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Zwangsarbeit in China - DBB-Ausrüster unter Verdacht

Stand: 15.03.2022, 08:00 Uhr

Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft spielt in Trikots eines chinesischen Ausrüsters. Das Unternehmen sieht sich Vorwürfen gegenüber, von Zwangsarbeit und Unterdrückung der Uiguren zu profitieren.

Von Christian Mixa

Menschenrechtsverletzungen in China bleiben ein Thema in der Sportwelt, auch nach den Olympischen Spielen in Peking. Wie weit die Verbindungen nach China und seinen finanzstarken Sponsoren reichen, wurde nun wieder in der NBA deutlich, der besten Basketball-Liga der Welt: Dort müssen sich NBA-Stars wegen ihrer Verträge mit chinesischen Sponsoren rechtfertigen.

Der US-Sender ESPN veröffentlichte eine Liste mit mehr als 25 NBA-Basketballern, die persönliche Ausrüsterverträge mit chinesischen Sportmarken haben. Dwyane Wade etwa, dreifacher NBA-Champion, hat laut ESPN bereits 2012 einen Vertrag mit der Firma Li-Ning abgeschlossen, der nach Wades Karriereende auf Lebenszeit verlängert wurde. Anta, nach eigenen Angaben Chinas größter Sportartikelhersteller, soll Klay Thompson von den Golden State Warriors 80 Millionen Dollar dafür zahlen, Thompsons Signature-Schuh vermarkten zu dürfen.

Chinesische Sportmarken unter Verdacht - Zwangsarbeit in der Uiguren-Provinz

Li Ning und Anta gehören zu jenen Firmen, die mit der geächteten Baumwollindustrie aus Xinjiang in Verbindung gebracht werden. 80 Prozent der Baumwolle aus chinesischer Produktion stammt aus der Provinz im äußersten Nordwesten. Es ist die Heimat der Uiguren und anderer turkstämmiger Minderheiten, die vom KP-Regime unterdrückt und in Internierungslagern weggesperrt werden - dies ist von Recherchekonsortien und Menschenrechtsorganisationen inzwischen vielfach dokumentiert.

Baumwollernte in der chinesischen Provinz Xinjiang

Verdacht von Zwangsarbeit: Baumwollernte in der chinesischen Provinz Xinjiang

Hunderttausende Angehörige der uigurischen Minderheit werden demnach in Xinjiang auch in der Baumwollindustrie eingesetzt. Der Großteil der Baumwollernte, auch dies belegen Medienrecherchen und Untersuchungen internationaler NGOs, findet unter Bedingungen statt, die als Zwangsarbeit eingestuft werden. Die US-Regierung hat Baumwolle aus Xinjiang deshalb mit einem Importverbot belegt. Auch große westliche Sportkonzerne haben sie für ihre Produkte auf den Index gesetzt.

Ausbeutung von Uiguren - auch bei DBB-Ausrüster Peak?

Zu den Unternehmen, die unter Verdacht stehen, von der organisierten Ausbeutung uigurischer Beschäftigter zu profitieren, zählt auch Peak. Ein chinesischer Sportswear-Hersteller, der unter anderem offizieller Ausstatter des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) ist. Seit 2013 spielen die Nationalmannschaften, aber auch die Teams der Junioren-Bundesligen NBBL und JBBL, mit Trikots von Peak. Das Dress der besten deutschen Basketballer und Nachwuchsteams - von einer Firma gefertigt, die Zwangsarbeiter beschäftigt? Im offiziellen DBB-Fanshop sind zudem T-Shirts und Sweater mit Baumwolle im Angebot. Baumwolle, die von uigurischen Zwangsarbeitern gepflückt wurde?

Eindeutige Belege dafür sind nur schwer zu bekommen. Dies liegt vor allem an den intransparenten Produktionswegen in Chinas Textilindustrie, die für ausländische Beobachter weitestgehend abgeschottet ist, wie der Rest der chinesischen Wirtschaft. Verlässliche Informationen über Herkunft und Produktion eines Shirts, das am Ende im DBB-Shop auftaucht, gibt es nicht.

Peak-CEO: "Ich unterstütze Xinjiang-Baumwolle!"

Anfragen der ARD an die Peak-Zentrale zu Produktionsstandorten und Lieferanten blieben unbeantwortet. Doch es gibt belastbare Hinweise, dass Peak Baumwolle aus Xinjiang verarbeitet. Der Vorstandschef des Unternehmens, Xu Zhihua, hatte sich im vergangenen Jahr selbst ausdrücklich dazu bekannt.

