Formel 1: Vettel weiter Mittelmaß - Bestzeit für Hamilton

Lewis Hamilton auf der Strecke in Silverstone

Training in Silverstone

Formel 1: Vettel weiter Mittelmaß - Bestzeit für Hamilton

Sebastian Vettel ist beim Formel-1-Grand-Prix in Silverstone auch im dritten Training hinterhergefahren. Es dominierte einmal mehr Weltmeister Lewis Hamilton.

Sebastian Vettel steckt weiter im Mittelfeld der Formel 1 fest. Im dritten freien Training zum Jubiläums-Grand-Prix in Silverstone kam der Heppenheimer in seinem Ferrari mit neuem Motor nicht über Rang 13 hinaus, auf die Bestzeit von Weltmeister Lewis Hamilton (England) im Mercedes von 1:26,621 Minuten fehlten dem viermaligen Champion 1,190 Sekunden. Racing-Point-Teilzeitkraft Nico Hülkenberg hingegen glänzte bei der Qualifying-Generalprobe als Vierter (+0,635).

Vettel musste sich erneut deutlich seinem Teamkollegen Charles Leclerc geschlagen geben, der als Sechster fast eine halbe Sekunde schneller war. Nach dem Motorschaden an Vettels SF1000 in der Schlussphase des Freitagstrainings tauschte Ferrari vor dem FP3 auch am Boliden von Leclerc als Vorsichtsmaßnahme die komplette Power Unit aus. Weil es sich um den ersten Motorwechsel der Saison bei Vettel und seinem monegassischen Stallrivalen handelt, kommen beide Piloten um eine Rückversetzung in der Startaufstellung zum fünften Saisonlauf herum. Der Einsatz von drei Spezifikationen pro Saison ist straffrei.

Vettel zuvor ausgebremst

Sebastian Vettel muss sein Auto im Freien Training abstellen

Sebastian Vettel muss sein Auto im Freien Training abstellen

Tags zuvor war Vettel höchstpersönlich auf die Knie gegangen und hatte die Unterseite seines Ferrari geprüft. Ein technischer Defekt hatte den viermaligen Formel-1-Weltmeister im zweiten Training brutal ausgebremst. Kurz vor dem Ende der Einheit musste der wieder einmal abgehängte 33-Jährige seinen lahmenden Wagen vorzeitig abstellen. Vettel schloss den Trainingstag nur als 14. (+1,592 Sekunden) ab - und suchte sofort nach dem Technik-K.o. noch auf dem Asphalt nach der Ursache. Ein Ölleck konnte er da erspähen.

Weltmeister Hamilton war hingegen wieder nicht einzufangen. Knapp eine Woche nach seinem spektakulären Grand-Prix-Sieg auf nur drei funktionsfähigen Reifen beendete der Mercedes-Pilot den ersten Trainingstag zum zweiten England-Rennen mit der Bestzeit. Nur sein Teamkollege Valtteri Bottas (+0,176 Sekunden) konnte dem Tempo des sechsmaligen WM-Champions folgen.

Nico Hülkenberg mit Eigenwerbung

Daniel Ricciardo im Renault hatte als Dritter schon 0,815 Sekunden Rückstand auf Hamilton (1:25,606 Minuten). Nico Hülkenberg raste in seinem nächsten Vertretungseinsatz für den positiv auf Corona getesteten Sergio Perez auf einen vielversprechenden sechsten Platz. Und Vettel? Auch an dem Wochenende, an dem die Formel 1 an ihren ersten Grand Prix vor 70 Jahren in Silverstone erinnert, wird es für den Hessen wieder sehr schwierig.

Aus eigener Kraft kann er in dieser Saison nicht mal um einen Platz auf dem Podest mitfahren, Hamilton traut er hingegen einen Siegesdurchmarsch zu. "Mercedes liegt in diesem Jahr in einer großartigen Position. Der Wagen ist gut genug. Lewis ist in guter Form", befand Vettel, der in seiner bislang letzten Weltmeister-Saison 2013 die letzten neun Grand Prix des Jahres gewinnen konnte.

Hamilton nimmt Vettel in Schutz

Für den Heppenheimer ist "wahrscheinlich das größere Fragezeichen", wie viele Rennen noch in dieser Saison ausgetragen werden und nicht, "wer sie gewinnen wird". 13 Grand Prix für dieses Jahr sind aktuell bestätigt, mindestens 15 sollen es am Saisonende sein.

Hamilton blieb Lob für seinen früheren deutschen WM-Rivalen nicht schuldig. "Er bekommt einfach nicht die Bühne, auf der er sein Potenzial abrufen kann", meinte der Titelverteidiger, der sich am Sonntag nach einem Platten gerade noch ins Ziel rettete, über die Probleme bei Ferrari. "Ich hoffe sehr für ihn, dass er nächstes Jahr zu Racing Point gehen kann. Sie haben einen Plan und ein Auto mit Potenzial. Er hat die Chance, das Team anzuführen."

Entscheidung über Vettels Zukunft steht kurz bevor

Vettel rechnet in den nächsten Wochen mit einer Entscheidung über seine mögliche Formel-1-Zukunft. "Ich sehe nicht, warum ich mich unter Druck setzen lassen muss. In gewisser Weise habe ich meine Entscheidung getroffen, jetzt wird sich zeigen, ob was Vernünftiges zusammenkommt oder nicht", sagte er in einem RTL-Interview.

Vettels Ferrari-Gegenwart bleibt trist. Sein auf den Namen "Lucilla" getaufter Wagen sei "nicht der Überbringer, wir sind deutlich hinter der Spitze", räumte er ein weiteres Mal ein. Für das zweite Wochenende am Stück auf der Powerstrecke Silverstone hofft er wenigstens auf ein "besseres Gefühl für das Auto. Der Rest kommt dann von alleine." Derzeit sind das nur Rückschläge - und Pannen.

dpa | Stand: 08.08.2020, 13:40

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