Staffel-Bronze für deutsche Biathleten bei WM in Antholz

Biathlon-WM - die Herren-Staffel aus Antholz Sportschau 22.02.2020 01:16:01 Std. Verfügbar bis 22.02.2021 Das Erste

Drama beim letzten Schießen

Staffel-Bronze für deutsche Biathleten bei WM in Antholz

Von Bernd Eberwein

Die deutschen Biathlon-Männer haben bei der Weltmeisterschaft im italienischen Antholz Staffel-Bronze gewonnen. Bis zu einem dramatischen letzten Schießen war sogar die Goldmedaille noch in Reichweite. Der Weltmeistertitel ging nach Frankreich.

Natürlich schauten an diesem denkwürdigen WM-Samstag (22.02.2020) in Antholz alle auf die russische Staffel. Am Morgen hatte die Polizei das Hotelzimmer von Sprint-Weltmeister Alexander Loginow durchsucht. Der frühere Doper, der schon einmal zwei Jahre gesperrt war, steht erneut unter Dopingverdacht.

Russlands Staffel-Herren, in der aktuellen Weltcup-Saison drei Mal auf Platz vier und einmal Sechste, zählten durchaus zum erweiterten Favoritenkreis auf eine WM-Medaille in Antholz. Die Topfavoriten nach dem bisherigen Saisonverlauf jedoch Titelverteidiger Norwegen, Frankreich und auch das deutsche Team.

Mixed-Silbergewinner Erik Lesser - souveräner Startläufer

Erik Lesser rutschte nach seiner Single-Mixed-Silbermedaille wieder in die Staffel und eröffnete das Rennen. Seine Kontrahenten: der Norweger Vetle Christiansen, Verfolgungs-Weltmeister Emilien Jacquelin aus Frankreich und der Russe Jewgeni Garanitschew.

Und Lesser lieferte erneut ab: Schnell und fehlerfrei in beiden Schießeinlagen, nur der Franzose Jaquelin konnte da - trotz eines Nachladers - dranbleiben. Italien mit Mixed-Staffel-Silbergewinner Lukas Hofer wechselte auf Platz drei mit 18,8 Sekunden Rückstand. Topfavorit Norwegen lag beim Wechsel auf den zweiten Starter mit einer Strafrunde schon 38,9 Sekunden zurück, Russland satte 56,1 Sekunden.

Philipp Horn bietet Einzel-Weltmeister Fourcade Paroli

Und Deutschlands zweiter Starter, Philipp Horn, knüpfte mühelos an Lessers Leistung an - obwohl er sich mit Einzel-Weltmeister Martin Fourcade duellieren musste. Fehlerfrei und genauso schnell wie der Franzose beim Liegendanschlag - und trotz eines Nachladers beim Stehendschießen blieb er an Fourcades Skienden dran. Gemeinsam kamen Frankreich und Deutschland zum zweiten Wechsel.

Um Platz drei balgte sich mittlerweile ein Sextett: Die Norweger, mit Johannes Dale unterwegs, kamen mit 1:04,4 Minuten Rückstand als Dritte zum Wechsel. Dahinter die Staffeln aus Österreich, Slowenien, Bulgarien, Italien und auch Russland.

Arnd Peiffer und Simon Desthieux im "Zwillingsmodus"

An der Spitze wechselten zwar die Protagonisten, am Schießstand blieben die Vorstellungen aber weiter souverän: Arnd Peiffer fürs deutsche Team und der Franzose Simon Desthieux trafen fast synchron, mussten stehend je einmal nachladen, blieben aber souverän an der Spitze - und in der Loipe setzte sich Peiffer dann ab. Mit 12,6 Sekunden Vorsprung schickte er den deutschen Schlussläufer Benedikt Doll ins Rennen.

Gold und Silber schienen da schon vergeben. Denn Norwegen auf Platz drei hatte trotz eines starken Tarjei Bö 1:07,8 Minuten Rückstand. Überraschend auf Platz vier beim letzten Wechsel die Slowenen (+1:21,6). Russlands Schlussläufer Alexander Loginow ging nach der Dopingrazzia auf Platz fünf mit über zwei Minuten Rückstand ins Rennen.

Benedikt Doll: Eine Strafrunde kostet die Goldmedaille

Deutschland gegen Frankreich, Benedikt Doll gegen Quentin Fillon Maillet - das vermeintliche Duell um den Weltmeistertitel auf der Schlussrunde. Satte drei Nachlader benötigte Doll aber gleich beim Liegendanschlag. Nur dank seines herausgelaufenen Vorsprungs blieb er bis auf rund vier Sekunden am neuen Spitzenreiter Fillon Maillet dran.

Das letzte Schießen musste die Entscheidung bringen - und wieder kam Doll nicht ohne Nachlader durch, schlimmer noch: Der Schwarzwälder musste einmal in die Strafrunde.

Während vorne der Franzose Fillon Maillet entspannt mit teilweise über einer halben Minute Vorsprung dem Weltmeistertitel entgegenlief, hatte Doll plötzlich Biathlon-Überflieger Johannes Thingnes Bö an den Fersen - und auf den Schlusskilometern vor sich.

Einer Sprint-Attacke des Norwegers konnte er nichts entgegensetzen und musste Bö ziehen lassen. Norwegen sicherte sich die Silbermedaille, den deutschen Männern blieb Bronze.

Und der Mann, der an diesem Antholz-Tag unfreiwillig im Mittelpunkt stand? Alexander Loginow sicherte der russischen Staffel dank einer starken Schlussrunde zumindest Platz vier.

Stand: 22.02.2020, 15:27

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