsbetrieb angeht und nachgelagert auch den Spielbetrieb. Bei all dem ist natürlich klar, dass wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden müssen. Daher muss man es Schritt für Schritt machen, und jetzt geht es erst mal darum, in den Trainingsbetrieb überzugehen. Da geht es um Hygiene und Infektionsschutzmaßnahmen, die von den jeweiligen Kommunen auch vorgegeben werden. Das alles über eine Taskforce zu koordinieren, ist sinnvoll, damit die jeweiligen Mannschaftsärzte dann auch Rücksprache halten können mit den medizinisch Verantwortlichen.

Es soll Schnelltests geben, die für die Profis zur Verfügung gestellt werden sollen. Inwiefern ist das überhaupt umsetzbar?

Wehrle: Wir als medizinische Laien können dazu zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nichts sagen. Dafür ist ja die medizinische Taskforce eingesetzt worden. Und wie gesagt: Dabei gilt immer zu beachten, dass wir uns der gesellschaftlichen Verantwortung stellen müssen. Da muss man prüfen: Was ist machbar? Was ist vertretbar?

Gibt es hierfür denn eine Art Deadline?

Wehrle: Es gibt keine konkrete Deadline. Aber es ist so, dass die meisten Bundesländer ab nächster Woche wieder einen geordneten Trainingsbetrieb möglich machen. Mit geordnet meine ich, dass die Vereine angehalten sind, die Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Ohnehin haben wir festgelegt, dass bis zum 30. April der Spielbetrieb ausgesetzt ist. In dieser Phase brauchen wir neue Erkenntnisse, inwieweit wir über mögliche Testrunden oder was auch immer verfügen können, damit wir das Mannschaftstraining und den Spielbetrieb sicherstellen können.

Wenn beim 1. FC Köln am Montag (06.04.2020) das Training wieder losgeht, und wenn diese Trainingseinheiten gut verlaufen: Könnte das ein gutes Signal sein, um den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können?

Wehrle: Es ist schon wichtig, die Schutzmaßnahmen wirklich ernst zu nehmen. Wir beim FC haben da einen sehr umfangreichen Maßnahmenkatalog mit unserer medizinischen Abteilung und unseren Physiotherapeuten ausgearbeitet und dem Trainerteam vorgestellt. Er wird übers Wochenende verfeinert, so dass am Montag klar ist, wer sich wie zu verhalten hat. Natürlich wollen wir alles  so umsetzen, wie es uns die Behörden und die Politik vorgegeben haben.

Halten Sie es für richtig, die ganze Gruppe auszuschließen, wenn einer oder mehrere Spieler das Coronavirus haben?

Wehrle: Wir haben dazu noch keine schriftlichen Verordnungen bekommen. Da gibt es so viele Gerüchte. Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nichts sagen.

Aber es wäre sicherlich schwierig, wenn die ganze Mannschaft unter Quarantäne steht, oder?

Wehrle: Klar würde es dann schwierig werden. Aber genau für diese Fragen ist die medizinische Taskforce eingerichtet worden. Und wenn man jetzt auf die vergangenen Wochen zurückblickt, gab es im Profifußball ja relativ wenige Personen, die positiv getestet wurden. Das hängt auch damit zusammen, inwieweit sich jeder an Hygiene und Schutzmaßnahmen hält, und das gilt es auch in den nächsten Wochen sicherzustellen.

Ist es aus sportlicher Sicht vertretbar, dass jeder Verein mit einer Kaderstärke von mindestens 13 gesunden Feldspielern zu einem Spiel antreten muss und andernfalls das Spiel gegen dieses Team gewertet werden soll?

Wehrle: Da gibt es so viele Spekulationen, an denen werde ich mich sicherlich nicht beteiligen.

Sind Sie als Präsidiumsmitglied der DFL denn besser informiert als andere Vereine?

Wehrle: Als Präsidiumsmitglied gilt es, die Interessen aller zu bündeln und auch Empfehlungen auszusprechen. Am Ende ist es ja so, dass bei den wesentlichen Entscheidungen alle 36 Vereine ihre Stimme abgeben müssen. Das ist auch gut so. Nur so kann man auch die Solidargemeinschaft ausfüllen. Daher ist es nicht so, dass wir im Präsidium über Spezialwissen verfügen.

Bundesliga: Solidarität in Zeiten der Krise? Sportschau 28.03.2020 04:17 Min. Verfügbar bis 28.03.2021 Das Erste

Bei einem früheren Gespräch haben Sie mal gesagt: Drei Niederlagen verändern alles. Was verändert Corona?

Wehrle: Es gibt in der ganzen Gesellschaft eine Zeit vor Corona und eine danach. Corona wird unser Gesundheitssystem verändern, es wird unsere Volkswirtschaft verändern, es wird viele bittere Einzelschicksale geben, und es wird auch den Profifußball ein Stück weit verändern. So wird sicher der europäische Transfermarkt im Sommer ein anderer sein. Vielleicht wird auch das Miteinander künftig ein anderes sein, was ein gutes Zeichen ist. Was ich als sehr positiv empfinde, ist, dass wir unter allen 36 Vereinen einen klaren Solidargedanken spüren. Und das ist bei all diesem Leid und diesen Unwägbarkeiten, die dieser Virus mit sich bringt, ein positives Signal.

Das Gespräch führte Nesrin Elnabolsy.

Wenn Vereinen der Existenzverlust droht Mittagsmagazin 27.03.2020 02:59 Min. Verfügbar bis 27.03.2021 Das Erste

Stand: 04.04.2020, 18:21

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