"Peak hat als chinesische Marke Xinjiang-Baumwolle und chinesische Baumwolle gekauft! Eine chinesische Marke, made in China! Ich unterstütze Xinjiang-Baumwolle!", schrieb der Peak-CEO in patriotischem Ton bei Weibo, dem chinesischen Twitter.​ Zum Beweis stellte er noch die Kopie eines längerfristigen Liefervertrags dazu, den Peak mit der Firma Xinjiang Litai Silu ("Silk Road") Investment abgeschlossen hat.

Weibo-Post von Peak-Vorstand Xu Zhihua

Peak-Vorstand Xu Zhihua bei Weibo: "Ich unterstütze Xinjiang-Baumwolle!"

Uiguren von Internierungscamps in Textilfabriken verfrachtet

Doch es geht nicht nur um die Baumwolle aus der Uiguren-Provinz. Die komplette chinesische Textilindustrie gilt als belastet: Uigurische Arbeitskräfte, darunter viele junge Frauen, werden auch in Textilfabriken in anderen chinesischen Provinzen geschickt. Im Rahmen von staatlich orchestrierten Arbeitsprogrammen, die offiziell die Armut in den ländlichen Gegenden bekämpfen sollen. In Wahrheit, so die Einschätzung des australischen Politikforschungsinstituts ASPI, findet aber auch dies wohl unter Zwang statt. Begleitet von Einschüchterungen und Drohungen durch staatliche Abgesandte, auch gegen Angehörige der uigurischen Arbeitskräfte. Einige von ihnen sollen direkt aus den berüchtigten Internierungscamps in die großen Industriezentren im Osten Chinas verfrachtet worden sein.

Der Thinktank ASPI hat zahlreiche Lieferketten in Chinas Wirtschaft untersucht, auf der Basis von Daten über Firmen, die uigurische Beschäftigte aus Xinjiang angefordert haben - und die Namen großer Auftraggeber identifiziert, die mit diesen Unternehmen zusammenarbeiten. Darunter finden sich Weltkonzerne aus der Elektronik- und Textilindustrie, aber auch die großen chinesischen Sportmarken.

Der weit verbreitete Einsatz uigurischer Zwangsarbeiter habe inzwischen die globale Wertschöpfungskette vergiftet, so die Schlussfolgerung der China-Experten. Es könne von außen kaum noch sichergestellt werden, dass Produkte die in China hergestellt werden, wirklich frei von Zwangsarbeit seien.

DBB: Gespräche mit Peak angekündigt

Den Deutschen Basketball-Bund bringt das wirtschaftliche Umfeld, in dem sich sein langjähriger Partner Peak bewegt, in Erklärungsnot. Der Verband betont gegenüber der Sportschau, dass er sich mehrmals vor Ort bei Fabrikbesuchen ein Bild von den Arbeits- und Produktionsbedingungen gemacht habe. Zwangsarbeit sei dabei bislang kein Thema gewesen, teilte Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt mit. Die vorliegenden Erkenntnisse reichten für den DBB nicht aus, um die Partnerschaft mit Peak infrage zu stellen.

Der Verband sei aber angesichts der konkreten Vorwürfe gegen Peak sensibilisiert. Generalsekretär Brenscheidt kündigte weitere Untersuchungen an, dabei sollen jetzt auch die Lieferketten in den Blick genommen werden. "Dies wird definitiv Gegenstand der nächsten Gespräche sein", sagte Brenscheidt, sobald es wieder möglich sei, nach China zu reisen: "Wir werden dies bei der nächsten persönlichen Zusammenkunft ansprechen, bei der Eigentümerfamilie." Letzten Endes, betonte Brenscheidt, sei der DBB aber auf die Aussagen des Unternehmens angewiesen.

Vertrag mit Peak läuft bis 2028

Am Ende dürfte es bei der Frage, ob der DBB seinen chinesischen Sponsor fallen lässt, auch um wirtschaftliche Überlegungen gehen. Der Vertrag mit Peak läuft nach Medienberichten noch bis ins Jahr 2028 und bietet dem DBB zumindest bis dahin sichere Einnahmen. Auf der anderen Seite droht ein Imageschaden, der womöglich größer sein könnte.

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