Doping: Erste Anklage in den USA auf Grundlage des "Rodtschenkow-Gesetzes"

Blessing Okagbare

Doping

Doping: Erste Anklage in den USA auf Grundlage des "Rodtschenkow-Gesetzes"

Staatsanwälte in den USA haben einen Mann aus Texas angeklagt, der Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Olympischen Spiele in Tokio Dopingmittel bereitgestellt haben soll, darunter Blessing Okagbare. Es ist die erste Anklage auf Grundlage des neuen Anti-Doping-Gesetzes in den USA.

Auch die nigerianische Sprinterin Blessing Okagbare befindet sich der Nachrichtenagentur Associated Press zufolge unter den Athletinnen und Athleten, die Eric Lira mit Dopingmitteln versorgt haben soll. Der Mann ist die erste Person, die nach dem "Rodtschenkow-Gesetz" zur Bestrafung von Doping bei internationalen Sportwettbewerbe angeklagt wird.

Das Gesetz ist nach Grigorij Rodtschenkow benannt, der als Whistleblower zur Aufdeckung des staatlich organisierten Dopingsystems in Russland beitrug. Der frühere Leiter des Moskauer Dopingkontrolllabors hatte Russlands Machenschaften während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi zur Vertuschung von positiven Dopingproben einheimischer Athleten nach seiner Flucht enthüllt. Rodtschenkow lebt seither im Zeugenschutzprogramm des FBI in den Vereinigten Staaten.

Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht Sportschau 03.12.2014 58:05 Min. Verfügbar bis 03.12.2099 Das Erste

Okagbare positiv auf Wachstumshormon getestet

Die Staatsanwaltschaft in Manhattan teilte mit, dass der Angeklagte unter anderem Wachstumshormone bereitgestellt haben soll. Die Strafanzeige identifiziert Okagbare nur als "Athletin 1", enthält aber zugleich Details wie ihre Leistungen in bestimmten Rennen, die deutlich machen, dass sie eine von Liras Kunden war.

Okagbare war bei einer Trainingskontrolle am 19. Juli 2021 positiv auf ein menschliches Wachstumshormon getestet worden. Das Ergebnis wurde während der Spiele bekannt. Sie wurde vorläufig gesperrt - nur wenige Stunden bevor sie in Tokio im Halbfinale über 100 Meter der Frauen laufen sollte.

"Rodtschenkow-Gesetz" seit 2020 in Kraft

Grigorij Rodtschenkow

Grigorij Rodtschenkow

Das "Rodtschenkow-Gesetz" gibt den Behörden in den USA die Möglichkeit, Doping bei Sportgroßereignissen als Straftatbestand einzuordnen und zu bestrafen. Zudem schützt es Whistleblower vor Vergeltungsmaßnahmen und sieht eine Entschädigung für durch Doping geschädigte Sportler vor. Demokraten und Republikaner hatten das "Rodtschenkow-Gesetz" Anfang 2019 in beide Kammern eingebracht, im Dezember unterschrieb es der damalige Präsident Donald Trump.

nch/sid | Stand: 12.01.2022, 23:55

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